24. Juli 2013

Werder-Krise: «Noch ganz, ganz, ganz viel Arbeit»

Leipzig (dpa) - Nach der vierten Niederlage in Folge war auch der bisher so fröhliche Robin Dutt sauer. Der neue Trainer des SV Werder Bremen scheint langsam zu ahnen, worauf er sich eingelassen hat.

Trübe Aussichten
Vor Bremens Cheftrainer Robin Dutt liegt noch sehr viel Arbeit. Foto: Jan Woitas
dpa

Etwas anderes als Abstiegskampf ist angesichts der erschreckenden Vorbereitung des Fußball-Bundesligisten kaum vorstellbar. Ernüchtert stellte der verärgerte Dutt nach dem 1:2 bei RB Leipzig fest: «Wir haben noch ganz, ganz, ganz viel Arbeit vor uns.»

Nicht einmal gegen zwei Klassen tiefer spielende Teams reicht es. Nach dem 0:1 gegen den VfL Osnabrück vor zehn Tagen setzte es nun in Leipzig eine weitere Niederlage gegen einen Drittligisten. Dazwischen verlor Werder gegen PEC Zwolle und Ajax Amsterdam jeweils 2:3. «Diese Serie ist zu Recht nicht gerissen», gab Aaron Hunt unumwunden zu.

Der Absturz geht also auch mit dem neuen Coach ungebremst weiter. 13 Spiele ohne Sieg gab es zuletzt in der Bundesliga und belegen den dramatischen Verfall beim ehemaligen Vorzeigeclub. Sogar das Denkmal Thomas Schaaf wurde gestürzt, um die Wende zu schaffen - doch davon scheint Werder weit entfernt.

Bei den Werder-Fans wächst die Angst. «Die Sorgen sind begründet durch die letzte Saison», sagte Dutt und warb zuggleich um Nachsicht: «Wir wollen eine Basis für ein ganzes Jahr schaffen. Da bitte ich auch um Geduld.»

Der Nachfolger von Schaaf gerät schon in Rechtfertigungszwang, bevor die Saison richtig begonnen hat. «Ich habe nicht versprochen, dass ich die Mannschaft nach drei Wochen in einem taktisch perfekten Zustand habe», kommentierte Dutt den Versuch eines 4:3:3-Systems in Leipzig, nachdem es zuvor im 4:2:3:1 keine Erfolge gab.

Besserung ist nicht in Sicht. Die Mannschaft wirkt vor der neuen Saison ähnlich lethargisch und verunsichert wie in der alten. Der Unterschied ist nur, dass Kevin de Bruyne und Sokratis fehlen. Die einzigen Leistungsträger der vergangenen Spielzeit, die Schlimmeres verhindert hatten, werden nun umso schmerzlicher vermisst.

Die Analyse von Hunt, die er nach der neuerlichen Niederlage in Leipzig vortrug, ist inzwischen fast schon ein Klassiker im Bremer Repertoire: «Wir tun uns vorne und hinten schwer, waren zu fahrlässig und haben dem Gegner die Tore geschenkt.» Oder noch einfacher ausgedrückt: «Wir haben zu viele Fehler gemacht.»

Auch Dutts Kommentar hörte sich ähnlich an und hätte zu vielen Bundesligaspielen der abgelaufenen Saison unter Schaaf gepasst: «Wir haben sehr viele Fehler gemacht, vor allem im Bereich der Aggressivität.»

Immerhin lebte der Trainer die geforderte Leidenschaft vor, stand in Leipzig 90 Minuten an der Seitenlinie, korrigierte und gab Anweisungen. «Die Spieler brauchen eine Anleitung, brauchen Unterstützung», sagte Dutt: «Ich kann nicht von meinen Spielern erwarten, Vollgas zu geben, wenn ich lethargisch rumsitze. Es ist die Aufgabe eines Trainers, zu coachen und auch mal die Stimme zu erheben.» Genutzt hat es allerdings wenig.

Wie soll es nun besser werden? «Ein Sieg würde uns gut tun», sagte Hunt. Und auch Stürmer Nils Petersen meinte: «Für den Kopf wäre es natürlich schon ganz gut, wenn wir am Donnerstag gewinnen können.» Selbstvertrauen klingt anders, zumal Gastgeber Rot-Weiß Erfurt ebenfalls zwei Klassen tiefer spielt.

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