02. Mai 2012

Altstar Haas schlägt Top-Favorit Tsonga in München

München (dpa) - Das Kaiserwetter auf der Münchner Tennisanlage passte zum grandiosen Auftritt von Altstar Tommy Haas. Bei strahlendem Sonnenschein fegte der einstige deutsche Vorzeigespieler den Weltranglistenfünften Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich vom bayerischen Sandplatz.

«Geheimfavorit»
Tommy Haas bedankt sich nach seinem Sieg über Jo-Wilfried Tsonga bei seinen Fans. Foto: Marc Müller
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Entfesselt
Tommy Haas überraschte Jo-Wilfried Tsonga im Achtelfinale mit einem grandiosen Auftritt. Foto: Marc Müller
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Überrumpelt
Jo-Wilfried Tsonga hatte sich auf einen schwächeren Gegner eingestellt. Foto: Marc Müller
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Handschlag
Nach dem Sieg nimmt Tommy Haas (r) die Gratulation von Jo-Wilfried Tsonga entgegen. Foto: Marc Müller
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Verloren
Dustin Brown hatte mit seinem unorthodoxen Spiel nur zu Beginn gegen Marcos Baghdatis Erfolg. Foto: Marc Müller
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Wie in guten alten Zeiten stürmte der Mann mit dem Basecap ins Viertelfinale des ATP-Turniers und ließ sich vom Publikum bejubeln. In entfesselter Manier schlug der gebürtige Hamburger den Weltklassemann mit 6:1 und 6:4, fortan darf er sich als Geheimfavorit bei der mit 450 000 Euro dotierten Veranstaltung bezeichnen.

«Mit 34 Jahren gegen einen der fünf besten der Welt zu gewinnen, tut gut. Das werde ich jetzt erstmal genießen», frohlockte Haas. Neben Philipp Kohlschreiber ist er die letzte einheimische Hoffnung, nachdem für Dustin Brown und Matthias Bachinger im Achtelfinale Endstation war. Kohlschreiber, Turniersieger von vor fünf Jahren, trifft erst am Donnerstag in seinem Zweitrunden-Match auf den Letten Ernests Gulbis.

In Windeseile machte Haas gegen Tsonga alles klar, schon nach 59 Minuten hatte er sein Ticket unter die letzten Acht gebucht. Sein Kontrahent schien anfangs gar nicht zu realisieren, wie ihm geschah: Erst nach 19 Minuten gewann der Franzose sein erstes Spiel zum zwischenzeitlichen 1:5 im ersten Satz - im Publikum reagierten da die ersten der rund 4000 Zuschauer schon mit höhnischem Applaus.

Nach rekordverdächtigen 21 Minuten hatte Haas den Auftaktdurchgang für sich entschieden, nach 30 Minuten war der bullige Tsonga schon völlig fertig mit den Nerven und fluchte lautstark vor sich hin. Haas, wiederum mit weiß-blauem Karoshirt nach bayerischem Muster angetreten, ließ sich von diesen Emotionen wenig beeindrucken, machte kaum mal einen Flüchtigkeitsfehler, schlug erstklassige Longlinebälle und gewann hochverdient gegen den enttäuschten Tsonga.

«Tommy hat einfach besser gespielt. Wenn Tommy fit ist, kann er jeden schlagen», lobte der Franzose den verletzungsgeplagten Haas. Im Viertelfinale trifft der wohl am Freitag auf Marcos Baghdatis aus Zypern. «Wenn bei ihm alles stimmt, wird es schwer», urteilte Haas.

Baghdatis hatte zuvor Qualifikant Brown (Winsen an der Aller) aus dem Turnier geworfen. Brown erwischte gegen Baghdatis zwar einen Superstart, danach aber passte sich der an Nummer acht gesetzte Publikumsliebling dem unorthodoxen Spiel des Deutschen immer besser an. Jeweils ein Break im zweiten und dritten Satz genügten ihm zum 1:6, 6:4, 6:4-Erfolg. Browns immer gleiche Taktik, über Stopbälle zu schnellen Punkten zu kommen, verlor zunehmend seine Wirkung.

Bachingers Auftritt war dagegen von Anfang an verkorkst. Nach zwei einseitigen Sätzen und nur 70 Minuten Spielzeit gegen den Kroaten Marin Cilic war das Zweitrunden-Aus des Dachauers besiegelt. «Ich war ein bisschen müde», klagte er nach dem 3:6, 2:6 gegen den an Nummer drei gesetzten Mitfavoriten. «Hier in München ist es immer anstrengend für mich, weil beim Heimspiel der Druck noch größer ist. Und gegen einen Topmann wie Cilic darfst du dir nichts erlauben.»

Hinter dem 25-jährigen Deutschen liegen dennoch spannende Tage - am Wochenende hatte er in Bukarest denkbar knapp sein erstes Endspiel auf der ATP-Tour verpasst. Erst im Halbfinale war Bachinger gescheitert - diesmal also schon deutlich eher. Trotz des Rückschlags vor der bayerischen Heimkulisse blickt die Nummer 103 der Tennis-Welt aber nach vorn. «Das waren positive Wochen für mich. Jetzt muss ich einfach lernen, noch konstanter zu spielen.» Gar nicht so einfach im wöchentlichen Kräftemessen mit den besten der Welt.

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