14. Mai 2012

DEB-Team leckt Wunden - Rückendeckung für Kölliker

Stockholm (dpa) - Die große Aussprache nach dem WM-Desaster blieb aus, stattdessen gab es Rückendeckung für Jakob Kölliker. Der blieb auch nach den bislang bittersten Stunden als Eishockey-Bundestrainer noch freundlich und galant.

DEB-Coach
Jakob Kölliker hofft jetzt auf einen Sieg gegen Tschechien. Foto: Peter Steffen
dpa

Eine Abrechnung mit seinem Team lehnte der Schweizer nach dem 4:12-Debakel gegen die als vermeintlich gleichstark gehandelten Norweger ab. Sowohl seine Spieler als auch der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) stärkten Kölliker.

«Ich glaube schon, dass er Trainer bleibt und würde es mir auch wünschen», sagte Abwehrroutinier Christoph Schubert nach dem Abschlusstraining vor dem wichtigen letzten WM-Gruppenspiel am Dienstag gegen Ex-Champion Tschechien. Dort soll zumindest noch die direkte Olympia-Qualifikation gelingen. «Ich hoffe, dass die Jungs noch einmal aufstehen», sagte Kölliker.

«Es gibt jetzt zwei Methoden: Entweder, es geht sachte an die Analyse und wir suchen nach Ursachen innerhalb des Teams, oder wir machen eine öffentliche Zerfleischung, und das möchte ich momentan nicht», sagte Kölliker nach der Blamage, der keine Aussprache folgte. «Es gab eine Besprechung, die hat etwa zehn Minuten gedauert. Geredet wurde nicht viel. Es mussten auch nicht viele Reden geschwungen werden», berichtete Kapitän Marcel Goc, der nur wenig Schlaf fand: «Ich habe die ganze Zeit wach gelegen.»

Die WM-Pleite in Stockholm mit den meisten Gegentoren seit 39 Jahren hat die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zwei Jahre nach dem sensationellen Halbfinale bei der Heim-WM 2010 tief erschüttert. «Für uns ist das ein Desaster. Jedes Wort ist jetzt zu viel», sagte Kölliker nach dem Spiel, das eigentlich den Weg ins dritte WM-Viertelfinale in Serie ebnen sollte. Stattdessen gab es «eines der schlechtesten Spiele in der Geschichte des deutschen Eishockeys», wie Verteidiger Schubert schonungslos konstatierte.

DEB-Generalsekretär Franz Reindl, der während der Pressekonferenz und den Ausführungen Köllikers aufgewühlt auf und ab ging, gab dem Schweizer trotz seiner Fassungslosigkeit volle Rückendeckung. «Er macht akribische Arbeit. Er bringt sich voll für die Mannschaft ein, und dann passiert so etwas. Da tut mir jeder leid, der dabei ist», sagte Reindl über Kölliker. Der 58-Jährige hat als Trainer nur einen Vertrag bis zum Ende der WM und soll danach eigentlich als DEB-Sportdirektor die Geschicke der Nationalmannschaft lenken.

Der Berner legt Wert darauf, das Turnier mit der direkten Qualifikation für Sotschi 2014 noch retten zu können. «Wenn das gelingen sollte, klar. Das war immer das erklärte Ziel. Da müssen wir nach dem Turnier Bilanz ziehen.» Dass der DEB nun den vor der WM offensiv verkündeten Plan, Kölliker an den Verband binden zu wollen, noch einmal überdenkt, gilt angesichts der intern wohl schon längst gefallenen Entscheidung als unwahrscheinlich.

Der Bundestrainer legte seinen Fokus daher schnell auf die Aufarbeitung der Demontage und die Stärkung seiner Spieler. Für die direkte Olympia-Qualifikation müsste Deutschland gegen den zwölfmaligen Weltmeister Tschechien mehr Punkte holen als Köllikers Landsleute vier Stunden später in Helsinki gegen die USA. «Wir müssen unsere Leistung bringen und unsere Punkte holen, und zum Schluss wird abgerechnet», befand Kölliker. Er will auch gegen Tschechien an seiner riskanten Mann-gegen-Mann-Verteidigung festhalten.

«Wir können jetzt nicht unser Spiel von A bis Z ändern», begründete er dies. Auch dafür bekam er die Rückendeckung des Teams. «Das ist unser System, und das spielen wir. Bis gestern hat das ja auch gut geklappt», sagte NHL-Profi Goc. Aufgrund der vielen Absagen vor der WM gilt das im Vergleich zur defensiveren Ausrichtung von Vorgänger Uwe Krupp mit den vorhandenen Spielern offensivere System bei vielen als zu riskant. «Ich möchte das nicht analysieren. Das ist nicht mein Bereich», sagte Reindl auf die Frage nach den eklatanten Abwehrschwächen Deutschlands ausweichend.

Vor der WM hatten sich die Absagen gehäuft: Die NHL-Verteidiger Christian Ehrhoff (verletzt), Dennis Seidenberg und Alex Sulzer (beide private Gründe) sind ebenso nicht in Stockholm wie die Berliner Meisterspieler Frank Hördler und Constantin Braun. Korbinian Holzer ist noch in den AHL-Playoffs gebunden. Böse Worte von Kölliker blieben damals wie auch jetzt nach der bösen Klatsche gegen Norwegen aus. «Ich bin ein Teil dieses Teams. Die Mannschaft hat das sicher nicht extra gemacht», sagte Kölliker auf die Frage, ob er sich vom Team im Stich gelassen fühle.

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