22. Juli 2013

Das Münchner Luxusproblem - Liga droht Bayern-Übermacht

Mönchengladbach (dpa) - Zweieinhalb Wochen vor dem Start der Fußball-Bundesliga hat Münchens Star-Trainer Josep Guardiola genug damit zu tun, alle Spieler auf seine taktische Linie einzuschwören und atmosphärische Störungen in seinem Luxuskader zu verhindern.

Lob
Arjen Robben (r) ist zufrieden mit den Veränderungen unter Trainer Josep Guardiola. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
dpa

Die Ehrfurcht der düpierten Konkurrenz interessiert die Super-Bayern nicht. Der anspruchsvolle Katalane hat klare Vorstellungen. «Wenn die Spieler akzeptieren, dass ich der Boss bin, ist alles gut. Wenn sie an sich denken, gibt's Probleme», erklärte Guardiola nach dem eindrucksvollen 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach im Finale des Telekom-Cups.

Die Bayern-Auftritte im Borussia-Park erinnerten stark an eine Zweiklassen-Gesellschaft. Dementsprechend positiv fiel das erste Zwischenfazit von Sportvorstand Matthias Sammer aus. «Großes Kompliment bis hierhin an Pep und die Mannschaft, die mitzieht und die nicht den Eindruck vermittelt, dass sie genug hat, sondern dass sie weiter hungrig ist», erklärte Sammer auf der Homepage des FC Bayern München. Die Mannschaft gehe auf die «klaren Vorstellungen des neuen Trainers» vorbildlich ein, lobte er.

Neun Tore schoss der deutsche Fußball-Rekordmeister beim zweitägigen Mini-Turnier - und das in zwei Spielen über jeweils nur 60 Minuten und mit völlig unterschiedlichen Aufstellungen. Beim 4:0 gegen den Hamburger SV saßen zunächst Arjen Robben, Thomas Müller und Neuzugang Jan Kirchhoff nur auf der Bank. Die Asse Dante, Javi Martinez und Luiz Gustavo, wegen ihrer Teilnahme am Confed-Cup-Finale erst in der Vorwoche ins Training eingestiegen, spielten gar nicht. Gegen die Gladbacher mussten Dante, Mario Mandzukic und Luiz Gustavo draußenbleiben - David Alaba und Kirchhoff wurden zumindest eingewechselt. Die verletzten Nationalspieler Bastian Schweinsteiger (Sprunggelenk), Mario Götze (Muskelbündelriss) und Holger Badstuber (Reha nach Kreuzbandriss) waren gar nicht erst mitgereist.

Noch geben die prominenten Bank-Angestellten Ruhe - noch. «Wir brauchen diesen Kader. Der große Kader war 2012 eine Antwort auf das Jahr davor. Das Ergebnis: Jeder hat davon profitiert», analysierte Sammer. «Die Zeiten einer Stammelf sind vorbei. Unser Trainer wird es so handhaben, dass jeder auf genügend Einsätze kommt. Wenn sich aber ein Einzelner in den Mittelpunkt stellt kriegt er Ärger.»

Bei den Bayern 2013/2014 sind Selbstlosigkeit und Flexibilität gefragt. Guardiola geht unbeirrt seinen Weg, und die Liga-Rivalen geraten angesichts der personellen Ressourcen der Münchner ins Staunen. «Es wird für alle Mannschaften schwer, gegen diese Bayern zu spielen», sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre. «Bayern hat es tatsächlich geschafft, den außergewöhnlichen Kader der vergangenen Saison noch einmal zu verbessern», sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp im Interview der Fachzeitschrift «Kicker».

Dabei musste Vize-Meister BVB am vergangenen Wochenende noch nicht einmal gegen die «neuen» Bayern spielen. Erst am kommenden Samstag kommt es beim Supercup in Dortmund zum ersten Duell der beiden Konkurrenten in dieser Spielzeit. Doch welcher Star aus dem Münchner Ensemble darf dann überhaupt mitspielen? Das Überangebot an Weltklassespielern ist enorm, besonders im Mittelfeld, in dem der spanische Neuzugang Thiago Alcántara phasenweise seine außergewöhnlichen Fähigkeiten demonstrierte. Auch Schweinsteiger könnte bis zum Wochenende wieder fit sein.

Guardiola testet unterdessen munter weiter. «Ich treffe die Entscheidungen. Dafür wurde ich geholt», sagte er und bekam sogar Unterstützung von Robben. Der niederländische Nationalspieler sieht in dem gewachsenen Konkurrenzkampf eine wichtige Belebung für den Triple-Sieger. «Das spornt jeden an und treibt uns noch mehr an», sagte der 29-Jährige im «Kicker». «Aber klar, das ist schon der beste Kader, in dem ich je war.»

Der Liga droht eine Bayern-Übermacht. «Die sind allen anderen meilenweit voraus», sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler im Interview der «Bild am Sonntag». «Eine andere Kategorie ist das.»

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