23. April 2012

Einigkeit: Hooligans härter bestrafen - Kadlec operiert

Köln (dpa) - Die Gewalt von Fußball-Hooligans kennt keine Grenzen. Der brutale Überfall von sogenannten Anhängern des 1. FC Köln auf den Leverkusener Profi Michal Kadlec nach einem Diskothekenbesuch in der Domstadt wirft erneut ein Schlaglicht auf dieses brisante Thema.

Hooligan-Opfer
Michal Kadlec wurde nach einem Diskobesuch von zwei Hooligans angegriffen und verletzt. Foto: Friso Gentsch
dpa

«Wenn einzelne Personen oder Kleingruppen meinen, dass sie unter der Flagge des Fußballs ihre kriminellen Aggressionen ausleben können, hat das mit Fußball und einer fairen Rivalität absolut nichts mehr zu tun», erklärte Hendrik Große Lefert, Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Nachrichtenagentur dpa.

«Der Fußball wird mit seiner Popularität missbraucht von diesen Kriminellen. Das sind Kriminelle, und so müssen sie auch behandelt werden», sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in der TV-Sendung «Sky90» zu dieser beispiellosen Attacke. Die Empörung ist aber auch mit Machtlosigkeit verbunden. «Wir machen in der Präventionsarbeit das, was wir machen können. Es gibt aber immer einen Rest, der nicht erreicht werden will», meinte Niersbach zur «zweifellos größten Problematik, die wir leider rund um den Fußball haben».

Besonders in den Fokus gerückt sind Hooligans im Umfeld des 1. FC Köln. Die Attacke auf den tschechischen Bayer-Linksverteidiger Kadlec, bei der ihm zwei 24- und 20-jährige Männer angriffen und ihm das Nasenbein brachen, ist der Tiefpunkt einer Reihe von Kölner Hooligan-Vergehen. So hatten sie in den vergangenen Wochen zweimal Busse mit generischen Fans angegriffen. Und im August 2011 hatten Köln-Anhänger beim Gastspiel auf Schalke mit Fäkalien geworfen.

Der 1. FC Köln hat nach der Gewaltattacke auf Kadlec härtere Strafen für Hooligans gefordert. «Es ist auch ein Thema der Justiz, entsprechend schnell zu urteilen und hart genug zu bestrafen», sagte Claus Horstmann, Geschäftsführer des Bundesligisten. «Denn es war ein Problem in der Vergangenheit, dass viele Dinge eher bagatellisiert wurden.» Obwohl Kölner Hooligans unter anderem schon Busse von gegnerischen Fans attackiert hatten, sieht er «kein spezielles Kölner Problem». Horstmann: «In der Ballung ist es extrem, vielleicht auch, weil es Frust über die Entwicklung in der Rückrunde gibt.» Der 1. FC Köln kämpft als Tabellen-16. gegen den Bundesliga-Abstieg.

Auch wenn vermehrt von einzelnen, jeweils für sich völlig inakzeptablen Zwischenfällen berichtet würde, sei «die Entwicklung und Abwicklung von Fußballspielen bei Rekord-Besucherzahlen hoch professionell und in Bezug auf Sicherheit international vorbildlich», so Große Lefert. «Aktuell wird die spieltägliche Zusammenarbeit aller Beteiligten durch vorbildliche Kommunikationsmodelle zwischen dem Fußball, der Polizei und den Fans verbessert.» Dies sei ein Schlüssel zum Erfolg.

Vorfälle wie die mit Kadlec als Opfer sind dadurch wohl kaum zu verhindern. «Ich bin beunruhigt - das ist eine Form von Gewalt, die ich vorher noch nie so erlebt habe», sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler dem Bezahlsender. Der 27 Jahre alte Verteidiger wurde am Montag operiert. Kadlec hofft nun, mit Gesichtsmaske am Samstag gegen Hannover 96 mitwirken zu können. Die zwei Kadlec-Angreifer sind im Übrigen in der Datei «Gewalttäter Sport» registriert - auf der deutschlandweiten Liste stehen insgesamt 13 032 Personen.

Auch bei Spielen hat der 1. FC Köln immer wieder Probleme mit den Fans. Wegen Abbrennens von verbotenen Feuerwerkskörpern in mehreren Fällen muss der Club 40 000 Euro Geldstrafe bezahlen, teilte der DFB mit.

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