25. März 2014

Guardiolas Titelformel: Alles groß und viel Arbeit

Berlin (dpa) - Die Titelformel von Pep Guardiola klingt simpel. Man nehme einen großen Verein, der sich große Spieler leisten kann - und dazu kommt ein Trainer, der mit einem professionellen Mitarbeiterstab tagein, tagaus mit der Mannschaft arbeitet, arbeitet und noch mal arbeitet.

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Für viele ein Fußball-Genie: Pep Guardiola. Foto: Marius Becker
dpa

Als Resultat steht am Ende der Saison der «wichtigste Titel», wie der Spanier den Gewinn der deutschen Meisterschaft bezeichnet. «Wenn du die Liga gewinnst, hast du eine gute Saison gemacht», sagte Guardiola vor seiner ersten Meisterkrönung in Deutschland.

Im Vorfeld der Partie an diesem Dienstag im ausverkauften Olympiastadion gegen Hertha BSC mochte sich der 43 Jahre alte Katalane nur widerwillig mit den möglichen Feierlichkeiten anlässlich der 24. Meisterschaft des deutschen Rekordchampions beschäftigen. «Ich habe nicht über Feiern nachgedacht», stöhnte Guardiola: «Ich habe mir Spiele von Hertha angeschaut. Das ist mein Job, das ist mein Beruf, meine Arbeit.» Es ist ein Satz, der im Grunde alles aussagt über einen Fußballlehrer, der für Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge «ein Genie ist».

Guardiola ist öffentliches Eigenlob peinlich. Er ist auch ein Meister der Bescheidenheit. «Ich bedanke mich bei meinen Spielern», sagt er lieber. Das hat er schon beim FC Barcelona so gehalten, wo er in vier Jahren als Chefcoach mit Weltstars wie Lionel Messi, Xavi oder Andrés Iniesta 14 Titel einheimste. «Wir Trainer sind gut, weil wir große, große Vereine mit großen, großen Spielern haben», sagte Guardiola vor dem Hertha-Spiel: «Ich habe in meiner Karriere als Trainer viele Titel gewonnen, erst in Barcelona, jetzt hier. Aus einem Grund: Weil es große Vereine mit überragenden Spielern sind. Ohne das kann man alles vergessen, keine Bierduschen, keine Titel. Wir sind hier, um zu arbeiten», erläuterte der Spanier.

Arbeiten ist sein Credo. Arbeiten müssen auch die talentiertesten Fußballer, denen das Siegen scheinbar leicht fällt wie einem Ribéry, Robben, Thiago oder Götze. «Wir haben fast alles gewonnen in der Bundesliga. Aber jede Woche gewinnen, gewinnen, gewinnen, das ist nicht leicht. Jeder Sieg ist mehr Druck. Aber egal, was passiert, ob unser Gegner Manndeckung oder Raumdeckung gespielt hat, ob der Rasen gut oder schlecht war, wir waren da. Wenn eine Mannschaft so wenig Gegentore bekommt, müssen elf Spieler laufen, nicht acht, nicht neun. Das bedeutet, wir haben viel gearbeitet», schilderte er: «Jede Woche musst du demonstrieren, dass du besser bist als der Gegner.»

Ist Guardiola auch ein besserer Trainer als Dortmunds zweimaliger Meistercoach Jürgen Klopp oder als Jupp Heynckes, sein Vorgänger, mit dem der FC Bayern im Vorjahr das historische Triple gewann? «Man darf nicht den Fehler machen, das exklusiv von Titeln abhängig zu machen», betonte Rummenigge.

Guardiola hat es gleich in seinem ersten Jahr in München vermocht, aus den überragenden «Jupp-Bayern» noch dominantere und noch variantenreichere «Pep-Bayern» zu formen. «Ich bin ein etwas anderer Trainer geworden. Wenn du mehr Erfahrung hast, kannst du mutiger sein», sagte der Katalane. Er hat den mit teuren Künstlern wie Mario Götze und Thiago weiter aufgemotzten Luxuskader mit seinen Innovationen und seiner fordernden Art aufs nächste Level gehoben.

Und Guardiola will sich mit der erreichten Dominanz des FC Bayern auf dem Fußballplatz nicht zufriedengeben. «Wir müssen den Rhythmus verbessern. Wir müssen den Rhythmus unserer Spielweise kontrollieren, nicht nur langsam, nicht nur schnell spielen. Um gut zu spielen, kannst du nicht 90 Minuten in einem Rhythmus spielen. Manchmal spielen wir nach vorne, nach hinten, in schnellem Rhythmus, das ist nicht gut. Ich denke, das können wir verbessern in der Zukunft.»

Rummenigge gefällt der Ehrgeiz des Perfektionisten Guardiola. «Für mich ist entscheidend, was unter der Woche auf dem Trainingsplatz stattfindet. Und so ein Coaching habe ich noch nicht gesehen - und ich bin bei Bayern München immerhin demnächst seit 40 Jahren dabei. Dieser Mann hat eine unglaubliche Gabe, die Mannschaft auf den Punkt richtig vorzubereiten - taktisch, physisch und mental.»

Bis zum 30. Juni 2016 läuft Guardiolas Dreijahresvertrag - und dann? «Meine erste Periode in Barcelona war wie jetzt - mit Drang. Nach vier Jahren war er weg!» Das sagte Guardiola im Juli 2013, als er beim FC Bayern gerade erst mit seiner Arbeit angefangen hatte.

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