22. Juli 2013

Hausding und Klein: Aufgewacht und weiter Weltmeister

Barcelona (dpa) - Über eine Stunde nach dem WM-Triumph kletterten Patrick Hausding und Sascha Klein noch einmal auf den Turm.

Erinnerungsfoto
Sascha Klein (l) und Patrick Hausding posierten in der Abenddämmerung mit ihren Goldmedaillen. Foto: Juanjo Martin
dpa

Als sich das Sprungstadion über Barcelonas Altstadt fast komplett geleert hatte, ließen sich die beiden Wasserspringer in ihren blauen Badehosen mit den Goldmedaillen um den Hals in der Abenddämmerung auf der Zehn-Meter-Plattform fotografieren. Im diffusen Licht erhob sich hinter ihnen majestätisch die Kathedrale Sagrada Familia als eines der Wahrzeichen der Stadt; ebenfalls noch unklar war den Sportlern ihr Triumph. Selbst am Morgen danach.

«Der erste Gedanke war, ist das jetzt passiert oder doch nicht?», schilderte Klein. Aber der Blick auf die Goldmedaille neben ihm räumte die aufkeimenden Zweifel aus. «Gestern war ein unvergesslicher und historischer Tag für mich», gestand auch der überglückliche Hausding. Er und Klein lassen den Deutschen Schwimm-Verband bei den Titelkämpfen auf weitere Erfolge hoffen. «Wir haben noch ein bisschen was vor uns und wollen jetzt nicht anfangen, Urlaub zu machen», betonte Hausding.

Kurz war die Nacht für Klein, den mit einmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze nun erfolgreichsten deutschen WM-Springer. Aber nicht etwa wegen einer rauschenden Titelparty. «Ich bin einfach nicht runtergekommen, war immer noch auf 180 und das Wettkampfgefühl war immer noch da», schilderte der 27-Jährige Klein unruhige Stunden nach dem größten WM-Erfolg im deutschen Wasserspringen

Zu nervenzehrend war der Wettkampf im Sprungstadion auf Barcelonas Hausberg gewesen; Hausding/Klein waren bei großer Hitze nach den Patzern der Rivalen aus China, Russland und Mexiko cool geblieben. «Sie haben sich mit einer supermentalen Leistung auf die Schwerpunkte konzentriert, haben sich von der Konkurrenz nicht anstecken lassen», lobte Bundestrainer Lutz Buschkow. «Das ist ein historischer Erfolg, den wir gegen die Chinesen eingefahren haben.» Bislang hatte nur Christa Köhler 1973 aus der damaligen DDR vom Drei-Meter-Brett einen WM-Sieg eingefahren. Die Leistungsdichte von einst ist mit der von heute aber nicht vergleichbar.

Seit 2007 springen Hausding und Klein zusammen, sie sind «ziemlich gut befreundet» (Klein). 2008 gab es Olympia-Silber, dazu bei Europameisterschaften reihenweise Siege, 2011 Platz zwei bei der WM. Nun sind sie ganz oben. «Ein Weltmeistertitel ist fast das höchste, das man erreichen kann. Da steht eigentlich nur noch der Olympiasieg drüber. Ich würde auch sagen, dass der WM-Titel die Olympia-Silbermedaille übertrifft, weil wir einfach alle geschlagen haben, vor allem die Chinesen», betonte Klein.

Dass die chinesischen Olympiasiegern Cao Yuan/Zhang Yanquan gepatzt hatten, hatte das deutsche Duo im Wettkampf zwischenzeitlich auch ein bisschen verwirrt. «Sascha hat mich dann gefragt, wer führt eigentlich», schilderte der 24-Jährige Hausding den Moment, der aus Silber Gold werden ließ. «Da hab ich gesagt, dreimal darfst du raten.»

Immer wieder spukte im letzten Durchgang, mit dem «Lieblings- und Zuckersprung», so Hausding, dann der Gedanke an den möglichen Sieg im Kopf herum. «Ich habe gewusst, wenn wir ihn so machen wie immer, ist Gold vielleicht drin - ja, und dann bin ich abgesprungen», beschrieb Klein die Sekunden vor dem wohl wichtigsten Sprung der Karriere. Nach dem zweieinhalbfachen Salto rückwärts mit zweieinhalb Schrauben war es dann geschafft.

Das Ergebnis war unbändiger Jubel bei Team und Bundestrainer, dem der Erfolg aber auch eine neue Herausforderung bescherte. Denn im Falle einer Goldmedaille, das hatte Buschkow locker-flockig vor den Wettkämpfen gesagt, werde er vom Turm springen. «Das habe ich so gar nicht mitbekommen, aber natürlich würden wir ihn anfeuern», sagte ein grinsender Klein und erwartet eher einen Fußsprung des Bundestrainers als eine Höchstschwierigkeit. «Muss ja nichts Wildes sein.»

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