17. April 2012

«Jahrhunderttraum»: Aufsteiger Fürth lässt es krachen

Fürth (dpa) - Den ersten Aufstiegssekt lehnte Mike Büskens noch dankend ab, in der Nacht mutierte der knorrige Aufstiegstrainer auf der Fürther Feiermeile dann zum echten Partylöwen.

Aufsteiger
Die Spieler des Fußball-Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth feiern mit Fans über den Aufstieg. Foto: Daniel Karmann
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Spannung
Spieler der SpVgg Greuther verfolgen die Übertragung des Zweitliga-Spiels Dresden gegen Düsseldorf. Foto: Daniel Karmann
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Ausgelassen
Spieler von Greuther Fürth jubeln vor der Trolli Arena über den Ausgang des Spiels in Dresden. Foto: Daniel Karmann
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Fürth feiert
Zahlreiche Fans der SpVgg Greuther feiern in der Stadt den Aufstieg ihrer Mannschaft. Foto: Daniel Karmann
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Umbenannt
Fans haben eine Straße in Fürth in «Mike-Büskens-Allee» umgetauft. Foto: Daniel Karmann
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Bis frühmorgens um vier bejubelten der Bundesliga-Macher, seine Spieler und tausende Anhänger auf der stadtbekannten Gustavstraße das berauschende Finale der fränkischen Unaufsteigbar-Tour - nach acht ganz knapp verpassten Erstliga-Aufstiegen seit 2001. «Für uns hat das historische Dimensionen. So viele haben gemeint: Die wollen nicht, die können nicht. Und jetzt haben wir es den allen gezeigt», sagte Büskens.

Im Discolook gab Mittelfeldmann Stephan Schröck beim «richtig fett Feiern» den Takt vor, der erstmalige Sprung ins Fußball-Oberhaus löste im beschaulichen Städtchen ungeahnte Euphorie aus. «Nie mehr zweite Liga!», brüllten die Kleeblatt-Fans aus Leibeskräften, sie ballerten Raketen in die Luft, sie wedelten im Dunst der Nacht mit grellen Leuchtfeuerstäben - natürlich ganz im Vereinsgrün. «Für die Stadt Fürth ist der Aufstieg die Erfüllung eines Jahrhunderttraums», sinnierte Oberbürgermeister Thomas Jung, bei der Party am frühen Dienstagmorgen selbst mittendrin zwischen all den Fans und Spielern.

«Ein Traum ist wahr geworden. Wir sind absolut stolz, dass wir es geschafft haben», kommentierte auch Manager Rachid Azzouzi. Zusammen mit Büskens hatte er die aufstiegsbringende 1:2-Pleite von Fortuna Düsseldorf in Dresden live auf der Tribüne mitverfolgt, die Hände empor gerissen - und die Sektgläser doch stehengelassen. Erst nach der 330 Autobahnkilometer langen Heimfahrt ließen es die beiden krachen. «Jungs, lasst mir bloß ein Bier übrig», scherzte Büskens via TV-Kamera in Richtung seiner Akteure - die folgten der Aufforderung.

Kurz nach Mitternacht trafen die beiden Chefs bei ihren Spielern ein - Gerald Asamoah & Co. waren da längst nicht mehr nüchtern. Im Vip-Raum des eigenen Ronhof-Stadions hatten sie sich getroffen und gebannt nach Dresden geblickt, um Punkt 22.05 Uhr starteten die 90-Minuten-Dynamo-Fans ihre spontane Party. «Wir werden so lange trinken, bis wir uns an keine Trainingslehre mehr erinnern können», versprach Partyliebhaber Schröck. Sein Kapitän Thomas Kleine, 34 Jahre alt und mit der Spielvereinigung schon viermal haarscharf am Aufstieg vorbeigeschrammt, schwärmte: «Unbeschreiblich ist das! Danke an Dresden! Jetzt haben wir es endlich geschafft!»

Mit einem praktisch uneinholbaren Vorsprung von neun Punkten und 31 Toren auf den Tabellendritten SC Paderborn geht das Büskens-Team in den Liga-Endspurt. Schon drei Spieltage vor Schluss also ist der Zweitliga-Spitzenreiter de facto nicht mehr von einem der beiden direkten Aufstiegsplätze zu verdrängen - grandios für einen Fußballverein, der das Scheitern jahrelang perfektioniert hatte.

Trotz bester Ausgangspositionen verpasste Fürth in den vergangenen elf Jahren achtmal mit bemerkenswerter Nervenschwäche den Aufstieg. Siebenmal strandeten die Bundesliga-Hoffnungen auf Platz fünf, einmal auf Rang vier. «Es gab in Fürth noch Leute, die haben mir nach dem letzten Spiel eine Wette angeboten, dass wir es wieder nicht schaffen», erzählte Büskens.

Auf den 52. Neuling der Bundesliga-Historie wartet jetzt Neuland - und zweifelsohne der harte Abstiegskampf. Große Spiele gegen den FC Bayern, Borussia Dortmund und besonders im Derby gegen den Nachbarn 1. FC Nürnberg stehen dann für das Team um Ex-Nationalspieler Asamoah an. Wie der Kader aussehen wird, ist noch offen - große finanzielle Sprünge werden sich die Franken aber kaum erlauben können.

Auch in Sachen Infrastruktur hat der Kleeblatt-Club noch Nachholbedarf, das 1910 errichtete Ronhof-Stadion genügt kaum Bundesliga-Standards. Eine neue 35 Millionen Euro teure Arena ist zwar in Planung, soll aber erst 2014 fertig werden.

Vom Aufstiegsteam hat bisher nur Stephan Schröck seinen Abschied angekündigt, der Außenbahnspieler will sich vom Sommer an bei 1899 Hoffenheim versuchen. Davor aber soll die Party von Dienstagnacht noch einmal getoppt werden: Für den 29. April ist eine große Aufstiegsfeier im Anschluss an das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf geplant - einschließlich Autokorso zum Rathaus. «Da wird Stimmung sein ohne Ende», prognostizierte OB Jung. Die Messlatte liegt hoch.

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