20. April 2012

Kabinenstreit belastet Bayern - Rummenigge wiegelt ab

München (dpa) - Bremen? Wen interessiert Bremen? Beim FC Bayern München ist schon alles auf das Auswärtsspiel des Jahres bei Real Madrid ausgerichtet - die Bundesligapartie an der Weser ist nur ein Randthema.

Bayern-Coach
Für Jupp Heynckes ist die Kabine heilig. Foto: Marc Mueller
dpa

Zumal ein anscheinend handfester Kabinenstreit zwischen Franck Ribéry und Arjen Robben beim Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real für helle Aufregung sorgt und die Einheit des Teams zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt auf die Probe stellt.

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge war um Schadensbegrenzung bemüht: «Ich denke, dass die Dinge intern geklärt sind, sagte er bei der offiziellen Übergabe des Champions-League-Pokals an die Stadt München, wo die Bayern am 19. Mai im eigenen Stadion im Finale triumphieren wollen. Rummenigge versicherte: «Wir haben die Dinge trotzdem unter Kontrolle.»

Zu der Auseinandersetzung zwischen Ribéry und Robben beim 2:1-Sieg am vergangenen Dienstag wollte sich Rummenigge - ähnlich wie Trainer Jupp Heynckes - in der Sache nicht äußern. «Dinge in der Kabine sind ein Tabuthema», erklärte er. Die Klärung des Falles könnte eine Geldstrafe für Ribéry bedeuten. Rummenigge hofft, dass der Vorfall keine negativen Auswirkungen auf den Teamgeist und die entscheidende zweite Halbfinal-Kraftprobe mit Real am kommenden Mittwoch haben wird: «Das können wir uns nicht erlauben. Wir haben nur eine Chance in Madrid, wenn wir hochkonzentriert und als Mannschaft auftreten», sagte der Bayern-Boss der Nachrichtenagentur dpa.

Auslöser für die Attacke von Ribéry gegen Robben, bei der Mitspieler angeblich schlichtend eingreifen mussten, war ein Freistoß von Toni Kroos, den auch der Franzose ausführen wollte. Robben hatte zugunsten von Kroos interveniert. «Auf dem Spielfeld passieren solche Dinge immer wieder», beschwichtigte Heynckes. Er bestätigte, dass bei einem zentralen Freistoß Kroos und Ribéry als Schützen eingeteilt waren.

Heynckes verweigerte eine Bewertung des Vorfalls mit Verweis auf die Kabine als «Tabuzone» einer Mannschaft. «Ich bin der Meinung, dass Internas auch Internas bleiben sollen. So verfahre ich. Alles andere sind Spekulationen, deswegen will ich dazu nicht Stellung nehmen», sagte der 66-Jährige.

Intern wird der Trainer Klartext sprechen (müssen), um seine Autorität zu wahren und den Teamgeist zu erhalten. Das Nervenkostüm aller Beteiligten scheint jedenfalls zum Zerreißen gespannt: «Eine größere Anspannung ist sicherlich nachvollziehbar», gab Heynckes zu.

Es geht, gerade nach dem verlorenen Meister-Duell mit Borussia Dortmund, um sehr viel für den Verein und auch jeden Spieler. Es brodelt. «Das Spiel gegen Real hat gezeigt, dass die Mannschaft fokussiert ist auf den Wettbewerb Champions League. Der und das Pokalendspiel gegen Dortmund sind unsere große Chance, noch in dieser Saison erfolgreich zu sein, wenn man erfolgreich damit definiert, dass man Titel holen kann. Da ist es doch klar, dass man eine höhere Konzentration fährt, dass Emotionen eine Rolle spielen», sagte Heynckes. Der feine Mensch Heynckes kann und wird es jedoch nicht dulden, dass dabei Grenzen des Miteinanders überschritten werden.

Beschäftigen wird Vorstand, Trainer und die Mannschaft auch, wer Vorkommnisse in der Kabine nach außen trägt. Einer oder mehrere Maulwürfe bedeuten eine Gefahr, wie Heynckes indirekt selbst andeutete: «Es gibt auch für die Spieler noch ein Refugium, wo man sich zurückziehen kann und die Medien nicht dabei sind.»

Beim Ligaspiel am Samstag in Bremen werden Ribéry und Robben wohl gemeinsam auf der Ersatzbank sitzen. Allerdings nur, weil Heynckes mit Blick auf den Gigantengipfel in Madrid zahlreichen Stammkräften «eine Ruhepause» gönnen wird, wie er bestätigte. «Es ist kein Geheimnis, dass ich auf einigen Positionen wechseln werde.»

Reservisten wie Nils Petersen, Takashi Usami, Diego Contento und Danijel Pranjic will Heynckes als «Prämie» für «totales Engagement» im Training mit Einsätzen belohnen: «Sie haben sich das verdient.» Trotzdem werde man «das Spiel sehr ernst nehmen», sagte Heynckes. Ins Tor stellt er darum auch Manuel Neuer, in der Innenverteidigung soll Luiz Gustavo den gesperrte Holger Badstuber ersetzen. Auch Bastian Schweinsteiger wird von Beginn an anlaufen, um weitere Spielpraxis für die entscheidende Kraftprobe mit Real zu sammeln: «Aufgrund seiner strategischen Fähigkeiten ist Bastian für uns ganz wichtig.»

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