23. März 2013

Kein Schlendrian: Löw fordert «Seriosität»

Nürnberg (dpa) - Bei Hackbraten und grünen Bohnen hätte sich Joachim Löw entspannt zurücklehnen können. Der Bundestrainer dachte nach dem erfolgreichen ersten Teil der Sechs-Punkte-Mission gegen Kasachstan auf dem Rückflug aus Astana aber schon wieder voraus.

Überlegung
Joachim Löw hat sich für Sven Bender als frische Kraft entschieden. Foto: Fredrik von Erichsen
dpa

«Wenn man auswärts gewinnt, besteht natürlich die Gefahr, dass das im Unterbewusstsein ist. Wir müssen die Spieler daran erinnern, dass wir zu Hause spielen und dass wir nur dann gewinnen, wenn Einstellung und Seriosität vorhanden sind», sagte Löw nach dem souveränen 3:0 (2:0) in Kasachstan mit Blick auf das Rückspiel am Dienstag in Nürnberg.

Vom Mitternachtsball in der Astana Arena hatte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Leidwesen des Bundestrainers eben nicht nur die fest eingeplanten drei Punkte in der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 mitgebracht, sondern auch manche Wehwehchen und einen gelbgesperrten Bastian Schweinsteiger. Löw reagierte umgehend. Noch vor der Landung um 5.15 Uhr in der Früh wurde im Charterflieger die Nachnominierung von Sven Bender verkündet. Seine Grippe, die ihn zu Wochenbeginn noch zum Verzicht auf den Kasachstan-Trip zwang, hat der Dortmunder auskuriert. «Ja, ich bin wieder auf dem Dampfer», teilte Bender via DFB-Homepage mit.

Für Julian Draxler ist der Aufenthalt beim Nationalteam hingegen vorzeitig beendet. Der Schalker Jungstar musste wegen seiner beim ersten Starteinsatz im Kopfball-Duell erlittenen Gehirnerschütterung am Samstag aus dem Teamquartier in Herzogenaurach abreisen. Ein Einsatz am Dienstag ist ausgeschlossen. Geduld müssen noch Mario Gomez (Oberschenkelzerrung) und Benedikt Höwedes (Muskelverhärtung) haben. Das Duo wird die medizinische Abteilung des DFB am Wochenende intensiv beschäftigen.

Nach der kurzen Nacht im Flieger freuten sich Mesut Özil und Co. auf einen fußballfreien Samstag - nur Regeneration stand auf dem Programm. 1:0-Torschütze Schweinsteiger durfte sogar gleich weiter nach München reisen. «Es war, glaube ich, das einzige Foul im gesamten Spiel von mir. Deswegen ärgert es mich. Ich war jetzt lange nicht mehr dabei, und jetzt hätte ich gerne noch das Rückspiel gespielt. Jetzt muss ich wieder warten», sagte der in seinem 98. Länderspiel glänzend aufgelegte Bayern-Profi.

Gerade der Heilungsverlauf von Gomez wird genau verfolgt werden, schwelt doch die fußball-philosophisch geführte Angriffsdebatte nach dem erfolgreichen Null-Stürmer-Auftritt in Astana weiter. Nur Löw kann die von ihm selbst ausgelöste Diskussion um Stoß- und Wuselstürmer nicht mehr nachvollziehen. «Wir werden nie ohne eine Nummer neun spielen. Wir brauchen einen Stürmer, der im Zentrum permanent auf Höhe der Innenverteidigung spielt», erklärte er.

In Astana funktionierte dies besonders in der ersten Hälfte mit Mario Götze gut. Der Dortmunder veredelte seinen Auftritt als verkappter Angreifer mit seinem vierten Länderspieltor zum 2:0. Gegen eine Wiederholung gibt es keine zwingenden Argumente.

Auch Schweinsteiger gefällt das schon im dritten Spiel in Serie praktizierte System. «Ich denke, dass wir viele Spieler haben, die die Position spielen können, Mittelstürmer und offensive Mittelfeldspieler, nicht nur Mario Götze. Es ist gut, so eine Variante zu haben. Es gibt Vorteile, wenn man so spielt», sagte er. Bayern-Kollege Gomez ist für den Vize-Kapitän aber natürlich nicht abgemeldet. «Wenn man einen Mittelstürmer hat, der sich im Sechzehner viel bewegt, hat das auch Vorteile. Der Trainer hat eine gute Wahl, deswegen ist das nur von Vorteil.»

Viel Bewegung war auch auf dem kasachischen Kunstrasen gefragt. «Kasachstan stand wie im Feldhandball um den eigenen Sechzehner. Am Ende war das Spiel klar. Wir haben die drei Punkte, daher denke ich, es ist zufriedenstellend», hatte Löw vor dem knapp sechsstündigen Rückflug nach Nürnberg resümiert.

Aber: Nach der frühzeitigen Entscheidung spielte die deutsche Elf nicht mehr so zwingend und druckvoll, was Löw nachvollziehen konnte und trotzdem auch kritisierte. «Wenn man 2:0 führt und den Gegner beherrscht, ist klar, dass das Tempo nicht hochgehalten wird», sagte er und ergänzte: «Natürlich ärgern mich die Nachlässigkeiten.» In der zweiten Hälfte kamen die Kasachen zu einigen guten Torchancen. Thomas Müller (74.) sorgte mit seinem Tor dann für einen «klaren und souveränen Sieg», wie Torhüter Manuel Neuer betonte.

Noch vor dem Rückflug erreichte Löw und seine Belegschaft eine weitere positive Nachricht aus Schweden. Der Hauptkonkurrent um den Gruppensieg und das einzige direkte WM-Ticket war im Heimspiel gegen Irland nicht über ein 0:0 hinausgekommen. In der Tabelle führt Deutschland mit 13 Punkten vor Schweden (8), Irland und Österreich (beide 7). Die drei Verfolger haben alle eine Partie weniger ausgetragen. Auch deshalb sind weitere drei Punkte gegen Außenseiter Kasachstan am Dienstag Pflicht.

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Fußball-Tabellen
Sporttabellen Fußball
Handball-Tabellen
Sporttabellen Handball
Anzeige