15. Mai 2012

Löw fürchtet «Tiefschlag» für Bayern

Porto Cervo (dpa) - Joachim Löw fürchtet um eine wirkungsvolle Turniervorbereitung und wird zum glühenden Bayern-Fan. Ein erneutes Negativ-Erlebnis seiner wichtigen Münchner EM-Kräfte im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea würde die Titelmission des Bundestrainers zusätzlich belasten.

Unzufrieden
Bundestrainer Joachim Löw beklagt die zerrüttete Vorbereitung. Foto: Marcus Brandt
dpa

«Eine Niederlage wäre schon ein Tiefschlag», sagte Löw im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf Sardinien. «Dann wäre die Enttäuschung groß, und wir müssten ihnen noch zwei, drei Tage mehr freigeben, damit sie den Kopf freikriegen», erklärte Löw, in dessen EM-Plänen die acht Bayern-Akteure eine zentrale Rolle spielen.

Ohnehin ist der Chefcoach mit Phase eins der EM-Präparation alles andere als glücklich. «Man hat schon das Gefühl, die Vorbereitung ist ein bisschen zerrüttet», klagte der 52-Jährige, der sich auch auf dem Trainingsplatz nicht von den Störfaktoren freimachen kann. Den angeschlagenen Stammkräften Miroslav Klose und Lukas Podolski musste er ein spezielles Aufbauprogramm verordnen. Der Schalker Benedikt Höwedes stand am Dienstag nach einer Wadenblessur im Stadion Andrea Corda erstmals auf dem Trainingsplatz, übte aber nur individuell ohne Ball. Das Warten auf den kompletten Kader geht noch bis zum 25. Mai weiter. Zur kurzen gemeinsamen EM-Aufbauarbeit käme bei einer Final-Niederlage der Frust der acht bayerischen Akteure.

Gerade deshalb muss der Bundestrainer seiner München-Fraktion am Samstagabend die Daumen drücken: «Die beste Mannschaft in Europa, das wäre super für unsere Spieler. Sie wären motiviert, sie kämen schnell in den Rhythmus rein», sagte Löw nach der verpassten Meisterschaft und dem Debakel der Bayern im Pokalfinale. «Das wäre wahnsinnig, wenn du das gewinnen kannst, das wäre ein historisches Ereignis.» Auch Assistent Andreas Köpke wünscht, «dass die Jungs den Pott mitbringen, dass sie hier nicht aufgebaut, sondern vielleicht sogar ein bisschen geerdet werden müssen».

Nicht nur die Sorge um die mentale und körperliche Verfassung von Lahm, Schweinsteiger, Müller, Badstuber, Kroos, Boateng, Gomez und Neuer belastet den Bundestrainer. Auch Mesut Özil und Sami Khedira reisen wegen einer Spielverpflichtung mit Real Madrid in Kuwait später an. Die fünf Dortmunder Double-Sieger, die am Dienstag wegen eines technischen Schadens am Flugzeug mit erheblicher Verspätung auf im Quartier erwartet wurden, muss Löw im Training zunächst «auch unterschiedlich behandeln». Denn «Mario Götze und Sven Bender waren lange verletzt», gab er zu Bedenken.

Topstürmer Klose hat sich eine Zerrung des Innenbandes am rechten Sprunggelenk zugezogen. Wann der 33-Jährige, der schon zuvor wegen eines Muskelrisses eine längere Pause einlegen musste, voll ins Training einsteigen kann, ist offen. Podolski muss erst einmal ein Fitnesscoach helfen, damit er von Freitag an in Südfrankreich voll belastbar ist. «Wir müssen mit den Umständen leben. Da hilft es nicht zu jammern», betonte Köpke: «Die Dortmunder werden sicher gut gelaunt sein. Wir haben eine Riesen-Aufgabe vor uns. Da heißt es, die Dinge hinter sich zu lassen, egal ob sie positiv oder negativ waren.»

Der Bundestorwart-Coach kann auf Sardinien immerhin schon mit drei seiner vier Torhüter intensiv arbeiten. Routinier Tim Wiese wirkt an der Costa Smeralda hochmotiviert. Die Youngster Ron-Robert Zieler und Marc-André ter Stegen geben ebenfalls Gas. «Dass eine Position gesetzt ist, wissen wir», sagte ter Stegen zur Konkurrenzsituation. Hinter Manuel Neuer sind für das EM-Turnier vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine nur zwei Torwartplätze frei. «Wir werden alle darum kämpfen», unterstrich der Gladbacher Neuling. Köpke gefällt's: «Die Jungs sind fit und gewillt, den Kampf anzunehmen.»

Mit der aktuellen Arbeit der Spieler, die unter sardischer Sonne mindestens zweimal am Tag schuften, ist auch Löw «absolut» zufrieden: «Wir müssen eben flexibel sein.» Als fast unmöglich sieht der Freiburger das «gemeinschaftliche Training im taktischen Bereich». Noch ist Löw optimistisch, dass er bis zur Anreise ins EM-Quartier in Danzig am 4. Juni ein titelreifes Team formen kann: «Wir schaffen es auch, aber die Zeit ist kurz und gedrängt.»

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