08. April 2014

«Mafiöse Strukturen»: Harting greift Funktionäre an

Frankfurt/Main (dpa) - Zwischen Diskus-Olympiasieger Robert Harting und Spitzenfunktionären des deutschen Sports kracht es mal wieder gewaltig.

Harte Worte
Diskus-Olympiasieger Robert Harting kritisiert einmal mehr die Sportförderung. Foto: Ole Spata
dpa

«Ich schäme mich als Leistungssportler und Olympiasieger für solche mafiosen Strukturen», sagte der Welt- und Europameister in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», in dem er dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Landessportbünden vorwirft, seine geplante Sportlotterie verhindern zu wollen. «Am Anfang wurden wir belächelt, in der mittleren Phase schickte man uns mit perfektem Politikerdeutsch auf den Heimweg. In der dritten Runde sind wir beschimpft worden - wie wir es wagen könnten, ohne den DOSB solch ein Unternehmen aufzubauen», meinte Harting.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann konterte diese drastischen Vorwürfe umgehend. «Ich schätze ihn für seine klaren Worte, allerdings finde ich Formulierungen wie 'mafiöse Strukturen' absolut inakzeptabel», sagte er. «Robert Harting hat selbst von den Strukturen des organisierten Sports in Deutschland nachhaltig profitiert. Erst so konnte er zum Weltklasse-Athleten reifen. Deshalb muss es auch unser gemeinsames Ziel sein, die Interessen von Breiten- und Spitzensport zu vereinen und nicht einen gegen den anderen auszuspielen.»

Hintergrund des Streits ist, dass Harting zusammen mit einem Partner eine private Sportlotterie gegründet hat. Mit ihren Gewinnen sollen künftig Spitzensportler gefördert werden, sie muss aber erst noch lizenziert werden. Die Sportverbände befürchten, dass in diesem Fall ein «Kannibalisierungseffekt» eintritt - die Sportlotterie also in Konkurrenz zu den staatlichen Lotterien treten könnte, die wiederum den Breitensport in Deutschland fördern.

Der DOSB stehe der Idee einer Sportlotterie grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, sagte Hörmann. Man müsse aber sehen, «dass die staatlichen Lotterien die wichtigsten Partner im Breitensport und in der Sportentwicklung sind. Der Sport profitiert jährlich mit rund 500 Millionen Euro von ihnen. Dies gilt es zu berücksichtigen und kann nicht einfach vom Tisch gewischt werden, so wie das Robert Harting tut. Es intrigiert auch niemand gegen die Sportlotterie, sondern es werden ernstzunehmende Bedenken geäußert.»

Harting wirft namentlich den DOSB-Präsidiumsmitgliedern Walter Schneeloch und Hans-Peter Krämer, Generaldirektor Michael Vesper sowie den staatlichen Lottogesellschaften vor, einen massiven Widerstand gegen seine Sportlotterie zu betreiben. «Die Gruppe um Vesper hat sich vorgenommen, wenn sie schon nicht dabei sein können, das Sportlotto zu verhindern», sagte er.

Schneeloch weist das laut FAZ zurück, doch Harting behauptet: «Alle Landessportbünde haben einen gemeinsamen Brief an die Sportminister der Länder geschrieben, in dem sie den Kannibalisierungs-Unsinn wiederholen. Die Sportminister, die überwiegend auch die Innenminister sind, sollen aufgefordert sein, die Lotterie im jeweiligen Bundesland nicht zu unterstützen. Einfach irre!»

Im Streit um die Spitzensportförderung hatte Harting auch immer wieder den heutigen IOC-Präsidenten Thomas Bach attackiert. Dessen Nachfolger an der DOSB-Spitze nimmt er von seinen neuesten Vorwürfen beim Thema Sportlotterie aber ausdrücklich aus. Er würde Alfons Hörmann sehr schätzen, meinte der Berliner. «Meiner Meinung nach hätte er anders entschieden, wenn er früher dagewesen wäre.»

Harting-Interview in der FAZ

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