16. April 2012

Mercedes mischt im WM-Rennen voll mit

Shanghai (dpa) - Der historische Premieren-Sieg von Shanghai soll erst der Anfang gewesen sein. Nico Rosberg zählt nach seinem ersten Triumph im 111. Formel-1-Rennen plötzlich zu den Titelkandidaten.

Glücklich
Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug (M) feiert mit Sieger Nico Rosberg (r) und Lewis Hamilton. Foto: Diego Azubel
dpa

«Natürlich bin ich gespannt auf das, was kommt. Denn wir sehen wirklich viel besser aus. Ich bin sicher, dass wir das fortsetzen können», verkündete der Mercedes-Pilot nach seinem China-Coup selbstbewusst.

Die internationalen Medien würdigten Rosbergs Gala. «Mercedes hat einen neuen Stern», schrieb die französische «L'Equipe» am Montag. «The Daily Telegraph» verband sein Lob mit einem Seitenhieb auf den Vorjahres-Seriensieger Sebastian Vettel: «Man hätte denken können, die Formel 1 habe gründlich die Nase voll von Deutschen, die ihren Siegesfinger in die Luft recken. Aber nicht von diesem Deutschen.»

Die beiden die WM-Wertung anführenden McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button gaben zu, im Titelrennen nicht mehr nur Doppel-Champion Vettel zu fürchten. «Ich bin sicher, das wird nicht Nicos erster und letzter Sieg gewesen sein. Da werden noch viele mehr kommen», sagte Ex-Weltmeister Button. «Ich denke, wir werden einen harten Kampf erleben.»

Auch Vettel, der nach seinem souveränen Titeltriumph 2011 in dieser Saison noch auf den ersten Sieg wartet, wunderte sich über das Potenzial der Silberpfeile: «Mercedes hat richtig komfortabel gewonnen, das haben sie gut gemacht.» Der Champion reist als Gesamtfünfter zum politisch problematischen Großen Preis von Bahrain an diesem Wochenende. «Wir haben eine Menge gelernt. Hoffentlich ziehen wir die richtigen Schlüsse daraus», meinte der Heppenheimer. Längst ist klar: Der aktuelle Red Bull ist bei weitem nicht so dominant wie im Vorjahr. «Uns fehlt auf der Geraden einfach ein bisschen Dampf», befand Vettel.

Die WM verspricht spannend zu bleiben. Nun mischt sogar Mercedes mit. Nicht nur Rosberg, auch Teamkollege Michael Schumacher verblüffte bis zu seinem Aus nach dem verpatzten Reifenwechsel mit konstant starkem Speed. «Das hat gezeigt, dass auch er an die Spitze fahren kann», erklärte Teamchef Ross Brawn zufrieden.

Im vergangenen Jahr hatte Vettel nach dem dritten Rennen mit 68 Punkten souverän die WM-Wertung angeführt. Jetzt liegt das Spitzenfeld eng beisammen. Hamilton liegt mit 45 Punkten vor Button (43), Fernando Alonso (37) und Mark Webber (36). Aber auch Vettel (28) und Rosberg (25) könnten schon in Bahrain ganz nach vorne fahren. «Ich bin froh, ein paar wichtige Punkte gesammelt zu haben», sagte der Brite Hamilton angesichts des harten Konkurrenzkampfes.

Doch ist Mercedes wirklich schon stark genug, um den Titel mitzufahren? Bei deutlich höheren Temperaturen in Australien und Malaysia präsentierten sich die Silberpfeile als Reifenfresser. Auch in Bahrain wird es wieder heiß. «Ich hatte ein tolles Rennen, aber das heißt nicht, dass das jetzt in jedem Rennen so weitergeht», räumte Rosberg ein. Brawn wischte indes alle Bedenken beiseite: «Es kommen noch ein paar gute Verbesserungen in den nächsten Rennen. Da bin ich sehr optimistisch.»

Aber angesichts der politischen Brisanz und der anhaltenden Proteste in Bahrain ist die Reifenfrage nur ein Randthema. Dass die Formel 1 überhaupt in dem Königreich fährt, ist für viele ein Skandal. Der Internationale Automobil-Verband FIA hat sich indes über die massive Kritik hinweggesetzt. FIA-Präsident Jean Todt und Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone argumentieren, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun hätten. Kritiker kontern, dass das Rennen nur aus wirtschaftlichen Gründen kein zweites Mal nach 2011 abgesagt werde.

Derweil versuchte der Geschäftsführer des Bahrain International Circuit die Öffentlichkeit zu beruhigen. «Ich denke, es wird nichts Dramatisches passieren», sagte Zayed Al Zayani. «Es ist nicht Afghanistan, es ist nicht Syrien.» In einigen Dörfern könne es etwas Unruhe geben, aber es werde nichts passieren, was man nicht im Griff habe. Al Zayani versicherte: «Ich habe keinen Zweifel, dass die Formel 1 kein Angriffsziel ist, weder die Teams noch die Medien.»

Im Vorjahr sagten die Verantwortlichen nach wochenlangen Protesten der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen das sunnitische Herrscherhaus den Grand Prix ab. Damals hatte es bei blutigen Unruhen über 30 Tote gegeben. Auch in diesem Jahr gibt es großen Widerstand gegen die politischen und sozialen Verhältnisse in dem kleinen Golfstaat. Mehrere Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, fordern eine erneute Absage des Rennens.

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