16. April 2014

Neuer Wortführer: Mercedes auch in China der Maßstab

Shanghai (dpa) - Auf dem Siegeszug durch die Formel 1 wird Mercedes immer mehr auch zum neuen Wortführer der Königsklasse. Vor dem vierten Saisonrennen in Shanghai am Sonntag bestimmt das hochüberlegene Werksteam das sportliche Geschehen und tritt abseits der Strecke forscher denn je auf.

Mercedes-Duo
Nico Rosberg (l) und Lewis Hamilton dominieren derzeit die Formel 1. Foto: Srdjan Suki
dpa

«Die Mannschaft hat nun ein Niveau erreicht, bei dem der Erfolg kein Bonus mehr ist, sondern der Anspruch», erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff vor dem Abschluss der ersten Übersee-Tournee dieser Saison. Und auf diesem Weg scheut der WM-Spitzenreiter auch vor verbalen Hieben in Richtung Konkurrenz nicht zurück.

Das enorm gewachsene Selbstbewusstsein bekamen zuletzt die wankenden Branchenriesen Red Bull und Ferrari zu spüren. So trat der Mercedes-Anwalt zu Beginn dieser Woche bei der gescheiterten Berufung von Red Bull gegen die Disqualifikation des Australien-Zweiten Daniel Ricciardo schärfer auf als der Ankläger des Weltverbands. Seine Forderung nach einer zusätzlichen Bewährungsstrafe für das Team von Vierfach-Champion Sebastian Vettel bis zum Saisonende fiel zwar bei den Richtern durch. Die messerscharfen Vorwürfe des Mercedes-Anwalts werden die Kraftprobe mit Red Bull um die Vormacht in der Formel 1 aber kaum entschärft haben.

Auch Ferrari, das wegen des völlig verpatzten Saisonstarts in China mit neuem Teamchef antritt, dürfte über die jüngste Belehrung durch Mercedes-Aufseher Niki Lauda wenig begeistert sein. Der Österreicher bezeichnete die Kritik von Scuderia-Boss Luca di Montezemolo an den neuen Regeln und Motoren laut italienischen Medien als «lächerlich» und warf den Italienern indirekt Neid auf die Stärke der Silberpfeile vor.

Nach vier Jahren mit vielen Rückschlägen ist Mercedes in diesen Tagen das Maß der Dinge in der Formel 1 und traut sich deshalb zunehmend auch die Rolle des Meinungsmachers zu. Auch die beiden Piloten fühlen längst, dass sie sich derzeit eigentlich nur selbst schlagen können. «Wenn ich durch die Box gehe, kann ich die positive Energie im Team richtiggehend spüren», sagte Lewis Hamilton. Nach den Siegen in Malaysia und Bahrain könnte der Brite in Shanghai den ersten Hattrick seiner Karriere perfekt machen.

Stoppen kann ihn wohl erneut nur WM-Spitzenreiter Nico Rosberg. Der Auftaktsieger von Australien musste sich zuletzt zweimal mit Rang zwei hinter Hamilton begnügen, ein drittes Mal soll ihm das nicht passieren. Das zeigte auch das beinharte Duell, dass sich Rosberg mit seinem Stallrivalen beim spektakulären Nachtrennen in Bahrain lieferte. «Diese Entschlossenheit zu siegen, kann man an jedem Tag und in jedem Bereich erkennen», schwärmte Rosberg von seiner Crew.

Vor zwei Jahren gewann der gebürtige Wiesbadener auf dem 5,451 Kilometer langen Shanghai International Circuit zum ersten Mal einen Grand Prix. Und die Verfolger wissen schon, was ihnen wohl auch am Sonntag (9.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) wieder blüht. «Das sieht man als Blinder mit Krückstock, dass die im Moment unheimlich stark sind», sagte Titelverteidiger Vettel. Der viermalige Weltmeister ist derzeit nur WM-Sechster und hat schon 38 Punkte Rückstand auf Rosberg.

Dagegen liegt Landsmann Nico Hülkenberg als WM-Dritter eher über dem Soll. «Das ist sicher eine schöne Überraschung», sagte der Rheinländer. Hülkenberg startete so gut wie noch nie in eine Saison und kann sich Hoffnungen auf weitere Höhenflüge machen. Schließlich wird sein Force India von einem Mercedes-Motor angetrieben, dem neuen Maßstab in der Formel 1.

Vorschau des Weltverbands, englisch

Daten zur Strecke

Rosberg zum China-Rennen

Hamilton zum China-Rennen

Hülkenberg zum China-Rennen, englisch

Lauda-Aussagen in "Tuttosport", italienisch

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