19. Februar 2013

Pistorius des «vorsätzlichen Mordes» angeklagt

Pretoria (dpa) - Die Staatsanwaltschaft hat dem Paralympics-Star Oscar Pistorius «vorsätzlichen Mord» an seiner Freundin Reeva Steenkamp vorgeworfen.

Mordverdacht
Oscar Pistorius (M) könnte möglicherweise bis zum Prozess gegen Kaution freigelassen werden. Foto: Antoine de Ras
dpa

Pistorius habe eine «unschuldige und unbewaffnete Frau» erschossen und außerdem ein Mordmotiv, sagte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer vor dem Magistratsgericht in Pretoria. Das Motiv erläuterte er zunächst nicht. Es gebe keine Hinweise, die Pistorius' Darstellung unterstützten, er habe einen Einbrecher vermutet. Damit bestätigte der Staatsanwalt erstmals Medien-Spekulationen, denen zufolge Pistorius einen Eindringling im Badezimmer vermutet habe.

Die Anwälte des behinderten Profisportlers streben eine Freilassung gegen Kaution an. Sie plädieren für eine Anklage wegen Mordes in einem minder schweren Fall, was im deutschen Recht Totschlag entspräche. Die Anklagebehörde möchte, dass der Beschuldigte bis zum Prozess in Untersuchungshaft bleibt.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte der beinamputierte Pistorius in der Tatnacht erst im Schlafzimmer seine Prothesen angezogen, bevor er mit einer Pistole bewaffnet zum Badezimmer ging. Dort habe sich seine Freundin, die bereits am Vorabend in das Haus gekommen sei, befunden. Pistorius habe vier Schüsse durch die verschlossene Badezimmertür abgefeuert, drei von ihnen sollen die 29-Jährige demnach getroffen und tödlich verletzt haben.

Die Verteidigung argumentierte, dass es sich nicht um einen Mord handle, sondern um Totschlag. Nicht immer, wenn jemand zur Waffe greife, handele es sich um einen Mord, sagte der Anwalt Barry Roux. Pistorius habe keine Ahnung gehabt, dass es sich bei dem Menschen im Badezimmer um Reeva Steenkamp gehandelt habe. Sein Mandant werde vor Gericht die Vorgänge der dramatischen Nacht vollständig schildern, der Vorwurf des «vorsätzlichen Mordes» sei eine «Ungerechtigkeit».

Die auf zwei Tage angesetzten Verhandlungen begannen in einem völlig überfüllten Saal des Magistratsgerichts. In dem Saal, der nur für etwa 40 Zuschauer eingerichtet ist, drängelten sich weit mehr als 100 Menschen, vor allem Journalisten. Anwesend waren auch der Vater des Beschuldigten, Henke Pistorius und die Geschwister des Athleten, Aimee und Carl.

Pistorius, der bereits vor 7.00 Uhr morgens aus seiner Polizeihaft ins Gerichtsgebäude gebracht worden war, wird von renommierten Juristen und Experten unterstützt. Zu ihnen zählen der Star-Anwalt Kenny Oldwage, der britische Medienberater Stuart Higgins und der südafrikanische Forensiker Reggie Perumal.

Für Dienstag war auch ein Gedenkgottesdienst für Reeva Steenkamp in Port Elizabeth an der Südküste Südafrikas geplant. Zugelassen waren nur etwa 90 Teilnehmer, von denen etwa zwei Drittel zur Familie und engem Freundeskreis gehören sollten. Steenkamp, die nach einer juristischen Ausbildung vor allem als Model und Fernsehstar ihr Geld verdient hatte, sollte in Anwesenheit der engeren Familie begraben werden.

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