04. Oktober 2012

Rummenigge und Hoeneß mühen sich um Bayern-Ruhe

Minsk (dpa) - Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren gleich nach der Rückkehr der missglückten Champions-League-Reise bemüht, die Wogen noch vor dem nächsten Bundesliga-Auftritt zu glätten.

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Uli Hoeneß (l) stärkte Sportvorstand Matthias Sammer den Rücken. Foto: Marc Müller
dpa

Vorstandschef Rummenigge setzte sich mit Matthias Sammer und Jupp Heynckes zum klärenden Gespräch in der Vereinszentrale zusammen. Präsident Hoeneß forderte Sportvorstand und Trainer auf, «ihre Meinungsverschiedenheiten intern auszutragen». Nach der ersten Saisonniederlage des FC Bayern München in der Königsklasse durch das 1:3 beim FC BATE Borissow will der Fußball-Rekordmeister am Samstag gegen Hoffenheim seine makellose Bundesliga-Bilanz behalten.

Mit sechs Siegen aus sechs Spielen hielt sich der Fußball-Rekordmeister in der Liga schadlos. Erste Kratzer gibt es dagegen in der Zusammenarbeit zwischen Sammer und Heynckes. Der Sportvorstand betonte nach dem Treffen an der Säbener Straße zwar, dass zwischen ihn und den Trainer «kein Blatt Papier» passe und «Nebensächlichkeiten auf kürzestem Weg ausgeräumt» wurden. Heynckes seinerseits verwies darauf, dass es «verschiedene Sichtweisen wie in den letzten Tagen» immer mal geben könnte, aber das ändere nichts an «unserer guten Zusammenarbeit». Doch trotz aller Beschwichtigungen stellt sich die Frage: Wie lange geht das gut?

Am Flughafen von Minsk hatte Heynckes am Mittwoch seine Kritik vom Vorabend an Art und Weise der Sammer-Äußerungen erneuert. «Ich weiß aus Erfahrung, dass es ganz wichtig ist, diese Dinge in geschlossenen Räumen zu artikulieren und nicht so nach draußen, weil das ist Populismus, und den können wir nicht gebrauchen», erklärte Heynckes am Mittwoch am Flughafen in Weißrussland. Sammer, der nach dem Sieg in Bremen Auftritt und Einstellung des Teams gerügt hatte, stand fünf Meter entfernt und plauderte währenddessen mit Kapitän Philipp Lahm.

Lahm fand den Sammer'schen Auftritt, den zuvor Rummenigge gelobt hatte, gar nicht schlimm. «Es ist sein gutes Recht, sich zu äußern, auch zu warnen, und so sehen wir Spieler das auch. Wir haben damit kein Problem.» Auch nach Ansicht von Toni Kroos ist es Sammers «gutes Recht, seine Meinung zu sagen.» Hoeneß fand, der Sportvorstand habe richtig gehandelt. Es sei Aufgabe von Manager oder Sportdirektor, den Finger mal in die Wunde zu legen, sagte er in Interviews der «Abendzeitung» und «tz» (Donnerstag). Bei Sport1 versicherte er, die Zusammenarbeit zwischen Sammer und Heynckes sei intakt. Es werde lediglich von außen versucht, beide gegeneinander auszuspielen.

Umso wichtiger wäre es für den Vereinsfrieden, wenn die beiden nach außen geschlossen auftreten würden. Das war in Minsk keineswegs der Fall. Dabei hatte Sammer zuvor noch erklärt, dass der Auftritt nach dem Sieg gegen Werder mit Heynckes abgesprochen gewesen war. Davon war den Aussagen des 67 Jahre alten Trainers aber nichts zu entnehmen.

Besänftigend hatte Vorstandschef Rummenigge beim Bankett im Restaurant Dolce Vita des Crown Plaza Hotels ins Mikrofon gesprochen. «Wir haben neun Spiele in Folge gewonnen, sehr überzeugend gespielt. Und ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns durch diese eine Niederlage jetzt nicht aus der Bahn werfen lassen», sagte Rummenigge in seiner traditionellen Bankettrede. Im Hintergrund waren die Bässe aus der benachbarten Disco zu hören - zwischen Sammer und Heynckes gab es mehr als nur dumpfe Untertöne.

Im Team klangen zuvor selbstkritische Worte an. Bei den Kontern «müssen wir zusammen kompakt alle zurück und das war heute nicht der Fall», meinte etwa Holger Badstuber. Thomas Müller riet, «die Lehren draus zu ziehen, aufmerksam zu werden und aufzuwachen». Gerade beim schnellen Umschalten des achtmaligen weißrussischen Meisters wurden überraschende Lücken in der FCB-Defensive deutlich.

«Ich denke, von der Einstellung her kann man der Mannschaft nichts vorwerfen», betonte Manuel Neuer und forderte zwei Siege gegen Lille. Aber erst einmal ein Erfolg gegen Hoffenheim, damit «wir frohen Mutes auf die Wiesn gehen können am Sonntag».

Die Niederlage gegen Borissow und Rang drei in der Tabelle täten «ohne Frage weh», sagte Rummenigge, aber man könne die Dinge noch korrigieren. «Es ist wichtig, dass wir sofort Flagge zeigen und am Samstag das Spiel, das vor der Länderspielpause ganz wichtig ist, gewinnen.»

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