20. April 2012

Schock: Dressur-Bundestrainer Schmezer gestorben

's-Hertogenbosch (dpa) - Die Tränen standen Isabell Werth in den Augen. «Das ist jetzt alles so was von egal», sagte die Dressurreiterin zu den Ritten beim Weltcup-Finale und rang um Fassung. Der plötzliche Tod von Bundestrainer Holger Schmezer traf den deutschen Reitsport völlig unerwartet.

Dressurbundestrainer
Holger Schmezer ist überraschend gestorben. Foto: Uwe Anspach
dpa

Die drei deutschen Final-Teilnehmer um Werth entschlossen sich dennoch, am Freitag in 's-Hertogenbosch zu starten. «Das wäre in seinem Sinne gewesen, er hätte das so gewollt», sagte Werth.

Schmezer war Dressurausbilder mit Herz und Seele. Seit 2001 arbeitete der ehemalige Nachwuchs-Bundestrainer als Chefcoach der deutschen Nationalmannschaft. Am Donnerstag war er zum Weltcup-Finale in die Niederlande gefahren. Dort starb er im Alter von 65 Jahren aus bisher ungeklärter Ursache. Schmezer war vor einigen Jahren an Krebs erkrankt, hatte sich selbst jedoch als geheilt bezeichnet. Er hinterlässt seine Ehefrau und seine sechsjährige Tochter.

«Das ist eine Katastrophe», sagte Schmezers Kollege Otto Becker, der in 's-Hertogenbosch die Springreiter betreut. «Es ist schrecklich und so unwirklich. Man kann das gar nicht glauben.» Dass die Springreiter am Vorabend in der ersten von drei Teilprüfungen schwach gestartet waren, wurde nicht nur für Becker «plötzlich zu einer Nebensache».

Das galt auch für den Grand Prix am Freitag, in dem Helen Langehanenberg (Havixbeck) mit Damon Hill (76,125 Prozentpunkte) Platz zwei hinter der Niederländerin Adelinde Cornelissen mit Parzival (78,024) belegte. «Das war hart für uns, hier zu reiten», sagte Langehanenberg: «Die Freude über den Ritt kommt vielleicht in ein paar Tagen, jetzt überwiegt der Schmerz.» Nadine Capellmann aus Würselen wurde mit Girasol (70,441) Neunte vor Isabell Werth (Rheinberg) mit El Santo (69,802)

Dass sie trotz des Todesfalls antreten, beschlossen die drei Reiterinnen gemeinsam in der Nacht zum Freitag. «Ich glaube, es hätte es gewollt, die Dressur war sein Leben», sagte Langehanenberg: «Wir sind heute für ihn geritten.»

Schmezer war mit den Reiterinnen und seinem Co-Trainer Jonny Hilberath am Donnerstagabend zum Abendessen verabredet. Als er nicht kam und auch nicht ans Telefon ging, wurde das Hotel informiert. Dort wurde er im Flur seines Zimmers gegen 20.30 Uhr tot aufgefunden. «Genaueres wissen wir noch nicht», sagte Verbands-Präsident Breido Graf zu Rantzau.

Nicht nur die deutschen Reiter zeigten sich geschockt. «Zuerst denkt man, das kann gar nicht sein, einfach unfassbar», sagte der niederländische Bondscoach Sjef Janssen. Er war sportlich gesehen Schmezers langjähriger Konkurrent. Privat kamen die beiden Dressur-Trainer aber trotz methodisch unterschiedlicher Vorstellungen gut miteinander aus. «Am Anfang gab es einmal offene Worte, danach war alles geklärt», sagte Janssen. Schmezer war bei allen sehr beliebt, die mit seiner offenen und direkten Art umgehen konnten.

«Das ist einfach schrecklich», sagte Nadine Capellman, die bei Schmezers erster Weltmeisterschaft als Bundestrainer 2002 in Jerez de la Frontera Doppel-Gold gewonnen hatte. Zur sportlichen Bilanz des Coaches gehörten zudem zwei olympische Goldmedaillen und insgesamt vier Titel bei Weltmeisterschaften.

«Der Schock sitzt bei uns allen unendlich tief. Wir können es nicht fassen, dass Holger Schmezer nicht mehr unter uns ist», meinte Verbands-Präsident Rantzau. «Wir sind unendlich traurig. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.»

Erst am Sonntag war der langjährige FN-Präsident Dieter Graf von Landsberg-Velen im Alter von 86 Jahren gestorben. Während Landsberg-Velen bereits einige Zeit krank war und im Krankenhaus starb, traf Schmezers Tod den FN-Chef völlig unvorbereitet. «Der Dressursport verliert einen seiner engagiertesten Trainer und einen gradlinigen Menschen, der stets klare Worte fand und immer nur das Beste für die Dressur wollte», sagte Rantzau.

Die Olympischen Spiele im August sollten für Schmezer der Abschluss sein. Er wollte nach London aufhören und dann kürzer treten - nicht mehr von einem Turnier zum anderen fahren und sich mehr um seine Familie kümmern. «Er hatte sich so auf die Zeit danach gefreut», sagte der Verbands-Chef.

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