Früher Platzverweis
19. September 2018

Schwester tobt nach Ronaldos Tränen-Rot - Brych als Buhmann

Die Wut richtet sich vor allem gegen den deutschen Schiedsrichter Brych. Die Rote Karte gegen Ronaldo wegen Haareziehens erhitzt manche Gemüter. Teamkollege Emre Can kann die Entscheidung auch nicht nachvollziehen: «Wir sind doch keine Frauen, ehrlich.»

Ajax Amsterdam - AEK Athen
Torschütze Nicolas Tagliafico (l) feiert mit Klaas Jan Huntelaar (r) den Treffer zum 1:0 für Ajax Amsterdam gegen AEK Athen. Foto: Peter Dejong/AP
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Valencia (dpa) - Cristiano Ronaldos Schwester tobte nach dem Tränen-Rot für ihren weltberühmten Bruder, Italiens Presse wütete gegen den deutschen Schiedsrichter.

«Eine echte Beleidigung für den Fußball», giftete die Zeitung «Tuttosport» in Richtung von Referee Felix Brych und dessen Torrichter Marco Fritz.

Null Verständnis für den ersten Platzverweis gegen den Superstar in dessen 154. Champions-League-Spiel - und dem ersten für seinen neuen Club Juventus Turin - zeigte auch der deutsche Nationalspieler und Ronaldo-Teamkollege Emre Can. «Das soll Rot sein? Wir sind doch keine Frauen, ehrlich», sagte der 24-Jährige bei DAZN, nachdem er sich die Szene angeschaut hatte. Einen Videobeweis gibt es in der Champions League nicht.

Ronaldo, der am vergangenen Sonntag beim 2:1 gegen Sassuolo mit einem Doppelpack seine ersten Tore in der Serie A seit seinem Wechsel zur neuen Saison von Real Madrid nach Italien gemacht hatte, äußerte sich zunächst nicht. Er konnte es einfach nicht fassen, saß kopfschüttelnd auf dem Rasen des FC Valencia, kämpfte mit den Tränen und musste sich auch noch von den spanischen Fans verhöhnen lassen. Mehrfach ging auch Can zu Ronaldo und versuchte, ihn zu trösten.

Diese 29. Minute wird in der Superlativ-Karriere des CR7 in der Königsklasse einen unrühmlichen Platz einnehmen. Er hatte sich dazu hinreißen lassen, dem gegnerischen Abwehrspieler Jeison Murillo kurz in die Haare zu greifen, nachdem dieser nach einem Zweikampf mit dem Portugiesen zu Boden gegangen war.

Valencias Torwart Neto gestikulierte wild, ein Rudel bildete sich um Ronaldo. Brych beriet sich mit Fritz - und zeigte Rot. «Unglückliches UCL-Debüt von Ronaldo für Juventus: Der deutsche Schiedsrichter Brych schickt den Portugiesen nach einer vermeintlichen Tätlichkeit vom Platz», schrieb sogar die UEFA selbst in ihrem Liveticker zum Spiel, das Juve trotz über einstündiger Unterzahl mit 2:0 gewann.

Die Aktion sei eine Unsportlichkeit «und weniger eine Tätlichkeit» gewesen, schrieb der ehemalige Schiedsrichter Babak Rafati am Donnerstag in seiner Kolumne für den Sportbuzzer. Drastischer reagierte Ronaldos Schwester. «Schande über den Fußball - Gerechtigkeit wird kommen», schrieb Katia Aveiro bei Instagram. «Sie wollen meinen Bruder zerstören, aber Gott schläft nie», meinte sie. «Cristiano geht weinend vor Machtlosigkeit», hatte die spanische Sportzeitung «AS» schon am Spiel-Abend geschrieben.

Wird er nun womöglich für zwei Spiele gesperrt, wird Ronaldo Juve auch am 23. Oktober auswärts gegen Manchester United fehlen. Jenem Verein, in dem der mittlerweile 33 Jahre alte fünfmalige Weltfußballer zum Superstar heranreifte und 2008 erstmals die Königsklasse gewann. Die Entscheidung über das Strafmaß fällt am Donnerstag kommender Woche, wie die UEFA mitteilte. Fehlen wird Ronaldo Juve auf jeden Fall beim Heimspiel gegen die Young Boys Bern am 2. Obtober.

«Wir alle lieben ihn, aber wenn Du sowas machst, fliegst Du wahrscheinlich vom Platz», zitierten englische Zeitungen den ehemaligen United-Spieler und Bundesliga-Profi Owen Hargreaves am Donnerstag.

Nie zuvor sah Ronaldo, der unzählige Rekorde in der Meisterklasse hält, in der Champions League die Rote Karte. Das französische Fußball-Magazin France Football zählte per Klickstrecke am Donnerstag aber schon mal die bisherigen zehn Platzverweise Ronaldos auf - davon waren vier jeweils Gelb-Rote Karten.

Brych war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Ohnehin gilt laut den Statuten der UEFA: «Die Offiziellen dürfen keine Interviews geben oder öffentliche Erklärungen über während UEFA-Spielen getroffene Entscheidungen abgeben.» Für den 43-jährigen Brych war es der erste große internationale Einsatz seit der enttäuschend verlaufenen WM. Er hatte in Russland nur ein Spiel pfeifen dürfen.

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