15. April 2012

Sternstunde für Rosberg: Shanghai-Sieg im Mercedes

Shanghai (dpa) - Sternstunde im Silberpfeil: Nico Rosberg hat mit seinem Premieren-Sieg in der Formel 1 für den ersten Triumph eines Mercedes-Werksteams seit 1955 gesorgt. Der gebürtige Wiesbadener gewann von der Pole Position den Großen Preis von China.

Ganz oben
Mit dem Siegerpokal steht Nico Rosberg das erste mal ganz oben auf dem Podest. Foto: Diego Azubel
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Premiere
Jenson Button (l) und Lewis Hamilton (M) geben Rosberg seine erste Champagner-Dusche nach einem F1-Sieg. Foto: How Hwee Young
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Mercedes-Triumph
Inmitten des Mercedes-Teams feiert Nico Rosberg den GP-Erfolg mit Pokal und Champagner.
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Umarmung
Norbert Haug (l) fällt seinem Shanghai-Meister in die Arme. Foto: Diego Azubel
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Start-Ziel-Sieg
Nico Rosberg (M) ist bei seinem ersten GP-Sieg vom Start weg nicht mehr aufzuhalten. Foto: Franck Robichon
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Damit beendete er im 111. Grand Prix das lange Warten auf seinen ersten Erfolg und krönte sich zum siebten deutschen Formel-1-Sieger. «Yeeeeees», brüllte Rosberg in den Boxenfunk, dann sprang er seinen jubelnden Mechanikern in die Arme. «Ich bin unglaublich happy. Der Hammer», bekannte der 26-Jährige nach der Champagnerdusche. Zweiter wurde der britische McLaren-Pilot Jenson Button vor seinem Landsmann und Teamkollegen Lewis Hamilton.

Weltmeister Sebastian Vettel rettete im Red Bull nach einer starken Aufholjagd von Startplatz elf noch den fünften Rang hinter seinem Stallrivalen Mark Webber. «Wir sind einfach nicht schnell genug. Trotzdem können wir zufrieden sein», sagte der Hesse. In der WM-Gesamtwertung führt nach dem dritten Saisonlauf nun Hamilton mit 45 Punkten vor Button, der 43 Zähler hat. Der bisherige WM-Spitzenreiter Fernando Alonso wurde im Ferrari in Shanghai nur Neunter und rutschte mit 37 Punkten auf WM-Platz drei ab. Vettel (28) verbesserte sich hinter Webber (36) auf Rang fünf.

Mann des Tages aber war Rosberg. 20 671 Tage nach dem Sieg von Juan Manuel Fangio in Italien ließ wieder ein Mercedes-Werksfahrer die gesamte Konkurrenz hinter sich. «Großartig. Bravo Nico», sagte der völlig überwältigte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und griff sich den Siegerpokal. «Den geb' ich nicht mehr her», versicherte der Schwabe. Teamchef Ross Brawn befand: «Es war ein perfektes Rennen von Nico.»

Ein noch besseres Mercedes-Ergebnis verhinderte ein Boxenpatzer: Michael Schumacher musste wegen eines schlecht aufgezogenen Vorderreifens in der 13. Runde sein Auto abstellen. Auch Force-India-Pilot Nico Hülkenberg als 15. und Timo Glock im Marussia als 19. blieben ohne Punkte.

Rosberg erwischte von seiner Premieren-Pole einen perfekten Start. Als achter Deutscher in der Formel-1-Geschichte hatte er in der Qualifikation die Bestzeit gefahren, zum Auftakt des Rennens ließ er Teamkollege Schumacher sofort klar hinter sich. Ganz schlecht lief es zunächst für Vettel. Nach verpatzter Qualifikation kam er auch am Start nicht in die Gänge und rutschte bis auf Rang 14. Erneut hatte er Mühe mit seinem zickigen Dienstwagen.

Nach zehn Runden kam dann Bewegung ins Feld. Lotus-Pilot Kimi Räikkönen und Hamilton gingen an die Box, der Brite zog dann dank des besseren Stopps am Finnen vorbei. Der heranrasende Webber schob sich noch zwischen das Duo. Mercedes wartete lange mit dem Reifenwechsel - und patzte. Ein Mechaniker bekam Schumachers rechten Vorderreifen nicht festgezogen und winkte verzweifelt, als der 43-Jährige trotzdem das Signal zum Losfahren erhielt. Wenige Meter später rollte der Altmeister aus. «Nein nein nein», twitterte sein Team.

«Schade», meinte Schumacher. 2006 hatte er in China seinen bislang letzten Sieg gefeiert, diesmal schien zumindest der erste Podiumsplatz seit seinem Comeback vor zwei Jahren möglich. «Das gehört dazu. Jetzt drücke ich Nico die Daumen», sagte Schumacher.

Bei Rosberg lief immerhin alles glatt. Sein Vorsprung auf das McLaren-Duo Button und Hamilton blieb beruhigend. Vettel hatte sich inzwischen zumindest in die Punkteränge vorgearbeitet. Längst hatte sich das Rennen zum Reifenpoker entwickelt. Weil die vermeintlichen Mittelfeld-Teams ihre Stopps lange hinauszögerten, mussten sich die Spitzenfahrer immer wieder durchs Feld nach vorn kämpfen.

In der 35. Runde holte sich Rosberg das zweite Mal frische Reifen, deutlich später als seine Verfolger. Die Taktik war klar: Mercedes sparte sich einen Stopp. Als Zweiter kehrte Rosberg zurück, Button führte nun. Doch dann klappte auch beim Weltmeister von 2009 der Reifenwechsel nicht. Hinten links klemmte der Pneu, Button verlor viel Zeit. Rosberg war in der 40. Runde wieder klar vorn.

Und auch Vettel hatte das Podium plötzlich wieder in Reichweite. Der Titelverteidiger hatte ebenfalls auf eine Zwei-Stopp-Strategie gesetzt und lag nun auf Rang drei hinter Räikkönen. Sieben Runden vor dem Ende wurde es im Kampf um die Plätze hinter Rosberg dann richtig dramatisch. Vettel schnappte sich Räikkönen, der in Probleme kam. Hamilton presste sich an Webber vorbei.

In der 52. Runde musste Vettel dann auf schlechter werdenden Reifen erst Button und dann auch Hamilton und Webber vorbeilassen. Vorn aber zog Rosberg souverän seine Kreise. Nach 56 Runden und 305,066 Kilometern erlöste er die Silbernen.

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