10. April 2012

US-Profi Watson Sieger im Stechen beim 76. Masters

Augusta (dpa) - Bubba Watson weinte hemmungslos und suchte nach seinem hochdramatischen Masters-Sieg verzweifelt nach den richtigen Worten. Völlig überwältigt umarmte der Überraschungssieger Mutter, Caddie, den erst im Stechen unterlegenen Südafrikaner Louis Oosthuizen und seine Gattin.

Hut ab
Der US-Amerikaner Bubba Watson gewann das Masters in Augusta. Foto: Tannen Maury
dpa

Mit einem begeisternden Kunstschlag und Par am zweiten Extra-Loch gewann der Selfmade-Golfprofi aus Bagdad/Florida im Augusta National Golf Club das erste Major-Turnier seiner Karriere. Nach vier Runden hatten Watson (69+71+70+68=278) und Oosthuizen (68+72+69+69=278) noch gleichauf gelegen.

«Ich habe nicht im Traum daran geglaubt. Der Ball lag zwischen den Bäumen, ich riskierte einen verrückten Schlag, der zuvor in meinem Kopf ablief, und irgendwie bin ich jetzt hier und rede im Grünen Jacket des Siegers mit Euch», stammelte der 33-Jährige bei der traditionellen Siegerehrung im Clubhaus an der Magnolia Lane. Sein verdienter Lohn: Über 1,4 Millionen Dollar Siegprämie und die lebenslange Spielberechtigung in Augusta. Der 29 Jahre Oosthuizen hatte vorher mit dem ersten Albatros der Turniergeschichte auf dem Par 5 am 2. Grün mit drei unter Par für den Schlag des Tages gesorgt.

Die schlaggleichen Mitfavoriten Phil Mickelson (USA/74+68+66+72=280), Lee Westwood (England/67+73+72+68=280), Matt Kuchar (USA/71+70+70+69=280) und der vor dem Finale führende Schwede Peter Hanson (68+74+65+73=280) teilten sich nach einem dramatischen Finish mit ständig wechselnden Siegkandidaten Rang drei. Je ein Hole-in-One am 16. Grün von Bo van Pelt (USA) und Adam Scott (Australien) garnierten die Show - ohne Einfluss auf den Sieg.

Der viermalige Masters-Champion Tiger Woods (USA), vor Turnierbeginn Siegeskandidat Nummer eins bei den Buchmachern, spielte auf Rang 40 (72+75+72+74=293) keine Rolle und lieferte sein schlechtestes Gesamtergebnis überhaupt in Augusta ab. Auch Deutschlands bester Golfer Martin Kaymer auf Rang 44 (72+75+75+72=294) oder der englische Weltranglisten-Erste Luke Donald auf Platz 32 (75+73+75+68=291) hatten mit der Entscheidung beim ersten Saisonhöhepunkt nichts zu tun.

«Ich bin wieder in alte Muster gefallen und muss diverse Schwung-Reparaturen vornehmen. Gott sei dank sind wenigstens viele Putts gefallen», meinte Woods und kündigte Nachhilfestunden bei seinem Trainer Sean Foley an.

Von solch einem Luxus kann Watson nur träumen. Im Stil eines nervenstarken Routiniers wehrte der religiöse «Nonkonformist» (San Francisco Chronicle) den Ansturm des ehemaligen British Open-Siegers Oosthuizen ab. Seine gewaltigen Abschläge und das feine Feeling im Handgelenk hat sich Watson selbst antrainiert - ohne Schwung-Guru, wie es die Weltklasse à la Woods pflegt.

Mit einem seiner unnachahmlichen Kunstschläge aus dem Wald hatte Watson den Ball im entscheidenden Moment so nahe an den vom Schlagstandort nicht einzusehenden Fahnenstock am 10. Grün platziert, dass ihm zwei Schläge am Extra-Loch zum Par gegen das Bogey von Oosthuizen reichten. «Wir hatten einen großen Tag zusammen. Bubba machte einen unglaublichen Schlag. Ich habe gut gespielt, aber er hat den Sieg verdient», kommentierte Oosthuizen fair. Watson ist erst der vierte Linkshänder, der das erste Major-Turnier des Jahres für sich entscheiden konnte. Noch Stunden vor der Schlussrunde auf dem Par-72-Kurs hatte der bei seinen Kollegen sehr beliebte Watson Bibelverse getwittert.

Als Watson in der Dämmerung von Augusta den «unfassbaren Tag» feierte, hatte Kaymer Anlage und Stadt längst verlassen und war über New York und Dubai zum nächsten Turnier nach Kuala Lumpur geflogen. Bei seiner fünften Masters-Teilnahme hatte der Rheinländer immerhin erstmals den Cut geschafft, ohne dabei geglänzt zu haben. «Es hat mir Riesenspaß gemacht. Ich habe viel gelernt und mental einen großen Schritt nach vorn getan. Auch wenn das Resultat nicht gerade berauschend war», analysierte Kaymer. «Das war ganz ok im Großen und Ganzen, weil ich besser als in den vergangenen zwei Tagen geputtet habe.» In der neuen Weltrangliste fiel er vom sechsten auf den siebten Platz zurück, Watson ist jetzt Vierter.

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