09. März 2014

Werders «Sportsmann» Hunt pfeift Schiri zurück

Nürnberg (dpa) - Aaron Hunt gab dem nächsten großen Sieg des SV Werder Bremen in seinen Endspielwochen auch noch eine ehrenvolle Note.

Fair
Kurz nachdem Aaron Hunt zu Fall gekommen war, korrigierte der Bremer die Schiedsrichterentscheidung. Foto: Daniel Karmann
dpa

Der Kapitän rang sich mitten im harten Abstiegskampf beim 2:0 (1:0)-Erfolg der Hanseaten beim direkten Konkurrenten 1. FC Nürnberg nach kurzem Innehalten zu der fairen Geste durch, den falschen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Manuel Gräfe persönlich zu korrigieren. «Mir war relativ schnell klar, dass ich die Wahrheit sage», sagte Hunt über den kurzen Wortwechsel mit Gräfe und betonte: «So wollen wir kein Spiel gewinnen, auch wenn es Abstiegskampf ist.»

Was war geschehen? Hunt hatte in der 75. Minute beim Lauf in den Strafraum ganz bewusst den Kontakt mit Gegenspieler Javier Pinola gesucht, doch der Argentinier war nicht verantwortlich für den Sturz des dreimaligen Nationalspielers. «Ich wollte den Elfmeter haben, aber es war nicht die richtige Entscheidung von mir», erzählte Hunt.

Gräfes Pfiff hätte den Bremer die Chance zum 3:0 ermöglicht, so blieb es beim 2:0, das keine Sieggarantie war. «Aber es ist ja dann gut gegangen», sagte Hunt. Trainer Robin Dutt würdigte seinen Kapitän als «absoluten Sportsmann». Ob Hunt auch beim Stand von 0:0 so ehrlich gewesen wäre? «Diese Frage stellt sich nicht», entgegnete Dutt und antwortete lieber: «Ich bin froh, dass Aaron das gemacht hat.»

Anlass zu Frohsinn hatten die Bremer überhaupt. Sie waren am 24. Spieltag der große Gewinner im Abstiegskampf. Mit erstligareifer Effektivität und ihrer neuen Defensivstärke gewannen sie ein Spiel, dass die Nürnberger vor 40 608 Zuschauern dominiert hatten.

Tore aber schoss nur Werder: Franco di Santo traf im Nachschuss an einen Lattenkracher von Hunt (40.). Und Philipp Bargfrede hatte Glück mit einem abgefälschten Schuss aus 20 Metern (68.). «Es war kein gutes Spiel von uns, aber ein cleveres. Wir haben gut verteidigt und sind für unsere Kaltschnäuzigkeit belohnt worden», erklärte der herausragende Innenverteidiger Sebastian Prödl. Bei beiden Toren leistete Nürnbergs spanischer Startelf-Debütant José Campana (20) mit Ballverlusten im Mittelfeld entscheidende Hilfestellung. «Für mich hat die klar bessere Mannschaft verloren», haderte Nürnbergs Mittelfeldmann Mike Frantz: «Unser Manko war das Toreschießen.»

Werder kann Abstiegskampf lautete die Erkenntnis nach dem vierten Spiel ohne Niederlage und nun 28 Punkten. «Wir haben uns unten ein bisschen abgesetzt, das war wichtig», sagte Torschütze Di Santo, der noch einen Lattenschuss verzeichnete (22.). Erst gewann Werder das Kellerduell gegen den HSV, nun die Partie in Nürnberg - und kommenden Samstag kommt der angeknockte VfB Stuttgart. «Da können wir einen großen Abstand aufbauen», meinte Prödl.

Nur drei Punkte trennen dagegen den «Club» nach seiner 150. Heimniederlage in der Bundesliga vom Relegationsplatz 16. Trainer Gertjan Verbeek sah jedoch trotz des Fehlstarts in die Nürnberger Endspielwochen keinen Grund, seine Spieler groß zu rügen. «Wir haben überragend gespielt, wir haben den Gegner überlaufen. Nur die Tore fehlten», meinte der Niederländer. Allein das Ergebnis war für ihn «ein Rückschlag». Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Freiburg heißen die nächsten Gegner. Vier weitere Abstiegsduelle, die den Weg der Franken weisen werden. Verbeek will weiter auf mutigen Offensivfußball setzen: «Auf diese Weise werden wir sicher noch genug Punkte holen.»

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