Tanzsport
Ludwigsburg | 09. Januar 2017

1. TCL setzt Kontraste und ist verärgert

Bundesligastart in der Rundsporthalle: Hinter dem deutschen Meister Braunschweiger TSC und dem TSC Göttingen wurde die Standardformation des 1. TC Ludwigsburg auf Platz 3 gewertet. Die Verantwortlichen hatten sich mit Heimvorteil mehr ausgerechnet.

Tänzerische Klasse, Haltung und Musikalität: Die TCL-Formation setzt Maßstäbe, muss sich aber mit Platz 3 zufrieden geben. Foto: Baumann
Tänzerische Klasse, Haltung und Musikalität: Die TCL-Formation setzt Maßstäbe, muss sich aber mit Platz 3 zufrieden geben. Foto: Baumann

Die Damen waren stocksauer. Gaby Wulff, die Präsidentin des 1. TC Ludwigsburg, und Trainerin Dagmar Beck konnten das Urteil der Wertungsrichter einfach nicht begreifen. Da hatten ihre Standardtänzerinnen und -tänzer mit der traumhaften Choreografie Kontraste das Publikum einmal mehr zu Beifallsstürmen hingerissen, doch am Ende setzten sechs der sieben Juroren den Gastgeber auf Rang 3.

Der Auftritt des Weltmeisters von 2015 wies nur einen Makel auf: Seit der deutschen Meisterschaft im November tanzt die Formation aufgrund von Personalproblemen nur mit sechs statt der sonst üblichen acht Paare. Diesem Defizit maßen die Wertungsrichter großes Gewicht bei. Sechs von ihnen hievten die mit gewohnter Eleganz und Präzision agierenden Braunschweiger an die Spitze, immerhin fünf sahen den deutschen Vizemeister Göttingen auf Platz 2 – klare Mehrheitsverhältnisse.

Dabei hatten die Ludwigsburger, angeführt von Kapitän Dominik Kirchniawy und seiner Tanzpartnerin Maria Novikova, alle Register gezogen. Sie bewiesen, das sechs Paare mit noch größerem sportlichen Aufwand die Parkettfläche sehr wohl füllen können. Tänzerische Klasse, Haltung, Musikalität, Tempowechsel, Athletik – in allen Kriterien setzt der TCL Maßstäbe. Die Highlights wurden auf offener Szene bejubelt: Spagat der Damen, Standwaage der Herren, Spindrehungen, Kreuzen im Laufschritt.

Danach ging die ewige Diskussion in die nächste Runde und zwar darüber, wie ungerecht es in Sportarten zugehen kann, in denen nicht Zentimeter und Zehntelsekunden den Ausschlag geben, sondern die Noten von Wertungsrichtern. Die Laune von Gaby Wulff und Dagmar Beck rutschte vollends in den Keller, als sie mehrere Tänzer, die nach der WM 2015 das Team verlassen hatten, auf den Zuschauerrängen erblickten.

Es gab aber auch Lichtblicke in der Rundsporthalle. Zum Beispiel das große Aufgebot früherer Meistertänzerinnen und -tänzern des TCL, die der aktuellen Formation in einer schwierigen Phase den Rücken stärken. „Viel dynamischer, viel sportlicher – ich habe großen Respekt, was die heute leisten“, zog der Kapitän der 80er-Jahre, Uwe Störl, einen Vergleich.

Unglaublich fast ist die Leistung der aus Kasachstan stammenden Neuzugänge Olga Woltschanskaja (27) und Sergej Esau (26). Erst vor sechs Wochen stieß das Paar zum TCL. Trotz einer mehrjährigen tänzerischen Pause ließen sie sich auf das Experiment ein. „Von null auf hundert“, beschrieb es Sergei und ergänzte lachend: „Oberschenkel, Leiste, Adduktoren – wenn der Physiotherapeut nicht gewesen wär, würde ich heute nicht hier stehen.“ Olga gab offen zu, dass „es am Anfang sehr, sehr schwer war, sich die vielen Schritte zu merken“. Coach Norman Beck zog den Hut: „Eine bemerkenswerte Leistung. Sie haben eine gute Grundausbildung und sind den Drill gewohnt.“ Esau/Woltschanskaja betonen ihrerseits, jede erdenkliche Unterstützung erhalten zu haben. Ludwigsburg will bei seinem Weg bleiben, konsequent auf junge Leute zu setzen, und hofft, in der kommenden Saison wieder mit komplettem Team antreten zu können.

von erich wagner
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