Tanzsport
Ludwigsburg | 25. November 2017

Die Primaballerina des TCL

Die Ukrainerin Masha Novikova läuft in den Armen von Dominik Kirchniawy zur Hochform auf

Masha Novikova und Dominik Kirchniawy. Foto: Bob van Ooik
Masha Novikova und Dominik Kirchniawy. Foto: Bob van Ooik

Ludwigsburg. Die Dame des Kapitäns, früher sehr ruhig und zurückhaltend, geht seit einiger Zeit voll aus sich heraus. Masha Novikova gilt als Primaballerina des 1. TC Ludwigsburg. Auch ihr Tanzpartner Dominik Kirchniawy ist von ihrer Entwicklung beeindruckt: „Sie blüht auf, gibt mir auch mal eine auf den Deckel, wenn ich zuviel rede.“

Mit elf Jahren ist die Ukrainerin Masha Novikova in die Ausbildung ihrer Lehrmeisterin Dagmar Beck gekommen, die den Rohdiamanten auf Hochglanz schliff. Der Spaß an der Bewegung, die Rhythmisierungsfähigkeit, Disziplin und Fleiß – diese Grundvoraussetzungen erwartet das Trainerehepaar von seinen Sportlern. „Wenn ein Paar nicht bereit ist, sich zu quälen, dann reicht das Talent nicht aus“, legt sich Norman Beck fest.

Führungspaar der Standardformation

Eine glückliche Fügung wollte es, dass sich beim TCL vor zweieinhalb Jahren mit Masha Novikova und Dominik Kirchniawy zwei ehrgeizige Talente zusammenfanden. Er kam mit 13 Jahren zu Dagmar Beck, weil eine andere starke Frau eine klare Ansage machte. „Als Mann musst du ein Taktgefühl haben, hat meine Mutter zu mir gesagt. Du musst eine Frau führen können, du musst einen Tanzkurs machen“, erzählt Dominik Kirchniawy, wie er nach ersten Anfängen in der polnischen Volkstanzgruppe in Grünbühl beim TCL landete.

Mittlerweile sind die Ukrainerin und der gebürtige Pole das Führungspaar der Standardformation, die am Samstag bei den Weltmeisterschaften in Braunschweig zu Hochform auflaufen will. Dabei bringt Masha Novikova auch jede Menge Emotionen mit auf die Fläche. Im Finale der DM in Bremen sah es Dominik eindeutig: „Als ich sie nach dem Spagat hochgeholt habe, hatte sie Tränen in den Augen.“ Tränen der Freude, überwältigt von einem fließenden Vortrag, den Sieg vor wässrigen Augen.

Der 23-jährige Kirchniawy behielt die Übersicht und beruhigte seine Partnerin: „Ich dachte mir, ich kann doch nicht eine heulende Dame übers Parkett führen.“ Wie gut Kirchniawy/Novikova inzwischen harmonieren, zeigt ihr zehnter Platz bei den deutschen Meisterschaften im Einzeltanz.

Masha Novikova hat aus dem bestandenen Abitur und dem deutschen Meistertitel weitere Selbstsicherheit geschöpft. „Masha ist richtig gefestigt in sich. Im Training sagt sie jetzt, wenn ihr was nicht passt. Dominik ist ein Vorbild. Er überzeugt durch Leistung und auch durch soziale Kompetenz“, urteilt Trainer Beck.

Dominik Kirchniawy studiert an der PH Ludwigsburg Mathematik und Technik auf Lehramt. „Beim Tanzen bin ich so fokussiert auf die Musik, dass es mir gelingt, dem Alltagsstress zu entkommen“, spürt der Eglosheimer, obwohl in den Übungseinheiten manchmal ein rauer Ton herrscht. „Ein gutes Training ist, wenn Norman nicht schimpft“, hat Kirchniawy im NDR-Interview kürzlich schmunzelnd gesagt.

von erich Wagner
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