Ludwigsburg | 28. Februar 2018

TCL und sein denkwürdiger Abstecher ans Schwarze Meer

Die Ludwigsburger Standardformation gewinnt bei der Europameisterschaft in Sotschi unter widrigen Bedingungen Silber – Junges Team nervös, aber kampfstark

Freude über die Silbermedaille: Die Ludwigsburger Standardformation nach der EM in Sotschi. Foto: TC Ludwigsburg
Freude über die Silbermedaille: Die Ludwigsburger Standardformation nach der EM in Sotschi. Foto: TC Ludwigsburg

Dagmar und Norman Beck wähnten sich im festen Glauben, im internationalen Tanzsport schon alles erlebt zu haben. Der Ausflug zur Europameisterschaft nach Sotschi (Russland), wo das Trainerehepaar mit der Standardformation des 1. TC Ludwigsburg am Wochenende die Silbermedaille errang, belehrte sie eines Besseren.

Dagmar Beck ließ per WhatsApp Dampf ab. „Während der Stellprobe wurde geklopft und gehämmert, um die Halle noch zu richten. Arbeiter trugen Bandenwerbung über die Fläche“, beschrieb die TCL-Trainerin die gestörte Vorbereitung im Ice Cube im Olympiapark und fasste zusammen: „Ein bisschen chaotisch war es schon, das Team reagierte aufgeregt.“ Es waren unwürdige Bedingungen für eine EM.

Insbesondere an den jungen TCL-Teammitgliedern ging das Tohuwabohu nicht spurlos vorüber, was sich am Sonntag auch in einem nicht überzeugenden Vorrundendurchgang niederschlug. „Wir haben nach der Vorrunde die Köpfe zusammengesteckt, da diese nicht so gut lief, und den Glauben an uns wiedergefunden“, berichtete Manuel Weber, mit 29 Jahren einer der erfahrenen Tänzer.

Im Finale der sechs verbliebenen Mannschaften sei dann eine enorme Steigerung gelungen, die zum zweiten Rang hinter Vera Tyumen (Russland) und vor Szilver TSE (Ungarn) verhalf. Die russische Crew ist ja auch amtierender Weltmeister. Das zweite deutsche Team, der TSC Schwarz-Gold Göttingen, wurde hinter Olympia (Russland) Fünfter.

„Dass Vera Tyumen herausragend auftritt, unterstützt von der Halle, das war klar. Mit dem ersten Platz haben wir auch gar nicht gerechnet“, musste Norman Beck neidlos anerkennen. Wie die TCL-Tänzerinnen und -Tänzer mit den schwierigen Verhältnissen letztlich fertig geworden sind, nötigte dem Coach großen Respekt ab: „Wir sind wahnsinnig stolz auf unsere Truppe. Die Mannschaft war zwar sehr nervös, hat aber super gefightet. Da muss man den Hut ziehen.“

Bei der Fete am Sonntagabend im Hotel fiel alle Anspannung ab. Und am Montag genossen die Sportlerinnen und Sportler den Ausflug ins Olympia-Areal in den nahegelegenen Bergen. Auf 2300 Meter Höhe präsentierten Manuel Weber und seine Teamkollegen stolz die Silbermedaillen. Tänzerin Olga Woltschaskaja konnte als gebürtige Russin ihre Sprachkenntnisse einbringen.

Gestern flog die TCL-Delegation nach einem denkwürdigen Abstecher ans Schwarze Meer zurück in heimatliche Gefilde.

von erich wagner
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