Deutsche Meisterschaft
Bremen/Ludwigsburg | 13. November 2017

Unverhoffter Triumph für 1. Tanz-Club Ludwigsburg

Die Überraschung ist gelungen: Die Standardformation des 1. TC Ludwigsburg kehrt bei den deutschen Titelkämpfen auf den Meisterthron zurück, die Lateiner erkämpfen mit Platz 5 das beste Resultat seit langem. Alle schweben bei tristem Novemberwetter auf Wolke 7.

Voller Harmonie und Eleganz präsentieren sich die acht Paare des 1. TC Ludwigsburg bei den nationalen Titelkämpfen in Bremen. Platz eins ist der Lohn.Foto: Bob van Ooik/vstudio.photos
Voller Harmonie und Eleganz präsentieren sich die acht Paare des 1. TC Ludwigsburg bei den nationalen Titelkämpfen in Bremen. Platz eins ist der Lohn.Foto: Bob van Ooik/vstudio.photos

Dagmar Beck kamen schon die Tränen, als ihre Schützlinge die letzten Passagen eines großartigen Vortrags mit traumwandlerischer Sicherheit aufs Parkett zauberten. Die Trainerin des 1. TC Ludwigsburg bewegte im hohen Norden nicht nur die homogene Leistung ihrer neu zusammengestellten Standardformation, sie gewann auch den Glauben an gerechte und objektive Wertung im Tanzsport zurück.

Auch ihr Mann Norman Beck, dem mit der zum dritten Mal präsentierten Choreographie Kontraste wieder ein Klassiker geglückt ist, registrierte hocherfreut, „dass die Wertungsrichter das werten, was sie sehen.“ Darauf vertraut er auch auf der internationalen Ebene, wenn am Samstag, 25. November, in Braunschweig die WM-Medaillen vergeben werden.

In Bremen schloss der TCL (33,75 Punkte) den Wettkampf deutlich vor dem TSC Schwarz-Gold Göttingen (32,67) und dem Erzrivalen Braunschweig (32,62) ab. Als Schlüssel zum Erfolg bezeichnete Beck das siebentägige Trainingslager in Bartholomä. Und es sei auch ein Verdienst der Kapitäne Dominik Kirchniawy und Olga Woltschaskaja gewesen, die die neu zum Team gestoßenen Tänzer beim Eingewöhnungsprozess tatkräftig unterstützten.

Claudia Sturm, Julia Rösler, Nils-Arne Herold, Patrick Esch und Christian Quaas erlebten in den vergangenen Monaten schwäbische Wochenend-Kraftakte der besonderen Art und die deutliche Ansprache eines ehrgeizigen Formationsstrategen. Norman Beck bezieht aus der Rivalität mit seinem Widerpart Rüdiger Knaack immer wieder zusätzliche Motivation.

Dass während der NDR-Liveübertragung irrtümlich die Wertungszahlen der Zwischenrunde eingeblendet wurden und Ludwigsburg bereits die Spitzenposition einnahm, erhöhte den Druck auf den 1. TCL. Denn die auf Rang 3 abgerutschten Braunschweiger hatten als Bundesligasieger die Qualifikation für die WM bereits in der Tasche. Um den zweiten Startplatz zu ergattern, musste Ludwigsburg im Finale die Göttinger auf Distanz halten.

Die Spindrehungen, der Spagat der Frauen, die Standwaage, das riskante Kreuzen der Paare bei hohem Tempo –alles klappte trotz des immensen Drucks wie am Schnürchen. Die Becks haben die Neuen in kürzester Zeit auf eine höhere Leistungsstufe gehievt. Die erfahrenen Kräfte spannten das unsichtbare Netz, das 16 Paare durch einen wunderschönen Bilderreigen mit gelungenen Tempowechseln zum Titel trug. Technisch konnte Braunschweig mit seiner neuen Choreographie „Light and Darkness“ nicht mithalten und wurde von Göttingen, das „Postmodern Jukebox“ im zweiten Anlauf noch verfeinert hatte, sogar auf Platz 3 verdrängt.

Nach einer kurzen Nacht machten sich die Becks gestern auf den Heimweg. Morgen beginnt mit der Videoanalyse im Clubheim am Erlenweg die Einstimmung auf die WM. Beck: „Wir werden die Feinjustierung vornehmen. Die Automatismen haben noch nicht alle gezogen.“

von erich wagner
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