Logo

Aufbäumen der wankenden Riesen zu spät

Drei Viertel Chaos-Basketball, ein Schlussviertel, das das wahre Potenzial der Ludwigsburger aufzeigte: Die 78:83-Niederlage gegen die nervenstarken Baskets aus Bonn dokumentierte das gesamte Spektrum der diesjährigen MHP-Riesen – und versetzte ihnen einen schmerzhaften Rückschlag im Rennen um die Play-offs.

Ludwigsburg.. „Warum können wir nicht das ganze Spiel so spielen wie im Schlussviertel?“, fragte ein genervter Trainer John Patrick, als er am späten Samstagabend den Presseraum betrat. 40 Minuten Chaos-Basketball lagen hinter dem Coach. Den ersten 30 hätte er am liebsten gar nicht beigewohnt, die letzten zehn verleiteten ihn immerhin zu der Aussage, dass seine Mannschaft – mit 20 Punkten Rückstand (48:68) die kaum mehr abwendbare Schmach vor Augen – doch noch „Charakter“ gezeigt habe.

Mit 30:15 entschieden die urplötzlich wie aus einem Guss aufspielenden Marcos Knight, Lamont Jones und Kelan Martin den finalen Durchgang für sich. Das Trio schulterte fortan die Verantwortung, 26 Punkte gingen allein auf das Konto dieser drei. Es war wohl auch so etwas wie eine Wiedergutmachung für Phasen der Fahrigkeit, Undiszipliniertheit und schnörkelhafter Selbstdarstellung einiger Protagonisten, wie sie in einem Bundesliga-Match eigentlich nichts zu suchen haben.

Ohne Quirin Emanga, der sich am Nachmittag in der Regionalliga-Partie gegen Karlsruhe (80:65) am Knöchel verletzt hatte, und auch ohne Clint Chapman starteten die Riesen solide ins Spiel. Beide Mannschaften standen mit dem Fuß auf dem Gaspedal. In den ersten Minuten fand jeder Wurf sein Ziel. Den Bonnern gelang über die Defensive Zugriff auf das Tempo der Begegnung. Die Achse um Yorman Polas Bartolo und Jarelle Reischel stand den Ludwigsburger Schützen aggressiv auf den Füßen, die Hausherren konnten kaum offensiven Rhythmus entwickeln.

Mit Beginn des zweiten Spielabschnitts wurde der Unmut der gut 4000 Fans größer: Lautstark monierten sie die Gangart der Schiedsrichter, die eine Aktion von Marcos Knight als Offensivfoul werteten. Helfen tat der Protest wenig, vielmehr blieben die Riesen fast vier Minuten ohne eigenen Korberfolg und mussten bis auf zwölf Zähler (28:40) abreißen lassen. Ein überflüssiger Fehlpass von Owen Klassen verschärfte die Verunsicherung, Josh Mayo mit einem Buzzerbeater-Dreier zementierte die Führung der Gäste (36:46).

Auch nach der Pause blieben die Baskets überlegen und stellten binnen kürzester Zeit auf plus 23 (39:62). Auf Ludwigsburger Seite verstrickte sich Lamont Jones wiederholt in Einzelaktionen. Adam Waleskowski kassierte nach einer Attacke gegen Webb ein technisches Foul und durfte die Partie fortan von der Bank verfolgen. Zum Viertelende waren die überforderten Riesen klar auf der Verliererstraße (48:68).

Dann aber wurde es Marcos Knight zu bunt. Der US-Amerikaner riss sein Team mit fünf Punkten in Folge aus der Lethargie, Martin traf endlich von jenseits der Linie und auch Jones setzte sich nun bis zum Korberfolg durch. Bis auf 74:77 waren die Riesen dran, dann aber verpasste Jordon Crawford bei noch 18.7 Sekunden auf der Uhr den notwendigen Dreier. Martin Breuning und Polas Bartolo behielten im Angriff die Ruhe, das Aufbäumen der Riesen kam zu spät und die Partie war entschieden.

Autor: