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Basketball

Bayerns Siegesserie reißt in Ludwigsburg

Erstmals in dieser Saison unterliegen die Bayern in einem Bundesliga-Spiel. Der Tabellenzweite aus Ludwigsburg feiert indes einen 18-Jährigen, der bei den Profis bisher kaum in Erscheinung getreten ist.

Marcos Knight (mit Ball) und die Riesen fügen den Münchnern Greg Monroe (links), Paul Zipser (Mitte) und Maodo Lo (rechts) die erste Niederlage der Bundesliga-Saison zu.Fotos: Baumann
Marcos Knight (mit Ball) und die Riesen fügen den Münchnern Greg Monroe (links), Paul Zipser (Mitte) und Maodo Lo (rechts) die erste Niederlage der Bundesliga-Saison zu. Foto: Baumann
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Feierstimmung trifft auf Frust. Nick Weiler-Babb (oben) jubelt, die Gäste um Josh Huestis (l.) und Zan Mark Sisko sind enttäuscht.
Feierstimmung trifft auf Frust. Nick Weiler-Babb (oben) jubelt, die Gäste um Josh Huestis (l.) und Zan Mark Sisko sind enttäuscht.

Ludwigsburg. Als sie sich ganz sicher waren, dass der große Favorit gestürzt wurde, stimmten die Ludwigsburger Fans erstmals an diesem Tag das beliebte Lied an. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ war in der ausverkauften MHP-Arena zu hören, als die Ludwigsburger 83 Sekunden vor Spielende mit 79:71 in Führung lagen. Direkt danach war Riesen-Forward Thomas Wimbush auf und davon und schmetterte mit Anlauf einen Dunk in den Korb. Dass Josh Huestis für die Bayern noch per Drei-Punkt-Spiel zum 81:74-Endstand verkürzte, schien keinen der Riesen-Fans in der Halle noch zu interessieren. Der Tabellenzweite hat damit im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga Spitzenreiter München nach zuvor 14 siegreichen Spielen in Serie die erste Niederlage der Saison zugefügt.

Während die Münchner wegen der Euroleague das dritte Auswärtsspiel innerhalb von fünf Tagen abreißen mussten, sah die Spielvorbereitung der Gastgeber wesentlich entspannter aus. Drei Wochen hatten die Ludwigsburger seit dem letzten Match spielfrei. Das entpuppte sich zunächst allerdings nicht als großer Vorteil. Denn sowohl die Riesen als auch die Bayern begannen nervös, leisteten sich Fehler und bestachen keineswegs durch Treffsicherheit. „Wir hatten zwei Wochen Vorbereitung auf das Spiel, Bayern einen halben Tag“, wusste auch Riesen-Trainer John Patrick, merkte aber an: „Wir waren frisch, aber nicht im Rhythmus.“ Mit einer 15:10-Führung gingen die Ludwigsburger nach einem punkte- und ereignisarmen Auftaktviertel vom Feld.

Dann nahm das Spiel an Fahrt auf. Khadeen Carrington, mit 25 Punkten bester Werfer der Riesen, eröffnete Durchgang zwei per Dreipunktwurf. Bayern blieb aber auf Tuchfühlung. Star-Center und Ex-NBA-Profi Greg Monroe schaffte sich immer wieder Platz unter dem Korb und brachte die Bayern mit seinen Punkten zum 23:22 in Front. Es sollte die letzte Gäste-Führung des Spiels bleiben, denn Marcos Knight fand die schnelle Antwort. Per Distanzwurf stellte er auf 25:23. Erneut Knight erhöhte sechs Sekunden vor Viertelende auf 34:31. Dann folgte Radii Caisins großer Wurf: Als die Bayern versuchten, schnell das Feld zu überbrücken, fing Riesen-Center Hans Brase einen Pass auf Höhe der Mittellinie ab. Caisin schnappte sich den Ball, zögerte nicht und versenkte ihn von deutlich hinter der Dreierlinie mit der Schlusssirene.

Coach Patrick war nach dem Spiel angetan von Caisins Leistung. Jedoch nicht wegen dieses kunstvollen Wurfs, der die Zuschauer in Ekstase versetzte. „Wenn man auf die Plus-Minus-Werte schaut, war er der Matchwinner“, sagte Patrick über die Statistik, laut der die Riesen mit Caisin auf dem Parkett 14 Punkte mehr als die Bayern machten. Auch die Fans würdigten die Leistung des 18-jährigen Defensivspezialisten, der zwischen Jugendmannschaft und Profiteam pendelt, und ließen ihn die Siegesfeierlichkeiten leiten. „Er hat wirklich gut gespielt“, sagte Teamkollege Knight, „das war gut für ihn und sein Selbstvertrauen“.

In der zweiten Spielhälfte blieb die Partie ausgeglichen. Die Gäste bissen sich allerdings immer wieder an der starken Riesen-Verteidigung fest. Zudem wollten nur wenige Distanzwürfe fallen. „Nicht jeder hat heute sein bestes Spiel gemacht, aber mit guter Verteidigung kann man jeden schlagen“, lautete das Fazit von Patrick. Knight und Carrington stellten mit sechs Zählern in Serie erstmals eine Zehn-Punkte-Führung her (47:37).

Das Spiel wurde nun auch hitziger. Christian von Fintel und Thomas Wimbush leisteten sich Unsportliche Fouls, Knight und Bayern-Guard Petteri Koponen gerieten aneinander und kassierten Technische Fouls. Aus der Ruhe brachte das die Ludwigsburger jedoch nicht. Auch nicht im Schlussviertel, in dem sie den Favoriten nicht näher als auf sechs Punkte herankommen ließen. Wimbushs krachender Dunk war das letzte Ausrufezeichen der Riesen an diesem Abend. „Wir werden heute feiern“, sagte Patrick, jedoch nicht ohne auf die Euphoriebremse zu treten: „Aber dann geht es zurück an die Arbeit.“

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