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Basketball-Bundesliga

Das weinende Auge der Riesen-Fans

Sportlich gesehen lassen die MHP-Riesen Ludwigsburg kaum Wünsche offen. Dass Fans des Basketball-Bundesligisten die bisher erfolgreichste Hauptrunde der Vereinsgeschichte aber nur im TV verfolgen können, schmerzt Verein und Anhänger – vor allem bei Heimspielen wie heute Abend gegen Oldenburg.

Großer Sport, aber eine leere Halle. Die MHP-Riesen Ludwigsburg (hier beim Heimspiel gegen Braunschweig) müssen weiterhin ohne Fans in der MHP-Arena auskommen. Foto: Baumann
Großer Sport, aber eine leere Halle. Die MHP-Riesen Ludwigsburg (hier beim Heimspiel gegen Braunschweig) müssen weiterhin ohne Fans in der MHP-Arena auskommen. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Die MHP-Riesen Ludwigsburg spielen die beste Hauptrunde ihrer Bundesliga-Geschichte. Heute Abend, wenn die EWE Baskets Oldenburg um 20.30 Uhr (Magenta Sport) in die MHP-Arena kommen, geht es für die Basketballer um den 17. Sieg in Folge. Eine Erfolgsserie, die normalerweise zu einem ausverkauften Heimspiel nach dem anderen führen würde. Es wären unvergessliche Festtage in Gelb-Schwarz. Doch stattdessen dürfen aufgrund der Coronavirus-Pandemie nur wenige Mitarbeiter und Helfer den Spielen des Tabellenführers beiwohnen. Während die finanziellen Einbußen zumindest teilweise durch Staatshilfen abgemildert werden, sind die emotionalen Erlebnisse unwiderruflich verloren. Bei allem Verständnis für die Situation schmerzt das die Anhänger der Ludwigsburger.

„Lieber erfolgreich ohne uns als gar nicht erfolgreich.“

Tim Höstermann
Barock Pirates

„Ohne Zuschauer ist es eine echte Katastrophe. Was da fehlt, kann man nicht in Worte fassen“, sagt Gunnar Rübenach, der die Riesen seit über zehn Jahren als Fotograf begleitet. Er ist deshalb auch bei den Geisterspielen in der Halle und kennt die Atmosphäre bei leerer Halle. „Mir blutet das Herz, dass die Mannschaft solche Spiele abliefert, und fast niemand kann es erleben.“ Auch als Fotograf fehlt Rübenach ohne Menschen auf der Tribüne etwas: „Ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich gar nicht mehr richtig fotografiere und nur noch zusehe, weil die Motive einfach nicht dieselben sind wie zuvor.“

Den organisierten Fans geht es ähnlich. Sebastian Lempert besucht die Spiele der Ludwigsburger seit über 20 Jahren und war jahrelang Vorsitzender des Fanclubs Dunking Dukes. „Man hat dabei schon ein trauriges Auge. Manchmal schaut man die Spiele an, sieht die leere Arena und stellt sich dann vor, wie die Halle normalerweise ausrasten würde.“ Lempert bedauert zudem die verpassten Momente: „Mit Elias Harris hat der beste deutsche Spieler in Ludwigsburg gespielt und wir konnten ihn nicht einmal im Riesen-Trikot sehen.“ Der ehemalige Nationalspieler kam im Sommer aus Bamberg und spielte groß auf, ehe er Anfang Januar seine Ausstiegsklausel zog und nach Spanien wechselte.

Die Stimmung im Fanlager sei zwiegespalten, berichtet Lempert. „Klar ist ein Teil aufgrund der sportlichen Lage euphorisch, aber vielen fehlt eben diese Nähe. Das Erlebnis vor Ort ist existenziell wichtig für den Basketball.“

Tim Höstermann von den Barock Pirates vermisst die Gemeinschaft in der Halle ebenfalls. Er betont aber: „Es gibt viele Leute, die im Moment ganz andere Probleme haben.“ Während der Spiele versuchen die Fanclubmitglieder, über Videochat einen Hauch von Spieltagsatmosphäre zu erzeugen. Kein Ersatz für die stimmgewaltige Gelbe Wand, aber immerhin. „Lieber erfolgreich ohne uns als gar nicht erfolgreich“, sagt Höstermann. „Ich traue dieser Mannschaft alles zu.“

Auch der Verein bedauert die fehlende Nähe zu seinen Fans. „Man kann die Emotionen nur zu einem Teil transportieren. Das versuchen wir durch kreative Ideen wie einen digitalen Fantalk“, sagt Pressesprecher Lukas Robert, stellt aber klar: „Die Atmosphäre mit Zuschauern gehört zu diesem Sport. Das ist es, was wir lieben, und das lässt sich nicht ersetzen.“

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