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Basketball
Der Routinier und die jungen Kerle

Tremmell Darden blickt auf eine bewegte Karriere als Basketball-Profi zurück. Foto: Baumann
Tremmell Darden blickt auf eine bewegte Karriere als Basketball-Profi zurück. Foto: Baumann
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Mit den MHP-Riesen Ludwigsburg trifft Tremmell Darden heute auf Brose Bamberg (20.30 Uhr). Der älteste Spieler der Liga ist trotz seiner 39 Jahre eine große Verstärkung.

Ludwigsburg. Manchmal, gibt Tremmell Darden zu, packt ihn das schlechte Gewissen, wenn seine Teamkameraden wieder auf ihn warten müssen. 25 Minuten nimmt sich der Basketball-Profi der MHP-Riesen Ludwigsburg nach jedem Spiel Zeit, um seinen Körper mit Dehnübungen fit zu halten. Das freut zumeist die Pressevertreter. Denn wenn Riesen-Trainer John Patrick seit dieser Saison nach den meist erfolgreichen Spielen in der Bundesliga früher als gewohnt zur Pressekonferenz erscheint, ist das Darden zu verdanken. „Wir haben die Mannschaftsbesprechungen um 25 Minuten nach hinten verschoben, damit Tremmell sich dehnen kann“, begründete Patrick vor kurzem sein verfrühtes Erscheinen.

Übel wird das Darden dagegen wohl keiner seiner Mitspieler nehmen. Denn der mit 39 Jahren älteste Spieler der BBL zahlt die Sonderbehandlung mit Leistung zurück. Dass Darden und die Ludwigsburger als Favorit in die heutige Partie gegen den Ex-Serienmeister Brose Bamberg (20.30 Uhr/Magentasport) gehen, zeigt die rasante Entwicklung des Basketballs in Ludwigsburg – und wie holprig es beim Zehntplatzierten aus Bamberg bislang läuft.

Seine Rolle als zuverlässige Kraft auf dem Parkett und als Mentor abseits des Spielfelds gefällt Darden: „Wir gewinnen. Und als erfahrener Spieler will ich den jungen Kerlen ein positives Beispiel sein.“ Wobei der Begriff „junge Kerle“ nach Dardens Interpretation ein Altersspektrum von 16 bis 39 abdeckt. „Ich nenne jeden in der Liga junger Kerl. Ich weiß ja, dass ich der Älteste bin“, lacht er. Mehrfach hat Coach Patrick bereits die Physis des Modellathleten gelobt. Darden scheut sich nicht, gegen die „jungen Kerle“ zum Block zu steigen oder sie hart zu attackieren. „Ich denke nicht, dass ich mich wie der älteste Spieler der Liga bewege“, so Darden.

Wandervogel in der Basketball-Welt

Den 1,94 Meter großen Forward kann man getrost einen Wandervogel nennen. Die Trikots von 15 Profivereinen in neun Ländern hat er bereits getragen. „Ich hatte viele Möglichkeiten, länger zu bleiben, habe aber immer nach dem höchsten Level gestrebt“, begründet Darden seine Vereinswechsel. Das höchste Level, das war für den US-Amerikaner wie für die meisten Basketballer die NBA. „Mir war immer klar: Wenn ich es nicht in die NBA schaffe, dann will ich für Real Madrid spielen“, sagt er über seinen Traum, der 2013 in Erfüllung ging. Bis 2014 lief er für die Königlichen auf, wurde spanischer Meister, Pokalsieger und holte den Supercup. „Das war der Höhepunkt meiner Karriere“, blickt Darden mit einem weinenden Auge zurück. Denn auf die Frage, ob er einen seiner vielen Schritte in der Basketball-Karriere bereue, ist der 39-Jährige mit sich im Reinen – eigentlich. „Wenn es einen Ort gab, an dem ich länger hätte bleiben sollen, war es Madrid.“ Doch einen Zweijahresvertrag bei den Spaniern schlug er 2014 aus, „vielleicht wegen meines Egos“.

Die Entscheidung passt zur Karriere des Wandervogels. Bei keinem Team – ob in der Türkei, in Belgien, Australien, Frankreich, Spanien, Litauen, Griechenland, Italien oder Deutschland – war der im kalifornischen Inglewood geborene Darden länger als zwei Jahre. Dass seine Reise allerdings nie auf das NBA-Parkett führte, beschäftigt ihn noch: „Ich würde lügen, wenn das nicht so wäre.“ Als Jugendlicher sei er lange unter dem Radar der Talentscouts geflogen, was den vorgezeichneten Weg über Topcolleges schwierig machte. So führte seine Reise über die Niagara University quer durch Europa, nach Australien und mittlerweile nach Ludwigsburg. Aber auch ein 39-Jähriger darf noch träumen. „So verrückt es klingt: Der Traum von der NBA ist immer noch irgendwo in meinem Hinterkopf – so lange, bis ich meine Schuhe an den Nagel hänge.“

Wann das sein wird, weiß Darden noch nicht. „Wenn ich noch ein Jahr bekomme, wäre das wundervoll“, sagt er. „Aber womöglich sehen meine Kinder mich im letzten Jahr meiner Karriere.“ Sein ältester Sohn ist mit 14 Jahren nur drei Jahre jünger als sein Mannschaftskamerad Jacob Patrick. Von 2005 bis 2018 war seine Familie bei jeder seiner Stationen dabei. „Man vergisst schnell, wie viel das wert sein kann“, sagt Darden über die Unterstützung seiner Frau und seiner mittlerweile drei Söhne, die mit ihm zusammen nach Ludwigsburg gezogen sind.

Im Riesen-Team nimmt er weiterhin eine Mentorenrolle ein. „In den letzten Jahren wurde mein Wort immer von Spielern und Trainern respektiert“, sagt Darden. Als „hoop and help“ („spielen und helfen“) bezeichnet er seinen Einfluss. „Ich versuche immer noch das Beste aus mir rauszuholen“, sagt Darden und verweist auf sein Oberarm-Tattoo, das einen Basketball mit aufgesetzter Krone zeigt. „Ein König sein in dem, was man tut“, bedeute das. „Vielleicht sogar mal ein besserer Trainer als Spieler“, kündigt er an. Bis das allerdings so weit ist, wird er sich zunächst auch gegen Bamberg noch mit den „jungen Kerlen“ messen.