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Basketball

Die gefühlte Niederlage macht Mut

Charaktertest bestanden! Die Riesen zeigen gegen Bamberg, was in der neu zusammengestellten Mannschaft steckt. Dabei besinnen sie sich auf Tugenden des Teams, das letzte Saison zur Vizemeisterschaft marschierte. Dennoch hinken manche Spieler weiterhin den Erwartungen hinterher.

Gemischte Gefühle: Topscorer Barry Brown (rechts) ist sichtlich geknickt, während Jaleen Smith (links) trotz des Ausscheidens im BBL-Pokal schon wieder lachen kann. Foto: Eibner
Gemischte Gefühle: Topscorer Barry Brown (rechts) ist sichtlich geknickt, während Jaleen Smith (links) trotz des Ausscheidens im BBL-Pokal schon wieder lachen kann. Foto: Eibner

Ulm/Ludwigsburg. Wären am Sonntagabend Zuschauer in der Ratiopharm Arena in Ulm gewesen, hätten sich die MHP-Riesen Ludwigsburg sicherlich unter stehenden Ovationen aus der Halle verabschiedet. Grund dafür wäre nicht nur die mitreißende Leistung beim 99:72-Sieg gegen Brose Bamberg im letzten Spiel der GruppeC des BBL-Pokals, sondern auch die Schützenhilfe, die die Gelb-Schwarzen für die Ulmer Lokalmatadoren leisteten. Denn die Ulmer zogen dank des Ludwigsburger Sieges ins Top Four ein. Den Riesen fehlten am Ende fünf Punkte, um das kleine Basketballwunder zu vollbringen und das Pokalabenteuer 2020 zu verlängern.

Doch am Sonntagabend war die Halle leer. Während die Ulmer Heimspiele bis zu 600 Fans besuchten, schaute sich kein einziger Zuschauer – mit Ausnahme des Ulmer Teams um Routinier Per Günther – die Partie zwischen den Riesen und dem früheren Serienmeister aus Bamberg in der Arena an. So waren es die Riesen selbst, die sich nach Spielende Anerkennung schenkten: Noch bevor Trainer John Patrick das Wort ergreifen konnte, standen die Spieler in einem Kreis auf dem Parkett und applaudierten sich untereinander zu.

Unter der Geisteratmosphäre hatte sich das Ludwigsburger Team zuvor – anders als noch am Samstag bei der 72:92-Klatsche gegen die Ulmer – auf Tugenden besonnen, die sie schon beim Finalturnier der vergangenen Bundesligasaison in München stark machten. „Wenn es keine Zuschauer gibt, muss die Atmosphäre von unserer Bank kommen. Der Enthusiasmus war sehr gut heute“, sagte Patrick.

Bereits beim Aufwärmen erinnerten die Ludwigsburger Spieler von der Lautstärke schon an das Team, das beim ebenfalls zuschauerlosen Finalturnier in München mit der Vizemeisterschaft begeisterte.

Jaleen Smith wächst in seine Führungsrolle hinein

Auch wenn es für das Weiterkommen im BBL-Pokal nicht gereicht hat, macht das Pokalturnier den Gelb-Schwarzen Mut. So bewies Jaleen Smith bereits gegen Ulm, dass er im zweiten Jahr im Ludwigsburg-Jersey das Zeug zum Führungsspieler hat. „Er ist sehr fit. Wir brauchten Jaleen auf dem Feld, um überhaupt zu funktionieren. Hoffentlich können aber auch andere Spieler diese Rolle einnehmen“, hatte Patrick noch nach der Ulm-Pleite gefordert.

Tags darauf gegen Bamberg sorgten mehrere Spieler für Smiths Entlastung. Allen voran der 23 Jahre alte Barry Brown Jr., der nahezu jeden Ball im Korb versenkte, der ihm in die Finger kam und am Ende 30Zähler auflegte. Auch Routinier Tremmell Darden zeigte, dass er trotz seiner 38Jahre eine echte Verstärkung sein kann. Von Beginn an auf dem Feld, leistete er sich keinen einzigen Fehlwurf und kam auf 14 Punkte.

Darden, Brown und Co. haben den von Patrick nach der Ulm-Pleite geforderten Charaktertest bestanden. „Das war peinlich. Man kann nach Ausreden suchen, oder zeigen, wie man wirklich ist“, hatte er entschlossen an seine Mannschaft appelliert, aber auch Kritik an einigen Spielern geäußert. „Das Problem ist, dass noch nicht alle Spieler so fit sind“, so Patrick, ohne dabei einen Spieler beim Namen zu nennen.

Von den vielen Ludwigsburger Neuzugängen traten bislang die US-Amerikaner Andrew Warren und Desi Rodriguez am wenigsten in Erscheinung. Gegen Bamberg standen beide jeweils nur etwa zwei Minuten auf dem Feld. Gegen Ulm nutzte Rodriguez seine knapp 15 Minuten Spielzeit kaum, um aufzufallen. Warren kam in fünf Minuten zu null Punkten und einem Rebound. Beide Spieler nehmen trotz ihres bislang geringen Einflusses auf das Spiel zwei der begrenzten Kaderplätze für ausländische Athleten ein. Bereits vor dem BBL-Pokal hatte Trainer Patrick allerdings angekündigt, die Kaderplanung der Riesen sei abgeschlossen.

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