Logo

Basketball

Emanga ist bereit für das Abenteuer

Basketballer Quirin Emanga zieht es in die USA, um sich den Traum vom College zu verwirklichen. Der Spieler der MHP-Riesen ist vorbereitet auf das Abenteuer – auch dank dem, was er in Ludwigsburg gelernt hat.

350_0900_22805_Bitte_freistellen_Spieler_mit_Ball_danke_.jpg

Ludwigsburg. Quirin Emanga Noupoue derzeit in Ludwigsburg über den Weg zu laufen, ist kaum möglich. Zwar lebt der Basketballprofi des Bundesligisten MHP-Riesen Ludwigsburg noch in Marbach, zuletzt war er aber häufiger im Ausland anzutreffen als in seiner Heimatstadt. Erst in dieser Woche kam er von einem Turnier mit der U-20-Nationalmannschaft aus Italien zurück, heute reist er zu einem Vier-Nationen-Turnier nach Spanien weiter. Am 25. Juli geht es dann endgültig weg: ein Stipendium in den Vereinigten Staaten ermöglicht es dem 18-Jährigen, seine Karriere an einem US-College voranzutreiben.

Hintergrund
College-Sport in den USA

Der Großteil der Sportprogramme der Colleges und Universitäten in den USA ist über die National Collegiate Athletic Association (NCAA) organisiert. Die NCAA unterteilt ihre Colleges in drei Divisionen. Die Division 1 ist dabei die höchstmögliche.

Voraussetzung, um in einer der NCAA-Divisionen antreten zu dürfen, ist neben dem Erbringen akademischer Leistungen der Amateurstatus des Athleten. Wegen diesem ist es den Spielern untersagt, für ihren Sport Geld zu verdienen. Zudem dürfen Sportler auch bei keinem anderen Verein vor ihrer College-Zeit als Profi angestellt gewesen sein. Kritik erntete die NCAA in der Vergangenheit, da sie zwar den College-Athleten verbietet, Geld für ihren Sport zu verdienen, gleichzeitig aber durch die Vermarktung des beliebten Universitätssports enorm viel Geld erwirtschaftet. (pb)

„Es war mein Traum, seit ich 14 bin“, sagt Emanga über den Umzug nach Übersee, „seit zwei Jahren war es dann mein Ziel“. Dafür ist er bereit, sein Leben in Ludwigsburg aufzugeben. „Es ist schwer, alles hinter sich zu lassen, und sicher nicht einfach, ein neues Leben anzufangen“, gibt er mit ein wenig Wehmut zu, stellt aber klar: „Zweifel habe ich keine.“

Es ist schwer, alles hinter sich zu lassen, und sicher nicht einfach, ein neues Leben anzufangen. Aber Zweifel habe ich keine.

Quirin Emanga
Basketballer

Für Bostons Northeastern University wird „Kiwi“ in der Division 1 auf Korbjagd gehen. Dafür erhält er ein Vollstipendium, das Unterkunft, Verpflegung, Studiengebühren und ein Taschengeld abdeckt. Geld verdienen darf er als College-Sportler in den USA nicht. Stattdessen erwarten ihn zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag und zwei Spiele in der Woche – neben dem normalen Uni-Alltag. Lernen muss er dann häufig von unterwegs, auf Fahrten und Flügen zu den Spielen. „Die akademischen Leistungen werden von der NCAA vorgegeben“, erklärt Emanga über den Verband, über den die Sportprogramme an den US-Colleges organisiert sind.

Dennoch bestanden keine Zweifel daran, dass er den Weg in die Staaten gehen möchte. Zusammen mit den Co-Trainern der Riesen, David Gale und Josh King, hat er nach passenden Colleges gesucht. „Die beiden haben ihre Kontakte spielen lassen“, erzählt Emanga. Die Riesen-Coaches haben daraufhin Highlight-Videos von Emanga sowie dessen körperliche Maße an Talentscouts gesendet. Offensichtlich mit Erfolg.

Doch nur für den Sport zieht es Emanga nicht in die USA. „Für mich und meine Mutter war wichtig, auch eine gute akademische Ausbildung zu bekommen“, sagt Emanga, der trotz seines jungen Alters sehr reif und keineswegs blauäugig wirkt. In drei bis vier Jahren, so der Plan, möchte er dann ein Bachelorzeugnis in den Händen halten. In der gleichen Zeit soll aber auch der Grundstein für eine große Basketballkarriere gelegt werden. „Langfristig will jeder Basketballer NBA oder Euroleague spielen“, gibt Emanga zu.

Auf dem Weg dorthin möchte er seine Fähigkeiten um die US-amerikanischen Tugenden erweitern. „Amerikansicher Basketball ist fast ein anderer Sport“, erzählt Emanga. In Europa werde viel mehr Wert auf Taktik gelegt, in den USA gehe es dagegen physischer und athletischer zur Sache. „Die spielen mit enormem Selbstbewusstsein, oft ohne viel nachzudenken“, sagt Emanga, ohne das despektierlich zu meinen. „Das ist vielleicht eine Schwäche von mir: Ich muss weniger denken, will impulsiver spielen“, sagt er.

Wenn er sich an das US-amerikanische Spiel anpasse, habe er einen großen Vorteil. „Weil Ludwigsburg bekannt für seine Defensive ist, weiß ich viel, was andere nicht lernen werden“, ist sich der Shooting Guard mit kamerunischen Wurzeln sicher.

Die harte Verteidigung ist ein Markenzeichen von Riesen-Trainer John Patrick. Gewehrt hatte sich der Coach ohnehin nicht, als er von Emangas College-Plänen erfuhr. „Er stand die ganze Zeit hinter mir. Er wusste, dass das mein Traum ist, und hat mir auch noch Tipps gegeben“, erzählt der in Frankreich geborene Emanga, der in Karlsruhe aufwuchs, mit elf Jahren nach Ludwigsburg kam und dort mit 17 sein Bundesligadebüt feierte. Nun folgt also sein nächster großer Schritt, vor dem er offensichtlich keine Angst zu haben scheint. „Eher Vorfreude“, sagt er mit strahlenden Augen. „Ich bin ja gut darauf vorbereitet, so lange, wie ich schon davon träume.“

Autor: