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Basketball

Emanga plant den nächsten Schritt

Quirin Emanga ist vielleicht das größte Basketball-Talent, das die MHP-Riesen Ludwigsburg jemals hervorgebracht haben. Doch seine Tage in der Barockstadt sind gezählt. Der 18-Jährige wird zur nächsten Saison an ein US-College wechseln.

Lernwillig: Quirin Emanga (rechts) im Gespräch mit Trainer John Patrick. Foto: Baumann
Lernwillig: Quirin Emanga (rechts) im Gespräch mit Trainer John Patrick. Foto: Baumann

Ludwigsburg. uirin Emanga erfüllt derzeit einen großen Traum der Ludwigsburger Basketball-Fans. Einen Spieler aus der eigenen Jugend, der sich nahtlos in der Bundesliga-Mannschaft einfügt und sogar eine Verstärkung ist, haben sich die Anhänger lange gewünscht. Und Emanga liefert. Während die Riesen bisher enttäuschen, ist der Nachwuchsmann eine der wenigen positiven Überraschungen.

„Ich hätte vor der Saison nicht mit so viel Spielzeit gerechnet. Es kam alles sehr plötzlich“, sagt Emanga selbst über seinen Karrieresprung. Er profitierte von den Verletzungen David McCrays und Konstantin Kleins. Unaufgeregt, fokussiert und mit großer Hingabe fegt Emanga seit seinem Einsatz in der Champions League am 21. November beim 76:74-Sieg bei Nizhny Novgorod über das Parkett.

Zuletzt gehörte er fest zur Rotation der Profi-Mannschaft. In fünf Champions-League-Einsätzen kam er auf durchschnittlich 12,5 Minuten Spielzeit, in der Liga sind es 10,5 Minuten in sechs Spielen.

„Ich habe mich der Herausforderung gestellt und gezeigt, dass ich auf diesem Level spielen kann. Das fühlt sich echt gut an“, sagt der 1,93 Meter große Modellathlet, der vor allem in der Defensive überzeugt und sich gut an das Niveau im Männerbereich gewöhnen konnte. „Die Physis und Athletik sind der größte Unterschied. Es sind einfach erwachsene Männer und keine Jugendlichen“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Auch menschlich scheint Emanga dem Geschäft gewachsen. Allein durch seine Größe und seine muskulöse Statur wirkt er älter. Auf Fragen antwortet er überlegt, ohne eine Spur der Überheblichkeit.

Jedoch läuft längst nicht alles perfekt. Bei der 68:73-Niederlage am Mittwoch gegen Le Mans wurde er wenige Sekunden vor Ablauf der Angriffszeit angespielt. Der junge Athlet hätte einen freien Dreipunktewurf abgeben können. Stattdessen zögerte er und spielte zu Lamont Jones, der den Ball nicht mehr verwerten konnte. Sofort blickte Emanga ehrfürchtig zu Trainer John Patrick und hob entschuldigend den Arm. Angesichts seiner bisherigen Leistungen verzeiht Patrick solche Fehler. „Ich kenne ihn, seit er zwölf ist. Er hat sich enorm entwickelt in den letzten sechs Monaten“, lobt Patrick.

Aber so groß die Freude über ein Eigengewächs wie Emanga sein mag, sie wird nicht von Dauer sein. In der nächsten Saison will der Sohn Kameruner Eltern ein Studium der internationalen Betriebswirtschaftslehre in den USA beginnen. In einer College-Mannschaft soll der nächste Schritt gelingen. „Die Coaches hier in Ludwigsburg helfen mir. Mittlerweile habe ich drei offizielle Angebote“, sagt er.

Chicago, Quinnipiac und Northeastern (Boston) stehen zur Wahl. Neue Anfragen gibt es laut Patrick täglich. Auch die Elite-Uni Stanford, dessen Programm der Trainer selbst durchlief, habe Interesse. Patrick bekräftigt: „Das ist sein Ziel und wir sind begeistert, dass er nicht nur Basketball, sondern auch ein Studium in den USA schaffen kann.“ Bis Ende April muss sich Emanga entscheiden. Vorher will er sich vor Ort die jeweiligen Begebenheiten anschauen.

Dabei ist das gar nicht so einfach. Neben der Profi-Mannschaft ist „Quiwi“ auch für das NBBL-Team in der U 19-Bundesliga und die Regionalliga-Mannschaft im Einsatz. Zudem arbeitet er seit seinem Abitur im Sommer als Aushilfe in der Geschäftsstelle. „Von Kleinigkeiten wie Passbilder ausschneiden und auf den Spielerpass kleben bis zu Camps und Turnierfahrten mitorganisieren“, beschreibt er seine Aufgaben. Ansonsten konzentriert er sich voll auf den Basketball. Dabei will Emanga auch Vorbild sein. „Ich versuche, für unsere Jugendspieler Ansporn zu sein, dass sie sehen, dass es möglich ist, von der NBBL sich direkt in der Bundesliga zu etablieren.“

Im elsässischen Wissenbourg geboren, begann er mit fünf Jahren in Karlsruhe mit dem Basketball. Als seine Eltern nach Marbach zogen, spielte er dort ein halbes Jahr, ehe er nach Ludwigsburg wechselte. Hier durchlief er die Jugendteams und wurde mit der U 16 deutscher Meister. Bei der U 19 ist er laut Trainer David Gale nun der wichtigste Spieler. „Er zeigt den Jüngeren, was es heißt, Profi zu sein. Dabei ist er selbst noch ein Kind.“ Wohin sein Weg führt, ist für ihn klar: „Quiwi hat alle Werkzeuge, um es auf einem US-College zu schaffen.“ Gale spielte selbst in der College-Liga. „Er wird das gut machen.“

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