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Basketball

Harris hat von den Großen gelernt

Die Arbeitsethik hat er sich bei Kobe Bryant abgeschaut, die Erfahrung in der Bundesliga gesammelt: Elias Harris traut seinen Riesen vor dem Spiel gegen Bonn einiges zu.

Elias Harris trifft morgen mit den MHP-Riesen auf die Telekom Baskets Bonn. Foto: Baumann
Elias Harris trifft morgen mit den MHP-Riesen auf die Telekom Baskets Bonn. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Zwischen Freiwürfen und Krafttraining nimmt sich Elias Harris für ein Gespräch Zeit – als müsse der Basketball-Profi des Bundesligisten MHP-Riesen Ludwigsburg noch bestätigen, was ihm sein Trainer unter der Woche bescheinigte. „Von ihm war ich noch einmal positiv überrascht. Seine Bodycare, was er isst, wie er sich verhält und trainiert – das sind alles großartige Dinge“, sagte John Patrick bei Magentasport über seinen Center. „Ich versuche, 50 Freiwürfe pro Einheit in der Halle zu nehmen“, sagt der 31-jährige Harris in seiner kurzen sportlichen Pause während eines freiwilligen Trainings der Riesen in der Woche vor der Partie morgen bei den Telekom Baskets Bonn (15 Uhr).

Was Trainingsethik angeht, konnte Harris in seiner Karriere von den ganz Großen des Basketballsports lernen. Zwei Spiele machte er für die Los Angeles Lakers in der NBA und erfüllte sich damit seinen Basketballtraum. „Die kurze Zeit bei den Lakers war augenöffnend. Da habe ich den Arbeitswillen von Steve Nash oder Kobe Bryant gesehen“, schwärmt er von den beiden Routiniers im gelb-lilafarbenen Lakers-Trikot. „Kobe hat sich immer den Allerwertesten aufgerissen, obwohl er verletzt war und es nach all seinen Erfolgen hätte gemütlich angehen lassen können“, sagt Harris über Bryant, der im Januar bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam.

Während Bryant seine NBA-Karriere ausschließlich bei den Lakers verbrachte, trug der deutsche Nationalspieler Harris immerhin sieben Jahre das Trikot von Brose Bamberg und holte in dieser Zeit drei Meisterschaften. Zuletzt war er sogar Kapitän, ehe das Kapitel Bamberg vor dieser Saison unschön endete. Aufsichtsratschef Michael Stoschek hatte Harris öffentlich vorgeworfen, während der Coronakrise einem 50-prozentigen Gehaltsverzicht – anders als der Rest des Kaders – nicht zuzustimmen. Der Vorwurf sei „inhaltlich falsch“, sagte Harris daraufhin. Mittlerweile möchte er überhaupt nicht mehr über das Thema sprechen. „Das Ganze beurteile ich für mich und nicht über die Presse“, sagt er und redet lieber über die neue Basketball-Heimat Ludwigsburg.

Dort finde er „simplere Strukturen“ vor. Man habe in der Barockstadt keine Sauna, kein Schwerelosen-Laufband, keinen in eine 24 Stunden zugängliche Halle integrierten Kraftraum. „Das sind Nuancen, die ich merke. Aber am Ende des Tages spielen wir auch hier guten Basketball“, sagt Harris. Im direkten Duell mit dem Brose-Team gewannen die Ludwigsburger im BBL-Pokal sogar deutlich mit 99:72.

Mit 19 erstmals auf sich gestellt

Ohnehin kennt sich Harris mit Tapetenwechseln aus. Mit 19 ging er an die Gonzaga University im Bundesstaat Washington. „Eben war ich noch im Hotel Mama und dann stand ich auf einmal in den USA auf eigenen Beinen“, blickt er zurück, wenngleich er von den Dimensionen in den Staaten überwältigt worden sei.

Grund für seinen Wechsel in die USA waren damals allerdings nicht ein in die Umkleide integriertes Kino oder der Whirlpool, was er beides in Gonzaga vorfand, sondern die fehlende Perspektive in Deutschland. „Bei mir hatten sich die Bilder eingebrannt, wie deutsche Nachwuchstalente auf der Bundesligabank versauerten“, so Harris über die Zeit, in der es die 6-plus-6-Regel in der Basketball-Bundesliga noch nicht gab. Mittlerweile sind maximal sechs Ausländer pro Team erlaubt. Laut Harris „ein sehr guter Schritt“. Das spiegelt sich auch im Kader der Riesen wider, in dem junge Talente in den bisherigen Spielen der Ludwigsburger viel Zeit auf dem Parkett bekamen. „Wir haben eine gute Mischung aus jungen Spielern und Veteranen“, sagt Harris, der sich mit Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann auf der Center-Position abwechselt und damit eine Riesen-Baustelle unter dem Korb aus der letzten Saison schließen konnte.

Harris windet sich zwar – wie beinahe alle Riesen bei dieser Frage – um das Ausrufen eines Saisonziels. Dennoch lässt er zumindest durchblicken, dass er den Gelb-Schwarzen einiges zutraut. „Es gab schon viele erfolgreiche Mannschaften, von denen man das nicht erwartet hätte. Das hat immer mit einer Siegeswelle angefangen und mit Spaß im Training. Wenn man gewinnt, fällt alles leichter“, sagt Harris. Womöglich reitet sein Team ab morgen gegen die Bonner auf einer Siegeswelle, nachdem man das erste Saisonspiel gegen Göttingen bereits deutlich gewann.

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