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Christian Von Fintel

Harter Arbeiter im Dienst der Riesen

Christian von Fintel nimmt auf dem Basketballfeld bei den MHP-Riesen Ludwigsburg nur eine Randrolle ein. Im Bundesligaduell am Sonntag um 15 Uhr in Frankfurt könnte er etwas länger spielen. Er ist aber unabhängig von seinen Einsatzzeiten ein wichtiger Teil des Teams.

Christian von Fintel. Foto: Baumann
Christian von Fintel. Foto: Baumann
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Ludwigsburg. Nach der Länderspielpause geht es für die MHP-Riesen Ludwigsburg am Sonntag in der Basketball-Bundesliga weiter. Der Tabellenzweite tritt um 15 Uhr bei den Fraport Sykliners um den ehemaligen Ludwigsburger Lamont Jones an. „Frankfurt ist immer ein unangenehmer Gegner. Für mich ist es überraschend, dass sie dort stehen, wo sie stehen“, sagt Riesen-Spieler Christian von Fintel über den kommenden Gegner, der in der Tabelle auf Platz 14 rangiert.

Der 29-Jährige spielt seine zweite Saison in Ludwigsburg. In bisher neun Saisoneinsätzen kam der Guard dabei auf nur durchschnittlich 3:29 Minuten Einsatzzeit. „Natürlich ist es nicht mein Anspruch, auf der Bank zu sitzen, spielerisch ist es gerade schwierig. Aber das gehört zum Geschäft“, fasst er seine Situation zusammen. Wichtig für die Mannschaft ist er dennoch, wie Coach John Patrick betont. „Er ist ein unglaublich harter Arbeiter und ein positiver Mensch.“

Besonders die vielen jungen Talente sehen in von Fintel ein Vorbild, erklärt Patrick: „Was er erreicht hat, hat er durch seine Einstellung und Arbeitsmoral erreicht. Keiner arbeitet härter als Chris von Fintel.“ Der Vater zweier Kinder trainiert regelmäßig zusätzlich zum Mannschaftstraining individuell in der Halle. Für ihn gehört das dazu: „Ich liebe, was ich mache, deswegen ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, Sonderschichten zu schieben.“ Auch er selbst sieht sich als Bezugsperson für die aufstrebenden Jugendlichen wie Ariel Hukporti, Lukas Herzog, Johannes Patrick oder Radii Caisin. „Ich versuche, hier und da zu helfen. Es ist ein Geben und Nehmen, eine Mischung zwischen Freund und Mentor“, erklärt von Fintel und versichert, auch deutlich werden zu können: „Ich sage die Dinge geradeaus ins Gesicht, aber es gibt auch Grenzen, die Spieler sind alle alt genug.“

Denn dem 1,90-Meter großen Verteidigungsspezialist wurde kein überragendes Talent in die Wiege gelegt, er hat sich seinen Traum vom Profidasein hart erarbeitet. In seinem Heimatort Bad Salzungen in Thüringen gründete er gemeinsam mit Freunden, als er 15 Jahre alt war, die Basketball- abteilung des örtlichen Sportvereins. Zuvor hatte er Fußball gespielt, Basketball nur sporadisch oder im Schulunterricht. In der U 16-Thüringenliga machte er auf sich aufmerksam und bekam dadurch einen Platz im Sportinternat. Seit dieser Zeit stand für ihn die Profikarriere als großes Ziel fest. „Einfach war es nicht“, betont der leidenschaftliche Kaffeeliebhaber.

Mit 16 Jahren ließ er am Internat seine Heimat hinter sich, machte nach dem Abitur in Bonn seinen Zivildienst und spielte nebenbei bei den Dragons Rhöndorf in der Pro B. Dabei gelang ihm vor zehn Jahren der Durchbruch, als er mit den Rhöndorfen Meister wurde und in die Pro A aufstieg. Mit im Team stand auch sein heutiger Mannschaftskamerad, Riesen-Center Jonas Wohlfarth-Bottermann. „Die Chance, dass ich Profi werde, war gering, aber ich habe nur diesen einen Weg gesehen“, sagt von Fintel, dessen Name nicht in direkter Linie mit einem Adelsgeschlecht zu tun hat. Er besitzt weder Schlösser, noch Ländereien: „Ich bin in normalen mittelständischen Verhältnissen aufgewachsen.“

Es folgten die Stationen Mitteldeutscher BC (Bundesliga), USC Heidelberg und White Wings Hanau (beide 2. Liga) ehe von Fintel im Sommer 2018 in Ludwigsburg gelandet ist. Ein Glücksfall: „Ludwigsburg war immer ein Team, zu dem ich niemals nein gesagt hätte. Der intensive Spielstil hat mir immer gefallen.“

Von Fintel zeichnet selbst der hohe Einsatz auf dem Feld aus, wie Trainer Patrick analysiert: „Wenn du nicht bereit bist und du kommst gegen von Fintel, dann verlierst du, denn er ist immer zu 100 Prozent engagiert.“ Von Fintel empfindet die Art des defensivorientierten Basketballs als schön, versichert er: „Andere finden das dreckig, ich finde es cool.“

Er und seine Familie fühlen sich auch in der Stadt Ludwigsburg wohl, sein Vertrag läuft jedoch nach der Saison aus. „Für uns ist es super hier. Aber wir müssen schauen, ob es spielerisch noch passt. Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir eine Einigung finden.“ Zunächst liegt allerdings der Fokus auf dem Duell mit Frankfurt, wo von Fintel möglicherweise mehr Minuten als gewöhnlich bekommen könnte, denn der Gegner ist nicht nur in der unteren Tabellenregion unterwegs, sondern hat auch Verletzungssorgen. Unterschätzen dürfe man die Skyliners dennoch nicht, wie Patrick betont: „Frankfurt hat viele Spiele in den letzten Minuten verloren. Bayern hatten sie am Rande einer Niederlage.“ Die Spielpause empfand Patrick nicht als störend: „Wir konnten die jungen Spieler gut einbinden, vor allem weil auch noch Faschingsferien waren.“

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