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Basketball

Identitätsverlust zur Unzeit: Enttäuschte MHP-Riesen Ludwigsburg nach Basketball-Champions-League-Aus gegen Baxi Manresa

Ausgerechnet in einem der wichtigsten Spiele der Vereinsgeschichte versagen den MHP-Riesen Ludwigsburg gegen Baxi Manresa die Nerven. Ob Freiwürfe oder Korbleger – in kaum einer Situation erinnern die Gelb-Schwarzen im Halbfinale des Final Four der Champions League an ihre bisherige Klasse.

Mit vollem Einsatz dabei, aber letztlich glücklos: Riesen-Forward Justin Simon (Mitte). Foto: BCL
Mit vollem Einsatz dabei, aber letztlich glücklos: Riesen-Forward Justin Simon (Mitte). Foto: BCL

Bilbao. Jordan Hulls, Tekele Cotton und Ethan Happ dehnten sich auf dem Parkett vor leeren Rängen in der Bilbao Arena. Nur durch den dumpfen Klang aus der Ferne war noch zu erahnen, welchem Lärm dieses Trio der MHP-Riesen Ludwigsburg am Freitagabend in den drei vorangegangenen Stunden ausgesetzt gewesen waren. Denn vor der Bilbao Arena hörte man die Fans von Baxi Manresa auch noch um kurz vor Mitternacht feiern, singen und klatschen. Das Riesen-Trio diskutierte währenddessen offensichtlich über die Gründe für die 55:63-Niederlage im Halbfinalspiel des Champions-League-Final-Four.

Dabei waren diese beim einfachen Hinschauen klar: „Wir haben so viele Korbleger vergeben“, haderte etwa Guard Jonah Radebaugh über die teilweise unerklärlichen Fehlwürfe im Spiel gegen die Spanier. Nur 20 ihrer 70 Würfe aus dem Feld fanden ihren Weg in den Korb, selbst von der Freiwurflinie wollte nur knapp jeder zweite Versuch rein. Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann schnaufte in der Mixed Zone der Bilbao Arena tief durch: „Es ist schwer, in Worte zu fassen. Wir haben offensiv einen rabenschwarzen Tag erwischt.“ Und das zur Unzeit. Denn das Spiel gegen Manresa war eines der größten der Vereinsgeschichte. Rund 8000 Fans in der Bilbao Arena sorgten für eine mitreißende Stimmung. Doch der Traum vom Finale zerschellte, wie bereits 2018 in Athen. „Wir hatten eine Chance, aber haben sie nicht genutzt“, ärgerte sich Radebaugh. „Vielleicht hat sich heute unsere fehlende Erfahrung gezeigt. Wir sahen ein bisschen verkrampft aus“, sagte indes Trainer John Patrick.

Gefühltes Auswärtsspiel auf neutralem Grund

Dass die Partie auf offiziell neutralem Terrain für die Ludwigsburger ein gefühltes Auswärtsspiel war, wollten die Riesen-Spieler nicht als Ausrede für die eigene Leistung gelten lassen. „Das würde ich nicht sagen. Wir haben auch in Cluj vor 10000 Zuschauern gespielt und gewonnen“, verwies Guard Lukas Herzog auf den Viertelfinal-Triumph in Rumänien. „Es war nicht das erste Mal, dass wir vor so lautem Publikum gespielt haben“, sagte auch Radebaugh.

Dennoch: Gerade für Manresa wurde die Atmosphäre zu einem großen Faktor in der Bilbao Arena. Das eigentlich offensivstarke Team passte sich hervorragend an den defensiv geprägten Ludwigsburger Stil an. Die Partie war so, mit Ausnahme einzelner kraftvoller Dunks, sicherlich kein Basketball-Leckerbissen. „Wir können verschiedene Stile spielen. Dass wir dieses Match gewonnen haben, ist unglaublich“, freute sich Manresa-Forward Chima Moneke. Aus der sechs Autostunden von Bilbao entfernten Stadt in Katalonien ist der gebürtige Nigerianer eine solche Stimmung im Liga-Alltag gewohnt. „Es ist irgendwie normal für uns mittlerweile und trotzdem nehmen wir das begeistert an. Sie sind die besten Fans in Europa, das habe ich schon oft gesagt, und sie zeigen immer wieder, warum das so ist“, sagte Moneke und zollte den Riesen Respekt: „Sie sind ein großartiges Team aus einem guten Grund.“

„Weiß nicht, wo wir unsere Souveränität verloren haben“

Doch der Ludwigsburger Mannschaft fehlte am Freitag schlicht die Durchschlagskraft und Konsequenz im Angriff. Dabei hatten die Riesen in dieser Saison schon so oft bewiesen, in entscheidenden Momenten die Ruhe zu bewahren. „Wir haben in der zweiten Hälfte unsere Identität verloren“, ärgerte sich Justin Simon bei der Pressekonferenz nach dem Spiel und suchte nach Erklärungen. „Zwei tolle Teams, eine klasse Atmosphäre, aber, man, wir haben es nicht geschafft“, schüttelte er mit gesenktem Oberkörper den Kopf. „Ich weiß nicht, wo wir unsere Souveränität verloren haben“, bemerkte auch Radebaugh.

Nun geht es für die Ludwigsburger im Spiel der Enttäuschten am Sonntag (17 Uhr) gegen Hapoel Holon um den dritten Platz. Die Israelis hatten vor dem Spiel der Riesen gegen Lenovo Teneriffa mit 71:78 verloren. „Ich glaube, jetzt gerade hat man da keine Lust drauf, weil jeder sich was anderes ausgemalt hatte“, sagte Wohlfarth-Bottermann unmittelbar nach der Schlusssirene auf dem Weg in die Kabine. Diese Stimmung legte sich aber schnell. Schon vor der Rückfahrt des Mannschaftsbusses ins Teamhotel sagte Herzog: „Jetzt wollen wir aufs Treppchen kommen.“

Für Manresa geht es dagegen im spanischen Duell mit Teneriffa um den Titel. Moneke, das versicherte er in der Mixed Zone der Bilbao Arena, hatte das bereits geahnt: „Ich habe es im Februar gesagt: Wir werden im Finale gegen Teneriffa spielen, ich habe es gewusst“, sagte er und konnte die nächste rot-weiße Party in Bilbao kaum erwarten: „Wir werden bereit sein.“

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