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Basketball-Bundesliga

John Patrick kritisiert nach Pleite der MHP-Riesen bei Alba Berlin die Schiedsrichter

Die MHP-Riesen Ludwigsburg kommen bei Alba Berlin im zweiten Halbfinalspiel unter die Räder. Coach Patrick kritisiert danach die Schiedsrichter – nicht zum ersten Mal, wenn es in einer Serie gegen den Hauptstadt-Club geht.

Physischer Schlagabtausch: Ludwigsburgs Jonas Wohlfarth-Bottermann (links) zieht gegen Albas Ben Lammers zum Korb. Foto: Baumann
Physischer Schlagabtausch: Ludwigsburgs Jonas Wohlfarth-Bottermann (links) zieht gegen Albas Ben Lammers zum Korb. Foto: Baumann

Berlin. Mit nüchternem Blick stand John Patrick in der Berliner Mercedes-Benz-Arena vor der Werbewand des TV-Senders Magentasport, mit dem Statistikbogen in der Hand und offensichtlich bereit, nach der 76:100-Niederlage seiner MHP-Riesen Ludwigsburg bei Alba Berlin im zweiten Spiel der Best-of-five-Serie die zurückliegende Bundesliga-Partie zu analysieren. Doch der Trainer ging besonders auf eine Statistik ein, die ihm da auf dem Din-A4-Blatt ins Auge fiel – und die nur wenig mit der Leistung seiner Basketball-Mannschaft zu tun hatte. „Ich kann den Freiwurfunterschied nicht verstehen, es steht wieder 11:35“, äußerte der 54-Jährige Kritik am Schiedsrichtergespann um Robert Lottermoser: „Ich würde sagen, dass Alba viel physischer spielt als wir, wir aber keine Pfiffe bekommen“, so der frustrierte Patrick. Sein Team steht nach der erneuten Niederlage mit dem Rücken zur Wand. Eine weitere Niederlage am Freitag (19Uhr) im dritten Spiel der Serie in der MHP-Arena würde das Ludwigsburger Saisonende bedeuten. Alba stünde dann zum fünften Mal in Serie im BBL-Finale. Doch davon war am Sonntagabend kaum die Rede.

Denn schon mehrfach hatte Patrick in der Vergangenheit diese Thematik vor Spielen gegen den Favoriten aus Berlin zur Sprache gebracht. Auch vor vier Jahren, als die Riesen letztmals im Halbfinale der Basketball-Bundesliga-Play-offs den Hauptstädtern gegenüber standen. Damals warf Patrick nicht nur im Gespräch mit unserer Zeitung den Berlinern Flopping vor, also das gezielte Schinden von Fouls. Selbst in einer Pressemitteilung der Riesen wurde dieser Vorwurf gegen das Team des damaligen Star-Trainers Aíto García Reneses zitiert. Es wirkte schon 2018 eher wie eine Äußerung aus kalkül als eine emotionale Entgleisung. „Wir können viel besser spielen, aber es stört mich, dass der Freiwurfunterschied so groß ist“, wiederholte Patrick am Sonntag seine Sicht der Dinge.

Schon in Spiel eins, als Alba eine Partie auf Augenhöhe mit 89:84 für sich entschied, hatte Berlin 28 Freiwürfe bekommen, Ludwigsburg dagegen nur sechs. „Wir haben körperliche Vorteile, deshalb haben sie uns an die Linie schicken müssen“, sagte Ex-Riese Johannes Thiemann über die Größenvorteile seiner Berliner, die meist gegen eine viel kleinere Ludwigsburger Aufstellung agieren.

Louis Olinde mit 24 Punkten bester Scorer auf dem Parkett

Abgesehen von der einseitigen Foul-Statistik erinnerte am Sonntag im ersten Viertel wenig an Spiel eins der Serie. Denn Ludwigsburg traf schlecht aus der Distanz, reboundete dafür aber besser. Zudem agierten beide Teams in der Verteidigung konsequenter. So blieben die Riesen lange in Schlagdistanz. Nach toller Ballzirkulation versenkte James Woodard für drei zum 17:19. Erst danach zog Alba davon. Ein viertelübergreifender 9:0-Lauf, den Louis Olinde mit einen Distanzwurf aus der Ecke abrundete, brachte Berlin 28:17 in Front. Nach einem weiteren Olinde-Dreier nahm Patrick eine Auszeit (19:33). „Louis hat ein super Spiel gemacht“, zollte der Coach dem 24-Jährigen Respekt.

Alba Berlin zieht deutlich davon

Auch danach kam Alba zu einfach zu offenen Würfen. Ex-Riese Oscar da Silva stellte per Dreier auf 38:22. Ludwigsburg kam dagegen kaum zu einfachen Punkten. Immer wieder zwang Alba die Schwarz-Gelben zu schwierigen Mitteldistanzwürfen, die nur selten von Erfolg gekrönt blieben. Mit der Halbzeitsirene stellte da Silva auf 49:35.

Zwar kamen die Riesen mit vier Punkten in Serie aus der Kabine, doch die Antwort von Alba hatte es in sich. Nach einem 8:0-Lauf nahm Patrick eine weitere Auszeit. Das Spiel wurde zerfahrener. Unsportliche Fouls gegen die Ludwigsburger Johannes Patrick und Yorman Polas Bartolo waren die Folge. So setzten sich die Hauptstädter auf 68:44 ab und schalteten einen Gang zurück. Die Riesen wussten das zu nutzen, ohne ein Feuerwerk abzubrennen. Vor dem Schlussabschnitt kamen sie auf 14 Zähler heran (59:73).

„Wir fahren mit viel Selbstvertrauen nach Ludwigsburg“

Eine mögliche Aufholjagd wurde jedoch sofort ausgebremst. Der Titelverteidiger startete mit zwei Dreiern durch Tamir Blatt und da Silva in den Schlussabschnitt. „Wir haben einfach weitergezockt“, freute sich Topscorer Olinde (24 Punkte). Den Riesen, bei denen Justin Simon wegen Allergieproblemen nicht im Kader stand und der durch Ethan Happ ersetzt wurde, fehlten merklich Kraft und Konzentration, um noch einmal zurückzukommen.

„Wir werden das Video analysieren und hoffentlich unseren Heimvorteil nutzen“, sagte Patrick mit Blick auf das Spiel am Freitag in der MHP-Arena. „Wir fahren mit viel Selbstvertrauen nach Ludwigsburg. Aber dort wird es ein ganz anderes Spiel“, kündigte Olinde an.

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