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Basketball

Korbleger

Es war das Duell des Aufsteigers gegen den dominierenden BBL-Klub dieses Jahrzehnts. Rasta Vechta hatte vor dieser Saison eine BBL-Bilanz von acht Siegen gegenüber 58 Niederlagen. Nach den beiden vorherigen Aufstiegen war man jeweils sofort wieder abgestiegen. Bamberg dagegen feierte seit 2010 sieben Meisterschaften und fünf Pokalsiege. Zwar ging Vechta mit Heimrecht in die Serie, dennoch galt Bamberg als Favorit. Die Verletzungssorgen der Rastamänner waren (und sind) groß: Mit Seth Hinrichs, Clint Chapman und Tyrone Nash fielen drei große Spieler für die komplette Serie aus; Robin Christen und Michael Kessens konnten jeweils nur zwei Partien absolvieren. Und dennoch gewann Vechta die Serie nach vier mitreißenden Spielen. Wie konnte das gelingen?

Die simple Antwort lautet: Vechta agierte als Team, Bamberg nicht. Vechta gelang es, seine Spielweise den Bambergern aufzudrängen. Offensiv spielen sie mit viel Tempo. Mit T.J. Bray, Austin Hollins und Josh Young dominieren drei Akteure, die bisher in ihrer Karriere nicht annähernd ein solches Level erreicht hatten. Und obwohl Vechta in jeder der vier Partien nur mit sieben Spielern antrat, zog das Team seine intensive Verteidigung durch. Das Defensivsystem von Coach Pedro Calles gleicht dem von John Patrick, wie dieser es zuletzt in der Saison 2017/18 erfolgreich praktizieren ließ.

Bamberg im Dilemma

Bamberg schaffte es viel zu selten, seine großen Spieler in Szene zu setzen und Vechtaer Spieler in Foultrouble zu bringen. Bei nur sieben einsetzbaren Spielern wäre ein früher Ausfall für Vechta kaum aufzufangen gewesen. Bambergs Coach Federico Perego dagegen hatte einen vollen Kader zur Verfügung, blieb aber dennoch auf die offensive Genialität von Tyrese Rice angewiesen – das reichte nur für einen Sieg.

Der aktuelle Bamberger Kader ist nicht tauglich für die hohen Ansprüche. Eine defensive Identität ist nicht vorhanden, nur Bryce Taylor ist ein überdurchschnittlicher Verteidiger. Ob es zur neuen Saison besser wird, ist fraglich: Akteure wie Cliff Alexander und Arnoldas Kulboka, die in der laufenden Saison enttäuschten, haben noch ein Jahr einen Vertrag. Aus dem Dilemma befreien soll Bamberg nun die sportliche Führung der Giants Antwerpen: Neben dem Sportdirektor Leo De Rycke soll wohl auch Coach Roel Moors kommen. Zusammen hatten sie zuletzt ein Jahr lang internationalen Erfolg in der Champions League – dass diese beiden den Erfolg nach Oberfranken zurückbringen können, wird zu beweisen sein.

Während Bamberg einen Weg aus dem Fiasko finden muss, geht das Vechtaer Märchen weiter – auch im Halbfinale gegen den FC Bayern? Unwahrscheinlich, zu übermächtig erscheinen die Münchner.

Interessanter dürfte das zweite Halbfinale zwischen Oldenburg und Berlin werden – auch weil das Gerücht umgeht, dass der Sieger dieses Duells ein Startrecht für die EuroLeague erhalten soll. Das wäre für beide Klubs äußerst lukrativ.

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