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Korbleger

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Im schnelllebigen Basketball-Business gibt es nur wenige Spieler, die an die zehn Jahre lang für einen Verein aktiv sind. David McCray (Foto: Baumann) ist einer von ihnen: Neun Bundesliga-Saisons verbrachte er in Ludwigsburg; von 2007 bis 2012 und dann, nach drei Jahren in Bonn und Quakenbrück bei den Artland Dragons, seit 2015. Nun gab er mit 32 Jahren sein Karriereende bekannt.

Dem Verein bleibt er als einer der Assistenten und Athletiktrainer des BBL-Teams und als zweiter Coach des U.19-Teams erhalten.

Ein ausgewiesener Offensivspieler ist David McCray nie gewesen. Trotz seiner Athletik gelangen ihm über eine Saison hinweg im Ludwigsburger Dress nie mehr als 5,7 Punkte pro Partie. Seinen BBL-Topwert erreichte er in seiner ersten Bonner Saison mit 7,4 Zählern pro Spiel. In der vergangenen Spielzeit waren es im Schnitt noch 1,7 Punkte für die Riesen. Dennoch hat er in jedem Jahr Spiele mitentschieden, seine Mannschaften gestärkt und den Verein geprägt. Wie ist ihm das gelungen?

Man könnte sagen: Im Basketball geht es darum, mehr Punkte zu erzielen als der Gegner – aber im Ludwigsburger Basketball geht es darum, weniger Punkte zu kassieren als der Gegner. Dafür war McCray der perfekte Spieler: Wenn er auf dem Feld stand, war Defensive angesagt.

Keine Ruhe mit McCray

Gerade in der vergangenen Saison, als einige Akteure in der Verteidigung nicht immer auf der Höhe waren, war es immer wieder zu beobachten: Kam McCray aufs Parkett, ging ein Ruck durchs Team. Der Grund dafür ist einfach: Wenn neben dir dein Mitspieler seinen Gegenspieler mit voller Energie übers Feld jagt, kannst du dich nicht zurücklehnen. Sein Einsatz in der Defensive gab dem Verein in den vergangenen Jahren, gemeinsam mit den Ideen von John Patrick, eine Identität.

Auch dann, wenn er nicht auf dem Feld stand, war McCray aktiv. Er gab in den vergangenen Spielzeiten als einer der erfahrenen Akteure seinen Mitspielern Tipps und machte die Coaches etwa auf Foulprobleme aufmerksam. Abschalten und ausruhen gab es für ihn nicht. Was McCray für den Zusammenhalt seiner Mannschaften abseits des Feldes leistete, ist kaum hoch genug einzuschätzen. In Amerika nennt man Spieler, die der Klebstoff fürs Team sind, „Glue Guys“ – sie hören zu, muntern auf, verbreiten gute Laune. Sucht man den idealen Glue Guy, findet man ihn in McCray. Nicht umsonst hat er einen besonderen Draht zu den Fans.

David McCray war und bleibt – nun eben in neuer Funktion – ein wichtiger Botschafter des Ludwigsburger Markenkerns. Dass sein Trikot ans Hallendach gehängt und seine Nummer vorerst nicht mehr vergeben wird, hat er sich verdient. Wenn ein Ludwigsburger Spieler möchte, dass sein Jersey eines Tages auch dort hängt, wird er sich anstrengen müssen. Zuallererst in der Defensive.

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