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Basketball

Kraftvoller Sieg gegen ruppige BG Göttingen

Nicht schön, aber wirkungsvoll: Die MHP-Riesen Ludwigsburg haben gestern den vierten Saisonsieg in der Basketball-Bundesliga eingefahren. Wirklich glücklich war mit dem 62:52 (33:24)-Erfolg gegen die BG Göttingen aber niemand. Mäßige Quoten, schwaches Spielniveau und eine ruppige Gangart nervten die Trainer und das Publikum.

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Die kleine „Mighty Mouse“ ganz groß: Jordan Crawford (rechts) umkurvt Göttingens Michael Jordan (l.) und wird zum Riesen.Foto; Baumann

Ludwigsburg.. Für Johan Roijakkers war es ein gebrauchter Tag. „Alles was ich zu sagen habe ist: Danke an Lamont Jones zur Verletzung von Michael Stockton. In einer Situation, in der er keine Chance auf das Charge hat, tritt er auf das Knie von Stockton und verletzt ihn. Danke“, raunte der Coach der BG Göttingen auf der Pressekonferenz ins Mikrofon. Mehr ließ er sich zum Spielverlauf und der über weite Strecken unterirdischen Leistung seiner Mannschaft nicht entlocken.

Gemeint hatte Roijakkers eine Szene wenige Sekunden vor Schluss, als der Göttinger Kapitän in einem Tempogegenstoß nach vorne preschte, von Lamont Jones unter dem Korb gestellt wurde und zu Boden ging. „Poor Looser“ – schlechter Verlierer, entgegnete Riesen-Trainer John Patrick lediglich der „völlig unprofessionellen“ Äußerung seines Kollegen. Patrick wollte in der vorletzten Aktion des Spiels gar ein Offensivfoul des früheren Ludwigsburgers Stockton gesehen haben.

Für das Ergebnis maßgeblich war die Szene beim Stand von 60:52 für die Gastgeber ohnehin nicht mehr. Dafür aber symptomatisch für den gesamten Spielverlauf. Eine dürftige Wurfquote von nur 27 Prozent sowie ein Dreierwert von gerade 15 Prozent (5 von 33!) standen auf der Habenseite der Niedersachsen, die einen rabenschwarzen Tag erwischten.

Doch auch die Ludwigsburger, die die Partie über weite Strecken dominierten und vor allem dank ihrer Physis und ihres Kampfgeistes ab dem zweiten Viertel Oberwasser behielten, haderten mit ihren Bilanzen: Nur 32 Prozent der Würfe aus dem Feld (20 von 63) fanden ihr Ziel, mit 25 Prozent ließ traditionell auch die Dreierquote zu wünschen übrig.

Sieben Ballverluste im ersten Viertel unterstreichen zudem, wie nervös die Gastgeber in die für sie so wichtige Partie starteten. Donatas Sabeckis fand sich überhaupt nicht zurecht, Lamont Jones und Jordan Crawford, am Ende die spielprägenden und wurfsichersten Scorer, hatten anfangs ebenfalls massive Probleme. Zu allem Unglück verdrehte sich Konstantin Klein nach einem Foul das Knie und musste mit Verdacht auf eine schwere Bänderverletzung aus dem Spiel genommen werden.

Angesichts der Ludwigsburger Startschwierigkeiten war der Dreier von Crawford beim Stand von 8:12 zum 11:12 wie ein Weckruf. Jones stellte mit der Schlusssirene des ersten Viertels auf 15:14 für die Riesen, die diese Führung bis zum Ende der Partie mit Mann und Maus verteidigen sollten.

Die Führung gab den Riesen zudem Sicherheit. Adam Waleskowski erhöhte per Dreier auf 20:16, das gute Zusammenspiel der Routiniers Waleskowski (9 Punkte), des angeschlagenen Owen Klassen (11), Crawford (14) und Jones (21) sollte fortan der Garant für den Erfolg sein. Ludwigsburg stabilisierte sich dank einer guten Leistung in der Defensive und ging mit einer relativ komfortabel Führung in die Halbzeit (33:24).

Aus der Kabine kommend zündete bei den Gästen vor allem Michael Stockton: Der Ex-Riese übernahm mehr Verantwortung und machte zehn Punkte am Stück. Doch die Riesen fanden auf nahezu alle Herausforderungen eine Antwort, auch wenn auf beiden Seiten die Gangart nun ruppiger wurde (48:42). Im Schlussabschnitt veränderte sich das Bild der ersten dreißig Minuten nicht: Ludwigsburg bekleckerte sich nicht mit Ruhm, lag aber weiterhin in Front und bog nach einem weiteren umjubelten Distanztreffer von Jones zum 59:50 endgültig auf die Siegerstraße ein. Der verdiente 62:52-Arbeitssieg war der dritte Erfolg in Serie.

Mbakwe geht, Crawford bleibt

Unmittelbar nach dem Spiel einigte sich Ludwigsburg mit Point Guard Jordon Crawford auf eine Vertragsverlängerung. Während der Fanliebling nun bis zum Saisonende den Schwaben erhalten bleibt, wurde der Vertrag mit Center Trevor Mbakwe in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. „Wir benötigen dringend einen weiteren Point Guard“, sagte Patrick. Bereits am Mittwoch erwartet die Riesen die nächste Herausforderung in der Champions League – dann sind sie im 2500 Kilometer entfernten Novgorod zu Gast, wo das russische Überraschungsteam von BC Nizhny wartet.