Logo

Basketball

Ludwigsburger Basketball-Fest findet in Bilbao nur im kleinen Kreis statt

Die Anhänger der MHP-Riesen Ludwigsburg genießen die Zeit beim Champions-League-Final-Four in Bilbao, sind aber deutlich in der Unterzahl.

Riesen-Fan Heiko Karnitzschky. Foto: Philipp Böhl
Riesen-Fan Heiko Karnitzschky. Foto: Philipp Böhl

Bilbao. Gespannt blickte Andreas Kraut auf das Geschehen, das sich da vor der Bilbao Arena abspielte. Rund 1000 Fans von Hapoel Holon strömten bei strahlendem Sonnenschein zum ersten Halbfinalspiel in den 10000 Zuschauer fassenden Basketball-Tempel. Von einem kleinen Hügel beobachtete Kraut gemeinsam mit Sohn Alexander die lila-gekleideten Israelis. „Man muss sich das nur anschauen – wir sind zu dritt, die zu tausend. Schade“, sagte der Fan der MHP-Riesen Ludwigsburg.

Seit 1972 sei er bei den Spielen der Ludwigsburger Basketballer dabei. Nachdem die Riesen im Viertelfinale in Cluj-Napoca ihr Ticket für das Final Four gebucht hatten, war für Kraut sofort klar, dass er auch dabei sein wird. „Wir waren auch schon in Athen“, erinnerte er sich an das Final Four 2018. Mit Sohn Alexander und Frau Susanne machte er sich also auf den Weg nach Bilbao, saß im gleichen Flieger wie die Mannschaft, die im Halbfinale gegen Baxi Manresa unterlag und im Spiel um Platz drei gegen Holon immerhin Bronze holte.

Nur 100 reiselustige Riesen-Fans

Neben Familie Kraut haben rund 100 Riesen-Fans die Reise angetreten. Zahlenmäßig waren die Ludwigsburger damit das Team, das die wenigsten Fans stellte. Rund 300 Unterstützer kamen von der kanarischen Insel angereist, um Turniersieger Lenovo Teneriffa zu unterstützen. Über 3000 Fans von Manresa machten indes das Wochenende zu einer großen, rot-weißen Party.

„Die haben eine wahnsinnig tolle Stimmung gemacht. Das war genial“, freute sich Heiko Karnitzschky. Mit anderen Mitgliedern des Fanclubs Barock Pirates saß er vor dem Spiel um Platz drei auf ein kühles Bier vor der Arena, plauderte mit Manresa-Fans und war angetan: „Mit den Katalanen kann man echt Spaß haben, alter Schwede.“ Trotz des Halbfinal-Ausscheidens der Riesen sei die Reise ein voller Erfolg gewesen. Gleichzeitig offenbarte das Wochenende, dass der Basketball in Ludwigsburg verglichen mit anderen Standorten noch einiges aufzuholen hat. Nach der Coronakrise tut man sich in Ludwigsburg noch immer schwer, die 4000 Zuschauer fassende MHP-Arena zu füllen. „Natürlich haben wir gehofft – insbesondere aufgrund der Erfolge der letzten drei Jahre – dass der Zuspruch größer ist“, hatte Riesen-Boss Alexander Reil vor dem Final Four gegenüber unserer Zeitung gesagt und die Angst vor Corona sowie die in Folge der Pandemie abhanden gekommene Nähe als Hauptgrund für das Fernbleiben einiger Fans genannt.

Zu kleines Einzugsgebiet?

„Dass die Halle automatisch wieder voll wird nach Corona, war ein Irrglaube“, sagte auch Riesen-Fan Karnitzschky. „Der Sport muss aber auch über die Ludwigsburger Grenzen hinaus publik werden. Viele Stuttgarter sehe ich nicht bei uns in der Halle.“

Der Weg scheint weit zu sein, bis Ludwigsburg auf eine ähnliche Fanbasis zurückgreifen kann wie andere Teams. „Für uns ist das historisch“, sagte etwa Manresa-Fan Adrian Bajona. Sechs Autostunden Anreise hatten die meisten Fans aus Katalonien auf sich genommen. „Wir sind alle völlig unter Strom. Die Leute wollen das hier unbedingt erleben.“

Ähnlich sah es auch Ohad Abenshtein, einer der rund 1000 Holon-Fans, die aus Israel angereist waren. „Es war sehr teuer. Einige waren 24 Stunden unterwegs, um her zu kommen. Aber es war das alles wert.“ Noch vor 20 Jahren habe er in der dritten Liga auf der Tribüne gestanden, jetzt war er beim Champions-League-Final-Four. „Wir hatten schon immer eine große Fanbase“, sagte Abenshtein.

Eben jene möchte man in Ludwigsburg irgendwann auch bekommen. Bis dahin bleibt bei den rund 100 Fans die Erinnerung an „ein Basketball-Fest“, wie es Andreas Kraut nannte. „Das Sportliche bleibt enttäuschend. Aber die Fanfreundschaft mit den Manresa-Fans und die Stimmung hier – das bleibt“, sagte Karnitzschky.

Autor: