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MHP-Riesen Ludwigsburg gegen U-BT Cluj-Napoca in der Basketball-Champions-League: Mit mehr Herz und Härte ins Final Four?

Ludwigsburgs beste Spieler am Samstagabend: Jonas Wohlfarth-Bottermann (links) macht den Weg für Jonah Radebaugh (rechts, 18 Punkte) frei. Foto: Baumann
Ludwigsburgs beste Spieler am Samstagabend: Jonas Wohlfarth-Bottermann (links) macht den Weg für Jonah Radebaugh (rechts, 18 Punkte) frei. Foto: Baumann
Die MHP-Riesen Ludwigsburg verlieren gegen den FC Bayern München mit 58:77. Der Fokus liegt allerdings auf einem der größten Spiele der Vereinsgeschichte. Am Dienstagabend geht es gegen Cluj um den Einzug ins Final Four der Basketball-Champions-League

Ludwigsburg. Es war schon etwas kurios am Samstagabend: Da hatte gerade der Tabellenzweite der Basketball-Bundesliga das Spitzenspiel beim Tabellendritten mit 77:58 gewonnen. Doch allzu viel über den gerade einmal 20 Minuten alten Sieg des FC Bayern München bei den MHP-Riesen Ludwigsburg sprachen die Trainer beider Clubs in der folgenden Pressekonferenz gar nicht. Denn sowohl für Ludwigsburg als auch für München stehen am Dienstagabend weitaus bedeutendere Spiele an.

So sagte Bayerns Star-Trainer Andrea Trinchieri, noch bevor er das übliche Fazit zum Sieg seiner Truppe abgeben konnte: „Als erstes möchte ich Ludwigsburg viel Glück beim kommenden Spiel in Rumänien wünschen. Es ist sehr wichtig für den deutschen Basketball, Erfolg in Europa zu haben.“ Die Riesen treffen am Dienstag (18 Uhr) im entscheidenden Spiel um den Einzug ins Champions-League-Final-Four auf U-BT Cluj-Napoca. Die Bayern treffen ebenfalls auswärts im ersten Viertelfinalspiel der Euroleague auf den FC Barcelona. „Beide Mannschaften haben große Spiele am Dienstag“, sagte auch Riesen-Trainer John Patrick.

Kampf auf Augenhöhe

Zuvor hatten beide Teams drei Viertel einen Kampf auf Augenhöhe geboten, wenngleich die Intensität vor 2756 Zuschauern in der MHP-Arena noch nicht vergleichbar mit dem war, was beide Teams am Dienstagabend erwarten werden. Nach einer verschlafenen Anfangsphase und einem 2:13-Rückstand fingen sich die Riesen, forcierten nun mehr Ballverluste der Münchner und waren zur Halbzeit sogar mit 36:30 in Führung. „Von der dritten Minute bis zur Halbzeit haben wir das gut gemacht“, sagte Patrick. Das bemerkte auch sein Pendant aus Italien: „Normalerweise leisten wir uns nicht so viele Ballverluste, aber gegen Ludwigsburg spielen, ist eben immer etwas anders“, sagte Trinchieri.

Erst mit der Verletzung von Jordan Hulls im dritten Viertel gab es einen Bruch im Ludwigsburger Spiel. Gerade einmal acht Assists legte die gesamte Riesen-Mannschaft am Samstag auf, vier davon gingen auf das Konto von Hulls – obwohl der US-Amerikaner beinahe die komplette zweite Hälfte verpasste. „Als Jordan runterging, wussten wir, dass es schwierig wird“, sagte Patrick. In der Folge drehte Bayern auf, ließ den Ball stark laufen und zog immer weiter davon. Spannung kam keine mehr auf. „Wir fahren mit viel Selbstbewusstsein nach Hause“, freute sich Trinchieri.

Trainer John Patrick: „Wir brauchen Herz“

Selbstvertrauen tanken konnten die Ludwigsburger dagegen nicht. Eine gute Nachricht immerhin verkündete Patrick nach Spielende. Hulls’ Abstinenz sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Ein Einsatz in Cluj sei wahrscheinlich. Doch das Fehlen des Aufbauspielers war nicht das Einzige, was auf gelb-schwarzer Seite schmerzte. „Es war enttäuschend, wie weich wir waren“, monierte Patrick und blickte auf den Dienstag. Denn das Spiel in Cluj wird aller Voraussicht nach physisch und psychisch zum Härtetest. Innerhalb einer halben Stunde waren alle Tickets für das Spiel ausverkauft. Die Riesen erwartet ein echter Hexenkessel in der BT-Arena. „Wir brauchen Herz. Es wird ein großes Spiel vor 10000 Zuschauern“, so Patrick.

Bekommt Rawle Alkins seine Chance?

Offen ließ er indes, ob es personelle Veränderungen geben wird. James Woodard, Tremmell Darden und Ethan Happ waren gegen Bayern völlig abgetaucht. Während Tekele Cotton nach einer komplizierten Handgelenkverletzung noch nicht in den Kader rücken kann, steht Rawle Alkins bereit. „Es war vielleicht ein Fehler, dass wir ihn draußen gelassen haben. Ich bin sicher, dass er heute aggressiver gespielt hätte“, sagte Patrick.

Eine Prognose für die kommende Partie in Rumänien wollte auch Trinchieri nicht abgeben, wenngleich er das Team aus Cluj vor dem dritten Spiel der Best-of-three-Serie nicht beneide: „Johns Team spielt hart und hat sehr gute Dreier-Schützen. Das ist ein guter Weg, um in ein Alles-oder-nichts-Spiel zu gehen. Ich würde nicht gerne gegen diese Art von Teams in einem solchen Spiel spielen.“