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Basketball

Mit alter Schule zum Erfolg in Deutschland

Mit besonderer Wurftechnik und Arbeitsethik will Jordan Hulls die MHP-Riesen auch heute (20.30 Uhr) gegen Vechta zum Sieg führen.

Ball neben den Kopf und beide Augen auf den Korb gerichtet: Jordan Hulls Wurf ist so außergewöhnlich wie treffsicher. Foto: Baumann
Ball neben den Kopf und beide Augen auf den Korb gerichtet: Jordan Hulls Wurf ist so außergewöhnlich wie treffsicher. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Eine Eingewöhnungszeit hat Jordan Hulls bei den MHP-Riesen Ludwigsburg nicht gebraucht. Seit seinem späten Wechsel zum Basketball-Bundesligisten Mitte Oktober ist der Aufbauspieler nicht mehr aus dem Riesen-Kader wegzudenken. Lediglich ein paar Fotos und Videos von Hulls für verschiedene Medien hatten noch gefehlt. Doch auch das ist jetzt nachgeholt. „Hat Spaß gemacht“, lacht der US-Amerikaner nach dem Media Day während eines Video-Interviews in die Kamera. „2020 war ein besonderes Jahr. Deshalb habe ich später unterschrieben als gewohnt“, blickt er auf den späten Wechsel zurück, der sich als Glücksgriff erweist.

32 Minuten steht Hulls pro BBL-Spiel auf dem Parkett – so lang wie kein anderer Riesen-Spieler. In dieser Zeit punkten nur Jaleen Smith (15,2) und Elias Harris (18,5) besser als Hulls (13,7). Mit erstaunlicher Treffsicherheit versenkt der 1,80 Meter große Aufbauspieler mehr als die Hälfte seiner Dreier – mit einer außergewöhnlichen Wurfform. „Ein Ansatz der alten Schule“, sagt Hulls über die Wurfbewegung, bei der er den Ball zum Ausholen neben den Kopf zieht. „So habe ich immer zwei Augen auf den Korb gerichtet“, erzählt der Sprössling einer Basketballfamilie. Sein Großvater John, Wurftrainer am College in Hulls Heimat Indiana, habe ihm die Technik beigebracht.

Ob seiner Dreierquote wirkt es absurd, dass Hulls bis zur siebten Klasse keine Distanzwürfe nehmen durfte. „Ich war nie der Größte oder Stärkste“, begründet Hulls die Maßnahme. Er habe nur aus großer Distanz werfen sollen, wenn er dafür seinen Wurf nicht hätte ändern müssen. „Es hat geklappt“, freut er sich über die Maßnahme des Vaters: „Ich kann aus jeder Distanz gleich werfen.“

Das kompensiert, dass Hulls, wie er sagt, seine ganze Karriere dagegen ankämpfen musste, als zu klein abgestempelt worden zu sein. „Vielleicht hätte ich nicht so hart gearbeitet, wenn ich größer gewesen wäre“, sagt der dreifache Familienvater. Laut Riesen-Coach John Patrick beherrsche Hulls jede mögliche Dribbling-Übung.

Für die Indiana Hoosiers spielte Hulls vier Jahre am US-College, nur zehn Minuten von seinem Elternhaus entfernt. Er führte das Team an der Seite des heutigen NBA-Profis Victor Oladipo von einer Bilanz von zuvor einem Sieg und 17 Niederlagen zu 13 Siegen und vier Niederlagen. Umso schwerer fiel der Abschied. Auf der Videoplattform Youtube ist eine Rede von Hulls zu sehen, in der ihm mehrfach die Tränen kommen. „Ich bin eine emotionale Person. Das war besonders für mich“, sagt er heute, 7000 Kilometer von der Heimat entfernt.

In Ludwigsburg erlebt er wohl die erfolgreichste Zeit in Deutschland nach je zweijährigen Stationen in Bremerhaven und Würzburg. „Wir können mit jedem in der Liga mithalten“, sagt er vor dem heutigen Spiel gegen Rasta Vechta in der MHP-Arena. Auf dem Papier erscheint die Partie gegen die sieglosen Niedersachsen als Pflichtsieg. Doch Hulls warnt: „In dieser Liga kann jeder jeden schlagen.“ Mit Geschichten erfolgreicher Außenseiter kennt er sich schließlich aus.

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