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Basketball Champions League

Platz drei: Genugtuung für die MHP-Riesen Ludwigsburg zum Abschluss der Basketball Champions League

Nach dem desaströsen Auftritt am Freitag gegen Manresa bekommt Hapoel Holon den ganzen Frust der MHP-Riesen Ludwigsburg zu spüren. Durch Platz drei nach dem 88:68 feiern die Riesen ihre beste Platzierung in einem europäischen Wettbewerb.

Justin Simon (r.) spielt gegen Hapoel Holon mit Wut im Bauch – und ist nicht aufzuhalten. Foto: bm
Justin Simon (r.) spielt gegen Hapoel Holon mit Wut im Bauch – und ist nicht aufzuhalten. Foto: bm

Bilbao. Inbrünstig schrie Justin Simon das letzte Bisschen an Frust heraus, das sich in seinem Körper befand und das sich noch nicht in seinem krachenden Dunk zum 69:48 zum Ende des dritten Viertels entladen hatte. Danach ließ er sich noch zu einer kleinen Provokation an die Fans von Hapoel Holon hinreißen und kehrte unter einem gellenden Pfeifkonzert in der Bilbao Arena zurück zur Bank seiner MHP-Riesen Ludwigsburg. Mit ruhigerer, aber immer noch entschlossener Stimme begründete er dann nach dem 88:68-Sieg seiner Riesen im Spiel um Platz drei der Basketball-Champions-League seine Gefühlslage: „Ich habe mich nicht genug respektiert gefühlt“, blickte er mit 27 Punkten im Rücken auf die Award-Verleihung tags zuvor zurück, bei der er es nicht unter die besten zehn Spieler Champions-League-Saison geschafft hatte.

Beste Platzierung in einem europäischen Wettbewerb

Nach den Ereignissen der vergangenen Tage setzten Simon und seine Mitspieler offensichtlich alles in einen gelungenen Abschluss dieser Saison auf internationalem Parkett, die mit der besten Platzierung der Riesen in einem europäischen Wettbewerb endet. Denn am Freitag hatte gegen Baxi Manresa in einem der wichtigsten Spiele der Vereinsgeschichte kaum etwas geklappt. Die Folge war eine 55:63-Pleite, Ratlosigkeit und Frust bei den Ludwigsburgern. „Wir haben unsere Identität verloren“, hatte Simon nach der Pleite gesagt. Diese habe man nun gegen Holon wieder gefunden. Und das auf beeindruckende Weise. Denn gegen die von 1000 Fans angefeuerten Israelis erwiesen sich die Riesen als absoluter Spaßverderber – anders als noch am Freitag, als sie unter dem Druck der Atmosphäre und der Wucht der 3000 Manresa-Fans eingebrochen waren.

„Wir hatten einen Lernprozess gestern, alle waren unzufrieden und wir wollten die Reaktion zeigen“, sagte Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann mit der Medaille um den Hals in der Mixed Zone. Noch am Freitag hatte er von einem rabenschwarzen Tag gesprochen und wie viele seiner Mitspieler die unerklärliche Fülle an vergebenen Freiwürfen sowie Korblegern moniert.

Riesen von jeglichem Druck befreit

Womöglich befreit von jeglichem Druck legten die Riesen gestern stark los. Simon allein machte 21 Punkte in der ersten Spielhälfte, 16 davon im Auftaktviertel. Jacob Patrick stellte so mit zwei einfachen Punkten auf 25:15 im ersten Abschnitt. Gegen die Spanier hatte Ludwigsburg in der zweiten Spielhälfte nur in Summe 20 Zähler aufgelegt. Gegen Holon führten die Riesen dagegen zur Halbzeit mit 42:29 – und dachten nicht einmal daran, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

Denn nach dem Seitenwechsel fielen die Würfe noch einfacher. Der Vorsprung wuchs und wuchs, die Gegenwehr wurde immer geringer. „Es hat sich viel besser angefühlt. Wir haben unseren Rhythmus gefunden“, freute sich auch Guard Jordan Hulls. Zudem habe man offene Rechnungen aus der bisherigen Saison begleichen wollen. „Wir haben Charakter gezeigt, nachdem sie uns schon zweimal in der Saison geschlagen haben“, sagte Hulls. „Vielleicht hat uns das den mentalen Schub gegeben“, sagte sein Trainer John Patrick.

Hulls ordnete indes den dritten Platz – trotz des noch immer bestehenden leichten Frusts über das verpasste Finale – als Erfolg ein: „Nicht viele hätten uns zugetraut, es überhaupt so weit zu schaffen.“

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