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BBL-Play-offs

Riesen-Festung hält weiter stand

Keines der 18 BBL-Heimspiele hatten die MHP-Riesen Ludwigsburg in dieser Saison verloren. Im zweiten Play-off-Spiel gegen Brose Bamberg schnupperten die Gäste an der Überraschung. Doch die Festung MHP-Arena bleibt uneinnehmbar.

Schwerer Stand: Bambergs Kenneth Ogbe (rechts) blockt den treffsicheren Jordan Hulls. Foto bm
Schwerer Stand: Bambergs Kenneth Ogbe (rechts) blockt den treffsicheren Jordan Hulls. Foto bm

Ludwigsburg. Dass dieses Play-off-Spiel in der Basketball-Bundesliga bis zum letzten Ballbesitz spannend bleiben würde, hatte sich angebahnt. 14 Führungswechsel zählte der Statistikbogen am Ende. Doch den letzten – und damit wichtigsten – Führungswechsel verbuchten die MHP-Riesen Ludwigsburg bei ihrem 86:83-Heimsieg gegen Brose Bamberg: Jaleen Smith klaute beim Stand von 83:83 einen Pass von Bambergs Bennet Hundt, stürmte auf den Korb zu und stellte 9 Sekunden vor Ende auf 85:83. Nach einer dramatischen Partie verschwanden die Bamberger mit gesenkten Köpfen im Spielertunnel. Die Riesen bejubelten dagegen den emotionalen Triumph. Die Mannschaft von John Patrick kann mit einem weiteren Sieg morgen (15Uhr) in Bamberg vorzeitig ins Play-off-Halbfinale einziehen.

Wie schon beim 83:69-Auftaktsieg am Mittwoch standen auch im zweiten Spiel der Best-of-five-Serie die US-Amerikaner Barry Brown und Desi Rodriguez nicht im Kader der Riesen. Deren Landsmann dagegen machte da weiter, wo er am Mittwochabend aufgehört hatte. In Spiel eins gegen Bamberg hatte Jordan Hulls nach durchwachsener Partie spät zu gewohnter Treffsicherheit gefunden und versenkte auch gestern seinen ersten Dreier nach Vorlage von Smith. Smith, seit Mittwoch offiziell wertvollster Spieler der Liga (MVP), glänzte als Ballverteiler, während sein Teamkollege Tremmell Darden für die Offensiv-Höhepunkte zuständig war. Ein tolles Alley-Oop-Anspiel von Smith versenkte Darden per Dunk zum 5:0. Die Gäste hielten aber dagegen. Besonders David Kravish stellte die Riesen vor Probleme. Neun Zähler legte 2,08 Meter große Center im ersten Viertel auf und brachte Bamberg beim 11:10 erstmals in Führung.

Erst mit einem 9:3-Lauf zog Ludwigsburg etwas davon. Der 39 Jahre alte Darden klaute Bambergs Chase Fieler den Ball und stopfte diesen auf der anderen Seite in den Korb (24:15). Kravish verkürzte kurz darauf immerhin für Bamberg zum 16:24 nach dem Auftaktviertel.

Danach blieb das Brose-Team giftig und ließ die Riesen nicht davon ziehen. Bis auf 27:29 robbte sich das Team von Johan Roijakkers heran. Der Ausgleich sollte aber zunächst nicht gelingen, auch weil Fieler Ludwigsburgs Center Jamel McLean nur per Foul stoppen konnte. McLean bedankte sich mit einem Drei-Punkte-Spiel (32:27), Fieler ließ seinen Frust mit einem Tritt an einer Werbebande aus. Angeführt von Ballverteiler Smith gingen die Riesen mit einem 43:36 in die Pause.

Die zweiten zwanzig Minuten begann Ludwigsburg ähnlich wie die ersten: Erneut Hulls mit einem Dreier, dann Jonas Wohlfarth-Bottermann mit einem Tip-in-Dunk brachten die Gastgeber erstmals mit zehn Zählern in Front (48:38). Doch trotz der eigentlich komfortablen Führung sah man die Riesen so, wie man sie in dieser Saison nur selten hat kennenlernen können: verunsichert und inkonsequent in ihren Aktionen. Beinahe fünf Minuten gelang der Patrick-Truppe kein einziger Punkt. Bamberg dagegen drehte auf. Mit einem 14:0-Lauf stellten die Gäste die Partie auf den Kopf (52:48).

Nun übernahmen die Führungsspieler der Riesen Verantwortung. Hulls und Smith brachten die Ludwigsburger mit neun Punkten nach Einzelaktionen zurück in die Spur. Das Spiel wog hin und her, jeder Ballbesitz wurde mit enormer Intensität verteidigt. Bamberg nahm eine 64:63-Führung ins Schlussviertel.

In diesem stand das Spiel auf des Messers Schneide. Sieben Minuten lang wechselte ständig die Führung, kein Team konnte sich auf mehr als zwei Punkte absetzen. Jeder Ballgewinn und Korb wurde von den Bänken enthusiastisch gefeiert.

Nach spektakulärem Block von Fieler gegen Jonah Radebaugh, anschließendem Dreier von Alex Ruoff sowie weiteren Punkten von Chris Sengfelder und Tyler Larson lag Bamberg zwei Minuten vor Spielende mit 83:77 vorne und schnupperte an der Sensation. Doch McLean mit einem Kraftakt unter dem Korb sowie Smiths Ballklau drehten die Partie zum letzten Mal. „Beide Teams hätten den Sieg verdient gehabt“, fasste es der enttäuschte Roijakkers später treffend zusammen.

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