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Basketball

Riesen-Gefühle zwischen Enttäuschung und Stolz

Frustriert und stolz zugleich. Nach dem Play-off-Aus in der Basketball-Bundesliga herrschen bei den MHP-Riesen Ludwigsburg gemischte Gefühle.

Frustrierte Riesen: Nur selten sah man Jordan Hulls und seine Ludwigsburger Mannschaftskameraden in den vergangenen Monaten so genervt. Foto: Eibner
Frustrierte Riesen: Nur selten sah man Jordan Hulls und seine Ludwigsburger Mannschaftskameraden in den vergangenen Monaten so genervt. Foto: Eibner

München/Ludwigsburg. Auch zwei Tage nach dem Ludwigsburger Halbfinal-Aus in der Basketball-Bundesliga beim FC Bayern München überwiegt bei den Riesen der Frust. Zwar gab Riesen-Guard Yorman Polas Bartolo gestern zu, dass er sich „über eine tolle Truppe und eine super Saison“ freuen könne. „Aber ich bin mir sicher, dass wir auch hätten Meister werden können“, ließ der Deutsch-Kubaner im Gespräch mit unserer Zeitung seine Enttäuschung durchblitzen: „Es hat alles am Ende nicht so funktioniert, wie wir es wollten. Das ist schade.“ Nach einer grandiosen Hauptrunde waren die Riesen als beste Mannschaft der BBL in die Play-offs eingezogen. Dort erreichten die Ludwigsburger nach einem etwas holprigen Start mit einem 3:2 in der Best-of-five-Serie gegen Brose Bamberg das Halbfinale. In diesem war am Freitag gegen den Meisterschaftsfavoriten FC Bayern nach vier Spielen Schluss.

Dabei waren die Riesen keineswegs chancenlos. Hatte das Team von Trainer John Patrick noch beim dramatischen 101:98-Heimsieg in der MHP-Arena begeistert, folgten daraufhin drei knappe Niederlagen (72:82, 78:81, 73:82). Patrick zog angesichts der starken Hauptrunde und trotz des Ausscheidens im Halbfinale bereits am Freitagabend ein positives Fazit: „Ich könnte nicht stolzer sein. Wir hatten so eine gute Einstellung über die ganze Saison. Ich glaube nicht, dass wir ein Favorit für die Play-offs waren.“ Trotzdem: Hoffnungen auf einen Titel hatten sich die Riesen sowie viele ihrer Fans dennoch gemacht. Zu gut hatte Ludwigsburg während der Hauptrunde gespielt, trieb regelmäßig vor allem in der heimischen Arena selbst Favoriten mit seiner intensiven Verteidigung zur Verzweiflung.

Womöglich konnten die Riesen auf ihren Spielstil – anders als andere Teams – in den Play-offs nicht noch eine Schippe drauflegen. „Meiner Meinung nach haben wir die ganze Saison lang überperformed“, sagte Patrick am Freitag. Eine These, die auch Polas Bartolo nicht verneinte: „Ja, das kann auch sein. Wir haben eben immer alles gegeben – von Anfang an und bis zum letzten Spiel. Am Ende hat etwas gefehlt, vielleicht ein bisschen Energie.“

Besonders am Freitag trafen zwei sichtbar angeschlagene Teams aufeinander. Sowohl Bayern als auch Ludwigsburg leisteten sich etliche Ballverluste. Von einem Intensitätsgipfel, wie man ihn im ersten Aufeinandertreffen gesehen hatte, war die Play-off-Partie weit entfernt.

Dennoch zollte Bayerns Trainer Andrea Trinchieri den Gelb-Schwarzen einiges an Respekt. „In vier Spielen haben wir es nicht einmal geschafft, weniger als 15 Ballverluste in einer Partie zu haben. Das sagt viel über Ludwigsburg aus“, so der Italiener. „Sie haben uns Extra-Anstrengung gekostet.“ Solche zusätzlichen Körner hatten die Bayern scheinbar schlicht eher im Tank als die Ludwigsburger, was besonders am wesentlich breiter aufgestellten Kader gelegen haben könnte. Außerdem hatte München, auch wegen der Doppelbelastung durch den starken Euroleague-Lauf bis ins Viertelfinale, mehrfach den BBL-Alltag etwas schleifen lassen.

Womöglich schwingt innerhalb der nächsten Tage trotz der zurückliegenden Niederlage die Frustration der Spieler in Freude um. Denn wie die Riesen gestern bekannt gaben, werden die Spieler morgen (18.30 Uhr) – wie bereits nach der Vize-Meisterschaft in der vergangenen Saison – mit einer Abschlussparty im Autokino Kornwestheim empfangen. Und ein bisschen denkt auch der mittlerweile 35 Jahre alte Polas Bartolo schon an die nächste Spielzeit. „Warum nicht noch einmal solch eine Saison wiederholen?“, fragte er gestern. Sein Vertrag läuft zwar aus, „aber ich fühle mich sehr wohl hier. Ludwigsburg ist wie ein Zuhause für mich.“

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