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Basketball

Riesen lassen Oscar da Silva gehen

Einen Tag nach der Niederlage in Heidelberg verkünden die Riesen den Abgang von Oscar da Silva. Der Wechsel hatte sich abgezeichnet, die Enttäuschung über den Verlust und die Art, wie dieser zustande kam, können die Ludwigsburger aber nicht verbergen.

Schmerzhafte Trennung: Oscar da Silva (rechts) verlässt die Ludwigsburger um Trainer John Patrick. Foto: Baumann
Schmerzhafte Trennung: Oscar da Silva (rechts) verlässt die Ludwigsburger um Trainer John Patrick. Foto: Baumann

Heidelberg. John Patrick hatte gerade die Pressekonferenz nach der 67:73-Niederlage seiner MHP-Riesen Ludwigsburg bei den MLP Academics Heidelberg verlassen, da lief ihm im Halleninneren Matthias Lautenschläger über den Weg. „Glückwunsch, klasse Start. Ihr habt uns in den Hintern getreten“, fasste Patrick am späten Mittwochabend gegenüber dem Academics-Geschäftsführer treffend zusammen, was seinem Team in den vorherigen Stunden widerfahren war. Denn völlig überraschend hatten die Heidelberger ihr erstes Bundesliga-Heimspiel seit 36 Jahren zu einem Basketballfest werden lassen. Für die Riesen dagegen war es vor 1849 Zuschauern ein weiterhin ungewohntes Gefühl, ein normales Saisonspiel zu verlieren, hatte der letztjährige Hauptrundenmeister in der vergangenen Spielzeit doch lediglich vier Spiele verloren.

Und so war Patricks Analyse im Gespräch mit unserer Zeitung ähnlich deutlich wie die Worte, die er gegenüber Lautenschläger gefunden hatte. Dabei sprach der sichtlich enttäuschte Patrick von „Arroganz“ und „Unkonzentriertheit“ seiner Mannschaft: „Wir waren zu weich.“

Von Beginn an hatten die Riesen die notwendige und in den vergangenen Jahren für Ludwigsburg auch charakteristische Intensität vermissen lassen – und das gegen einen Aufsteiger, der mit gerade einmal sieben Spielern in der Rotation antrat, dafür aber alles auf dem Parkett ließ, was er im Tank hatte. „Sie haben absolut verdient gewonnen. Es ist sehr enttäuschend, wie manche von unseren Spielern sich verhalten haben. Schwach, sehr schwach“, haderte Patrick.

Hinzu kommt weiter die leidige Posse um Oscar da Silva. Der Center hatte laut Patrick am Samstag vier Stunden vor dem Saisonauftaktspiel gegen die Hamburg Towers per Textnachricht mitgeteilt, dass er sich auf dem Weg nach Berlin befinde, um bei Meister Alba einen Vertrag zu unterzeichnen. Gestern folgte dann eine offizielle Mitteilung der Riesen: Man habe sich darauf verständigt, dem 23 Jahre alten Deutsch-Brasilianer die sofortige Freigabe für einen Vereinswechsel zu erteilen. Kurz darauf bestätigte Alba die Verpflichtung da Silvas, der demnach einen Dreijahres-Vertrag in der Hauptstadt erhält.

Noch einen Tag zuvor, nach der Niederlage bei den Academics, hatte Patrick im mittlerweile leer gefegten SNP Dome gesagt: „Ich möchte nicht zu viel über Oscar sagen, aber das war hart, ein harter Verlust.“

Der Abgang da Silvas hinterlässt eine große Lücke und torpediert nachträglich die Kaderplanung der Riesen. Zwar werde man einen Ersatz verpflichten, wie Patrick bestätigte, es ist jedoch wahrscheinlich, dass ein ausländischer Spieler da Silvas Platz einnehmen wird. „Ich weiß nicht, ob es einen Deutschen gibt, das ist das Problem“, so Patrick über da Silvas Position. Bereits am Mittwochabend in Heidelberg hatten die Riesen alle sechs Kaderplätze für ausländische Spieler besetzt. Zudem soll mit dem derzeit verletzten James Woodard im neuen Jahr ein weiterer US-Amerikaner ins Team der Riesen zurückkehren.

Gänzlich ablenken sollte die da-Silva-Posse aber nicht von der schwachen Leistung der Riesen in Heidelberg. „Wir haben ein paar erfahrene Spieler, die überhaupt nicht in der Lage waren zu spielen“, meckerte Patrick. „Wir waren absolut nicht da.“

Ähnlich sahen es auch seine Spieler. Lukas Herzog etwa sagte: „Wir haben das ganze Spiel verpennt, waren von Anfang an nicht bereit. Man hat gesehen, dass es Heidelberg mehr wollte.“ Und sein Teamkollege Jordan Hulls, immerhin mit 17 Punkten noch einer der Lichtblicke im Riesen-Team neben David Walker und dem gewohnt zuverlässigen Tremmell Darden, sah es ähnlich: „Sie sind rausgekommen und haben härter gekämpft als wir. Sie wurden selbstbewusst und haben das Spiel kontrolliert. Wir haben uns nicht wohlgefühlt“, sagte der US-Amerikaner.

Positiv bleibt derweil, dass die Riesen die Niederlage am Samstag wiedergutmachen können. Im BBL-Pokal treffen die Ludwigsburger auswärts auf die Hakro Merlins Crailsheim – der Gegner, gegen den vergangene Saison die Serie von 18 Siegen in Serien riss. „Das Gute ist, dass wir Samstag wieder spielen“, blickte Hulls nach vorne.

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