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Finalist

Riesen richten Fokus auf Endspiele

Nach dem erstmaligen Einzug ins Endspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft wollen die MHP-Riesen Ludwigsburg sich bestmöglich auf das Hinspiel am Freitag vorbereiten. Zeit, das bisher Erreichte zu genießen, bleibt dabei nicht.

Geschafft: Marcos Knight und Nick Weiler-Babb klatschen nach dem Finaleinzug ab.Foto: Baumann
Geschafft: Marcos Knight und Nick Weiler-Babb klatschen nach dem Finaleinzug ab. Foto: Baumann
Gute Laune: Ariel Hukporti (links) und Jonas Wohlfarth-Bottermann. Fotos: Baumann
Gute Laune: Ariel Hukporti (links) und Jonas Wohlfarth-Bottermann. Foto: Baumann

Ludwigsburg/München. Den MHP-Riesen Ludwigsburg blieb am Dienstagabend keine Zeit, um den Einzug ins Endspiel des Bundesliga-Finalturniers zu feiern. Dabei ist das dem Verein in seiner 60-jährigen Geschichte noch nie gelungen. Nach dem 94:85-Erfolg im Rückspiel gegen Ratiopharm Ulm ging es ins Hotel, dort wurde geduscht, gegessen und die Beine wurden ein wenig gelockert. „Dann ist es schnell 2 Uhr und dann muss man schlafen, um für den nächsten Tag fit zu sein“, berichtet Basketballer Hans Brase.

Zur Erholung müssen die Ludwigsburger ohnehin jede verfügbare Minute nutzen. Nach den intensiven Viertelfinalspielen gegen den FC Bayern und dem kampfbetonten Duell mit Ratiopharm Ulm geht es bereits am Freitag um 20.30 Uhr mit dem Finalhinspiel weiter. Damit haben die Schwaben aber zumindest einen Tag mehr Pause, als der Gegner (siehe Text rechts). „Ab jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr. Wir müssen alles tun, damit wir für die nächsten zwei Spiele bereit sind und alles auf dem Feld lassen“, betont Brase.

Patrick lobt seine „Big Four“

Auch am Dienstag ließen die Riesen alles auf dem Feld, allen voran Marcos Knight. Der 30-Jährige vertrat sich im ersten Viertel den Knöchel und musste bandagiert werden. Dennoch drehte er im zweiten Durchgang auf und hielt die Riesen so im Spiel. Denn spielerisch klappte bei den Ludwigsburgern in der ersten Hälfte wenig. Durch Glück und fehlende Ulmer Konsequenz betrug der Rückstand zur Pause beim 42:46 nur vier Punkte. Zu allem Überfluss fiel auch Center Jonas Wohlfarth-Bottermann aus, nachdem er einen Schlag gegen das Knie bekommen hatte. Nach einer Untersuchung gab es leichte Entwarnung. Eine schwere Verletzung besteht nicht.

Nach der Halbzeitpause kehrten die Riesen wie verwandelt und voller Energie auf das Parkett zurück. Wie Nick Weiler-Babb nach dem Spiel berichtete, habe Co-Trainer David McCray das Team in der Kabine eingeschworen. Ein 9:0-Lauf direkt danach bildete die Grundlage für den Sieg. „Kompliment an die jungen Spieler, die uns wichtige Minuten gegeben haben. Aber heute waren die Big Four Jaleen Smith, Nick Weiler-Babb, Marcos Knight, Thomas Wimbush, sie haben geliefert“, sagte Riesen-Trainer John Patrick nach dem Spiel und nannte Knight sogar „Superman“.

Weiler-Babb mit 20 Punkten (vier Dreier), Smith mit 14 Zählern und vier Assists, Wimbush mit 22 Punkten, 12 Rebounds und Knight mit 26 Zählern und 13 Rebounds ließen ihre Klasse aufblitzen. „Vor allem in der zweiten Hälfte war Ludwigsburg das bessere Team, das muss man akzeptieren“, sagte Ulms Coach Jaka Lakovic. „Ludwigsburg hat den Sieg verdient.“ Überrascht habe ihn Ludwigsburg dabei nicht. Die Riesen hätten gespielt wie erwartet – und das sehr gut. „Unser System ist es, die andere Mannschaft aus dem Rhythmus zu bringen und da machen wir einen guten Job. Das bringt uns in den Flow und dann sind wir am allerbesten“, erklärt Brase das System Patrick, das die Mannschaft in dieser Saison so leidenschaftlich mit Leben füllt, wie noch nie in Patricks siebenjähriger Amtszeit.

Wie gut das Team funktioniert, zeigt sich auf und neben dem Platz: „Wir sind eine laute und emotionale Truppe. Wir kämpfen auf und neben dem Feld füreinander. Wir sind selbst unsere größten Fans“, sagt Brase. Während der Spiele und auch beim Aufwärmen fallen die Riesen durch besonders lautstarkes Auftreten auf. Im Hotel geht es nach Brases Auskunft gesitteter zu. „Ein bisschen Trash Talk mit den Gegnern gibt es, aber nichts großes“, berichtet der in den USA aufgewachsene Deutsche. „Wir respektieren uns gegenseitig und kennen uns ja zum Großteil. Im Prinzip kämpfen wir alle um das selbe Ziel.“ Viel Zeit bleibt den Spielern aber zum Austausch nicht: „Ich hätte gedacht, dass man mehr Zeit gemeinsam verbringt. Man hat weniger Zeit, als man denkt. Es gibt immer etwas zu tun.“ Vor allem wenn man so erfolgreich ist, wie die Riesen: Das nächste Ziel der Barockstädter heißt deutsche Meisterschaft.

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