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Basketball-Bundesliga

Sears ist schon fast wieder der Alte

In Oldenburg treffen die MHP-Riesen auf einen alten Bekannten. Justin Sears drückte bis zu einer schweren Verletzung dem Spiel der Riesen seinen Stempel auf. Es folgten Gedanken über das Karriereende, ein Comeback und die Hoffnung, ein paar Tipps von Riesen-Coach John Patrick zu erhalten.

Gut gelaunt und mit viel Einsatz spielte sich Justin Sears in die Herzen der Riesen-Fans. Foto: bm
Gut gelaunt und mit viel Einsatz spielte sich Justin Sears in die Herzen der Riesen-Fans. Foto: bm

Ludwigsburg. Champions-League-Final-Four, BBL-Halbfinale, Karrierebestwerte in der Liga, eine schwere Knieverletzung – was Justin Sears mit den MHP-Riesen Ludwigsburg erlebt hat, liest sich, als wäre er jahrelang für die Barockstädter aufgelaufen. Doch es war nur die Saison 2017/18, in der der Power Forward das gelb-schwarze Trikot trug. „Danach habe ich die Pause auch mental gebraucht“, sagt Sears heute über die fast einjährige Verletzungsunterbrechung. Gewohnt gut gelaunt redet der 25-Jährige über seine Zeit in Ludwigsburg. Heute (18 Uhr) trifft er mit seinem neuen Verein, den EWE Baskets Oldenburg, in der Basketball-Bundesliga auf die Riesen.

„Das wird ein schweres Spiel. Zwei Teams, die hart spielen und dem anderen alles abverlangen“, kündigt Sears an. Dass er heute Abend überhaupt auf dem Parkett steht, ist keineswegs selbstverständlich. Im letzten Hauptrundenspiel gegen Bayreuth hatte sich Sears 2018 im Riesen-Trikot das Kreuzband gerissen. Es folgten Gedanken über ein mögliches Karriereende. „Da habe ich sofort dran gedacht, als es passiert ist“, blickt er zurück. „Ich habe noch am selben Tag meinen Berater angerufen und gesagt: ‚Es waren zwei tolle Jahre als Profi‘“, so Sears. Dass er heute doch noch auf Profiniveau spielen kann, hat er auch Riesen-Trainer John Patrick zu verdanken. Mit ihm habe er sich am Ende der Saison 2018 zusammengesetzt – obwohl sein Vertrag in Ludwigsburg nicht verlängert wurde. „Er hat mir dann gesagt, ich solle an mich glauben, dass ich zurückkommen und sogar noch besser werden kann“, erzählt Sears.

„Ich habe dann auf die richtige Möglichkeit gewartet und sie von Oldenburg bekommen“, sagt Sears, der bei den Baskets im Mai 2019 sein Comeback auf der BBL-Bühne gab. In seiner Verletzungszeit habe er nicht nur viele Basketballspiele angeschaut und so seine Spielintelligenz verbessert, wie er berichtet. Auch sein Wurf sei stärker geworden. „Bis auf werfen kann man ja nicht viel machen mit der Verletzung“, lacht er. In allen anderen Belangen ist er aber immer noch der Alte und beweist die Tugenden, für die ihn die Riesen-Fans bewunderten. „Intensiv verteidigen, mit viel Energie spielen, die Bretter angreifen“ – das ist laut eigener Aussage sein Spiel, an dem es noch in einer Sache fehlt: „Ich muss meinen Rhythmus finden“, sagt der US-Amerikaner. Körperlich sei er zwar bei 100 Prozent, nun benötige er Spielzeit und müsse seine Rolle im Team finden. Die ist zunächst einmal hinter Rasid Mahalbasic. Der 2,10 große und 120 Kilogramm schwere Österreicher ist laut Sears „der beste Center der Liga“. Schon viermal konnte Mahalbasic seit Einführung der digitalen Statistik-Datenbank 1998 ein Triple Double auflegen, also zweistellige Werte in Punkten, Rebounds und Assists in einem Spiel. Das gelang bis letzte Woche außer ihm erst vier anderen BBL-Spielern – bis Nick Weiler-Babb von den MHP-Riesen beim Heimsieg gegen die Telekom Baskets Bonn auf 10 Punkte, 11 Rebounds und 12 Assists kam.

Respekt vor der Aufgabe, gegen seinen Ludwigsburger Ex-Verein zu spielen, hätte Justin Sears aber auch ohne diese Leistung. „Ich hoffe, wir können genau so viel Energie ins Spiel bringen wie sie“, weiß Sears genau, worauf Ludwigsburgs Trainer Patrick Wert legt – selbst wenn der Riesen-Kader seit dem Weggang von Sears komplett ausgetauscht wurde. Die Oldenburger, die letztes Jahr bis ins Halbfinale der BBL kamen, haben laut Sears dagegen eine zwar junge, aber sehr gute Mannschaft, die jedoch noch lernen muss. Offensiv spiele man fokussierter und insgesamt langsamer als Sears es aus Ludwigsburg kennt. „Wir spielen außerdem noch nicht unseren besten Basketball“, so Sears. Erst am Mittwoch bekam man im Eurocup bei Galatasaray Istanbul bei der 79:92-Niederlage die Grenzen aufgezeigt. Dennoch wolle man im Eurocup in die nächste Runde einziehen und ins BBL-Finale kommen. Hier hat Sears aus seiner Zeit aus Ludwigsburg noch eine Rechnung offen. Ohne ihn schieden die Riesen damals im Halbfinale gegen Alba Berlin aus und auch im Final-Four-Turnier der Champions League war im Halbfinale Schluss. „Das wäre mit mir zumindest etwas anders gelaufen“, ist sich Sears sicher. Bis zu den Play-offs, so sein Ziel, möchte er wieder auf das Level kommen, das er im Frühling 2018 erreicht hatte. Damals unter Trainer John Patrick. Auf das Wiedersehen mit dem Riesen-Coach freut sich Sears sowieso. Laut lachend sagt er: „Vielleicht gibt er mir ja ein paar Tipps für die Verteidigung. Ich glaube, ich habe in all der Zeit schon wieder einiges vergessen.“

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