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MHP-Riesen Ludwigsburg

Showtime mit Wimbush und Weiler-Babb

So schön kann Basketball sein: Ein Abend voller Abschiedsstimmung, ein Spiel mit allem was der Sport zu bieten hat und ein Ergebnis, wie es sich die Fans erträumen. Der 94:80-Sieg der MHP-Riesen gegen Bonn war ein besonderes Erlebnis.

Explosiv: Nick Weiler-Babb (rechts, gegen den Bonner Brandon Frazier) gelingt ein Triple-Double. Fotos: Baumann
Explosiv: Nick Weiler-Babb (rechts, gegen den Bonner Brandon Frazier) gelingt ein Triple-Double. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Welches Potenzial steckt in den Ludwigsburger Korblegern? Diese Frage stellten sich Basketball-Fans und -Experten nach durchwachsener Vorsaison gleichermaßen. Wer das vierte Viertel im zweiten Bundesliga-Saisonspiel der Riesen gegen die Telekom Baskets Bonn verfolgt hat, der kann nur zu einem Schluss kommen: Nach oben sind dem neu formierten Ensemble offenbar keine Grenzen gesetzt.

Zwar bemühte sich Trainer John Patrick, den überzeugenden Triumph auch mit der Müdigkeit des Gegners zu begründen. Tatsächlich hatten die Bonner vier Spiele in neun Tagen zu schultern. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, mit welcher Intensität, Aggressivität und Spielfreude die Gastgeber die über die gesamte Distanz eng umkämpfte Partie am Ende für sich entschieden.

Schon in der ersten Spielhälfte sahen die 3240 Zuschauer insgesamt elf Führungswechsel, bis zur Halbzeit stand die Partie auf Messers Schneide. Bonns Bester, Brandon Frazier (18 Punkte) sorgte mit einem Buzzer Beater für den 42:42-Pausenstand.

Nach ausgeglichenem dritten Viertel (67:66) brachen bei Topscorer Thomas Wimbush mit einer selten gesehenen Explosivität alle Dämme. Der 26-jährige Neuzugang aus Long Island hatte bis tief in die zweite Spielhälfte eher unscheinbar gewirkt, 13 seiner insgesamt 22 Punkte markierte er in der Schlussphase.

Weiler-Babb mit Triple Double

Und Weiler-Babb? Der unter der Woche wegen einer Handverletzung ausgefallene US-Amerikaner punktete sechsmal in Serie zur 74:72-Führung und zwang Gästecoach Thomas Päch zur Auszeit. Doch auch danach waren die Riesen spielbestimmend. Jaleen Smith und Wimbush verwandelten spektakulär zum 80:72 und zwangen Bonn zur nächsten Auszeit. Umsonst. Punkt für Punkt zog Ludwigsburg davon und feierte den verdienten Erfolg.

„Wenn wir als Team weiter zusammenhalten, dann können wir vom Talent her alles erreichen“, resümierte der eigentlich verletzt ins Spiel gegangene Weiler-Babb. Mit 10 Punkten, 11 Rebounds und 12 Assists gelang dem 24-Jährigen ein seltenes Triple Double und somit ein Kunststück, das es erst sechsmal in der Geschichte der Bundesliga gab und in Ludwigsburg bislang keinem Spieler gelungen war.

Einen Wermutstropfen gab es aber doch: Ariel Hukporti, der zu Beginn des zweiten Viertels gleich zweifach traf und mit viel Energie auftrat, musste nach 90 Sekunden auf dem Feld nach einem Sturz unter Schmerzen das Parkett verlassen. Spät am Abend gab es aus dem Krankenhaus Entwarnung: Der 17-Jährige zog sich „nur“ eine schwere Beckenprellung zu.

Riesen-Abschied von David McCray

Eigentlich hatte er sich fest vorgenommen, seine Tränen im Zaum zu halten, dann aber ließ David McCray in seiner emotional geladenen Dankesrede seinen Gefühlen doch freien Lauf.

Überwältigt von dem Zuspruch, der dem sympathischen Guard mit lauten „David McCray!“- Rufen von den Rängen entgegenschlug, machte er es kurz: „Danke Euch allen für die unglaubliche Zeit. Es war mit eine Ehre hier in Ludwigsburg zu spielen“, rief der 32-jährige Allrounder seiner Fangemeinschaft zu – und vergaß dabei nicht seine Bonner Anhängerschar – schließlich hatte der gebürtige Speyrer auch am Rhein zwei Jahre für die Telekom Baskets in der Bundesliga gespielt und auch dort viele Freunde gewonnen.

Schon vor einigen Wochen hatte der Defensivspezialist das Ende seiner 15-jährigen Karriere als Basketball-Profi angekündigt. Am Samstag wurde er von der kompletten Ludwigsburger Basketballfamilie mit stehenden Ovationen im Mittelkreis der MHP-Arena verabschiedet.

Welch nachhaltigen Eindruck der Vater zweier Kinder in den insgesamt zehn Jahren seines Mitwirkens im Bundesligateam der Gelben Riesen hinterlassen hat, zeigte sich während der ohnehin feurigen und äußerst intensiv geführten Partie gegen McCrays ehemaligen Vereinsgefährten aus Bonn.

Kurz vor dem Tip-Off entrollte die Fangruppe der Barock Pirates ein riesiges Trikot mit der Nummer 4, das sie über ihre Köpfe hinweg auf der Tribüne ausspannte. Sämtliche Spieler der MHP-Riesen trugen beim Aufwärmen das Trikot mit dem Namenszug des ehemaligen Kapitäns auf dem Rücken.

Selbst die Offiziellen nahmen unisono im McCray-Trikot am Wertungstisch Platz und – bislang einmalig in der Geschichte der MHP-Riesen – McCrays Trikot wird künftig unter der Decke der Arena hängen, seine Nummer wohl nicht mehr vergeben werden.

Viel Anerkennung und Respekt für eine Integrationsfigur, die in 423 BBL- und 104 Europapokalspiele das Gesicht des Ludwigsburger Basketballs entscheidend geprägt hat. (ast)

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