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Basketball-Bundesliga

Siegesserie der Riesen endet in Crailsheim

Die Crailsheim Merlins rauben den MHP-Riesen Ludwigsburg die Spielfreude und fügen dem BBL-Spitzenreiter die erste Niederlage nach 18 Siegen in Serie zu.

Kein Durchkommen: Die Merlins-Defensive um Fabian Bleck (r.) und Elias Lasisi (l.) entnervt Ludwigsburgs Desi Rodriguez (Mitte). Foto: Baumann
Kein Durchkommen: Die Merlins-Defensive um Fabian Bleck (r.) und Elias Lasisi (l.) entnervt Ludwigsburgs Desi Rodriguez (Mitte). Foto: Baumann

Ludwigsburg. Nach der Partie herrschte Gesprächsbedarf. Während Trainer John Patrick zusammen mit seinem Coaching-Team um Josh King und David McCray an der Mittellinie teilweise wild gestikulierend diskutierte, eröffneten seine Spieler der MHP-Riesen Ludwigsburg während des üblichen Stretchings nach Spielen eine Diskussionsrunde unter dem eigenen Korb. Deutlich hörbar: Die Spieler betrieben nach der ersten Niederlage der Gelb-Schwarzen nach zuvor 18 Siegen in Serie Ursachenforschung. Bei den Hakro Merlins Crailsheim hatten die Ludwigsburger gestern in der Basketball-Bundesliga 58:68 verloren. Dabei war relativ klar, wie es zur Niederlage, die Patrick als „Weckruf“ bezeichnete, kam: „Offensiv lief fast nichts. Wenn man nur 58 Punkte macht, darf man sich nicht beschweren“, sagte Patrick.

Nur im ersten Viertel zeigte der Ludwigsburger Tabellenführer ansatzweise sein Gesicht der bisher so erfolgreichen BBL-Saison. Nach Punkten von Desi Rodriguez nahmen die Riesen sogar eine 18:14-Führung mit in den zweiten Durchgang. Mit intensiver Verteidigung kauften die Crailsheimer dann aber den Ludwigsburgern den Schneid ab. Die Riesen fabrizierten Fehlwurf um Fehlwurf. „Wir haben viele offene Würfe nicht getroffen“, haderte Patrick.

Crailsheims Maurice Stuckey verwandelte dagegen zu Beginn des zweiten Viertels drei Dreier in Serie – zur Freude der rund 20 Merlins-Mitarbeiter, die von der Tribüne trotz des Geisterspiels zumindest für ein wenig Derby-Atmosphäre sorgten. „Es war laut. Es waren viele Crailsheimer Unterstützer hier“, wunderte sich Patrick, angesprochen auf die Stimmung in der Arena Hohenlohe. Stuckeys Punkte zum 23:20 sollten der letzte Führungswechsel der Partie sein.

Denn die Riesen zeigten Nerven. Ein hartes Foul von Desi Rodriguez gegen Haywood Highsmith erzürnte die Crailsheimer Zuschauer. Deren Ärger schwang aber schnell in Freude um. Die Merlins zogen durch Punkte von Elias Lasisi auf 29:22 davon. Die Riesen-Offensive, angeführt vom sonst so zuverlässigen Jaleen Smith, enttäuschte vollkommen. Keinen einzigen Punkt legte Smith in der ersten Hälfte auf, setzte jeden seiner acht Würfe auf den Ring. Anders als in den bisherigen Spielen, in denen immer ein anderer Spieler in die Bresche sprang, suchten die Riesen vergeblich nach einem Go-to-Guy. Zudem fehlte nicht nur Einzelkönner Barry Brown im Riesen-Kader, auf den Patrick nach dessen Rückkehr ins Team vergangene Woche verzichtete, sondern auch insgesamt die Leichtigkeit der letzten Wochen. Anders sah das bei den Merlins aus: Ex-Riese Bogdan Radosavljevic – nicht gerade als Scharfschütze bekannt – versenkte einen Dreier zum 40:24. Zur Halbzeit konnte Yorman Polas Bartolo auf 26:40 verkürzen.

Nach der Pause waren die Riesen sichtlich bemüht, das Spiel noch zu drehen. Die Defensivleistung wäre dafür auch eine hervorragende Basis gewesen. Jedoch setzte sich die Leidensgeschichte der ersten 20 Minuten fort. „Wir haben viel besser verteidigt, aber offensiv lief weiterhin fast nichts“, so Patrick. Lediglich 31 Punkte hatten die Riesen nach 25 Minuten auf dem Konto. Vor dem Schlussviertel lagen sie 43:55 zurück – und doch bekamen sie die Möglichkeit, das Spiel zu drehen. Polas Bartolo brachte die Riesen dreieinhalb Minuten vor Ende auf sechs Zähler heran (55:61). Crailsheim blieb davon unbeeindruckt: Lasisi versenkte einen Dreier, ehe sich Rodriguez sein zweites Unsportliches Foul gegen Trae Bell-Haynes erlaubte und das Parkett verlassen musste. „In den letzten Minuten haben wir wieder offene Würfe und Korbleger nicht getroffen“, sagte Patrick. Er musste zusehen, wie Crailsheim bis zum Spielende auf 68:58 davonzog.

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